Pakistan bestätigt finalen Abkommenstext mit Iran
Brent-Rohöl fiel am Freitag um mehr als drei Prozent auf rund 109 Dollar, als Berichte über einen finalisierten Abkommenstext zwischen den USA und Iran bekannt wurden. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif erklärte auf X: "Der finale, vereinbarte Text liegt vor. Frieden war noch nie so nah wie jetzt." Irans Außenminister Abbas Araghchi bestätigte es. Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter ließ via CNBC durchblicken, man sei "sehr nah, aber nicht zu 100 Prozent sicher". Unterzeichnen sollen Vizepräsident JD Vance und Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, voraussichtlich noch an diesem Wochenende in Genf, unmittelbar vor dem G7-Gipfel.
Vom Bombenangriff zur Absage in zwölf Stunden
Den unmittelbaren Ausgangspunkt legte Trump selbst: Am Donnerstagmorgen schrieb er auf Truth Social, die USA würden Iran "VERY HARD TONIGHT" treffen. Am Abend desselben Tages strich er die Angriffe. Begründung: "Die Gespräche sind auf die höchste Ebene der iranischen Führung gebracht und von ihr genehmigt worden." Am Freitagmittag folgte Pakistans Premierminister mit dem substanziellsten Signal der gesamten Konfliktgeschichte.
Pakistan hat in diesem Konflikt eine strukturelle Sonderrolle. Beim Scheitern der Islamabad-Verhandlungen im April und bei jeder folgenden Eskalation war Sharifs Regierung der letzte noch aktive Vermittlungskanal zwischen Washington und Teheran. Katar gilt seit Anfang Juni als erschöpfter Kanal. Sharifs Formulierung "finaler, vereinbarter Text" ist deshalb kein diplomatischer Kommentar, sondern die Aussage einer Partei mit direktem Zugang zu beiden Verhandlungspositionen.
Was im 14-Punkte-Entwurf steht
Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Mehr veröffentlichte am Freitagnachmittag einen 14-Punkte-Rahmenentwurf. Er sieht vor: sofortiger und dauerhafter Waffenstillstand auf allen Fronten einschließlich des Libanon; Öffnung der Straße von Hormus innerhalb von 30 Tagen "unter iranischen Arrangements"; Freigabe von 24 Milliarden Dollar eingefrorener Auslandsvermögen, die Hälfte vor Beginn formeller Gespräche; Aufhebung aller US-Sanktionen auf iranische Ölexporte; Ende der US-Seeblockade; und als weitreichendstes Element einen Wiederaufbauplan im Wert von mindestens 300 Milliarden Dollar, den die USA und ihre Verbündeten vorlegen sollen.
Trump widersprach dieser Darstellung öffentlich und scharf. Auf Truth Social schrieb er, was der iranische Staatsrundfunk über das Abkommen berichte, habe "NICHTS mit den tatsächlich vereinbarten Bedingungen zu tun". Die 300-Milliarden-Forderung ist der naheliegende Streitpunkt: Ein solcher Wiederaufbauplan würde zwingend den US-Kongress einbeziehen und wäre im gegenwärtigen politischen Klima Washingtons nicht durchsetzbar. Wahrscheinlichere Lesart: Die Mehr-Version ist für die iranische Innenpolitik formuliert, der tatsächliche Verhandlungstext ist enger gefasst.
IRGC und Außenministerium senden verschiedene Signale
Parallel zu den diplomatischen Erklärungen laufen die militärischen Operationen der Islamischen Revolutionsgarden weiter. Am Freitagvormittag stoppte die IRGC-Marine einen Öltanker an der Einfahrt zur Meerenge, feuerte Warnschüsse ab und zwang das Schiff zur Kehrtwende. Die US-Marine schoss über der Meerenge zwei iranische Angriffsdrohnen ab, die nach CENTCOM-Angaben auf Handelsschiffe zugesteuert hatten.
Das Nebeneinander von Araghchis Diplomatie-Signal und gleichzeitigen IRGC-Operationen zieht sich durch den gesamten Konfliktverlauf. Seit dem Tod des Obersten Führers Ali Khamenei zu Kriegsbeginn im Februar 2026 ist die Kommandostruktur der Revolutionsgarden ungeklärt. Irans Parlamentspräsident Ghalibaf, einer der potenziellen Unterzeichner, ist ein ehemaliger Kommandeur der Garden. Seine Fähigkeit, die operativen IRGC-Einheiten an der Meerenge tatsächlich zu instruieren, ist eine der zentralen Unbekannten im Abkommensprozess.
Was eine Einigung für Deutschland bedeutet
Brent-Rohöl notiert bei rund 109 Dollar pro Barrel, rund 40 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn im Februar 2026. Die Hormusmeerenge ist im Normalbetrieb der Durchgang für rund 21 Millionen Barrel täglich, etwa ein Viertel des weltweiten Seeölhandels. Derzeit passieren nach Schätzungen nur etwa zwei Prozent des normalen Volumens die Enge.
Die Gemeinschaftsdiagnose der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute senkte im Frühjahr 2026 die Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,6 Prozent und benannte eine Rezession als Risikoszenario bei dauerhafter Blockade. Der Unterschied zwischen diesem Wert und einem hypothetischen Wachstum ohne Energiepreisschock beträgt nach ifo-Schätzungen etwa 0,3 Prozentpunkte. Für Verbraucher: Heizöl ist seit Ende 2025 um rund 40 Prozent teurer, Super E10 im Schnitt um rund 25 Prozent.
Genf vor dem G7: Das Fenster bis Sonntag
Der G7-Gipfel beginnt am Montag, 15. Juni, in Évian-les-Bains am Genfer See. Frankreich hat den Vorsitz und hatte in den vergangenen Wochen intensiv auf eine diplomatische Lösung gedrängt. Eine Unterzeichnung in Genf am Sonntag würde Trump die Möglichkeit geben, das Abkommen als politischen Erfolg direkt in den Gipfel einzubringen.
US-Regierungsvertreter sagten gegenüber CNBC, die Unterzeichnung werde "wahrscheinlich in den nächsten Tagen" erfolgen, sei aber "nicht zu 100 Prozent sicher". Iran bestätigte am Freitagabend, es fänden "finale Beratungen" statt. Das strukturelle Problem bleibt: Außenministerium und Revolutionsgarden senden keine abgestimmten Signale. Ob der Text, den Pakistan und Araghchi als vereinbart bezeichnen, am Sonntag auch von einer Instanz unterzeichnet werden kann, die Meerenge dann tatsächlich öffnet, ist die eigentliche offene Frage dieser vermeintlich letzten Verhandlungsrunde.
Aktualisierungen
Update 13. Juni, 07:07 Uhr: US-Finanzminister Scott Bessent präzisierte am Samstagmorgen den Zeitplan: Ein Deal sei „bereits dieses Wochenende oder Montag" möglich. Irans Außenminister Araghchi bekräftigte, eine Unterzeichnung könne „digital und remote innerhalb von Tagen" erfolgen, sobald die Verhandlungen abgeschlossen seien. Parallel meldete das US-Zentralkommando CENTCOM, der Iran habe am frühen Samstagmorgen mehrere Angriffsdrohnen gegen Handelsschiffe in der Hormusstraße abgefeuert; alle wurden abgeschossen, die Meerenge bleibt offen. Das Muster aus diplomatischen Annäherungssignalen und gleichzeitigen IRGC-Operationen setzt sich damit fort.
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