Irans Atomgespräche: 40 Tage bis zur Deadline
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Irans Atomgespräche: 40 Tage bis zur Deadline

Am 16. August läuft die 60-Tage-Frist des Islamabad-Memorandums ab. Heute ist Tag 20. Die Straße von Hormus ist offen, doch das eigentliche Problem bleibt ungelöst: Irans Atomprogramm und der Streit darüber, wann IAEA-Inspektoren die Atomanlagen betreten dürfen.

7. Juli 2026, 8:38 Uhr 745 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Vierzig Tage trennen Iran und die USA von der Deadline ihres Islamabad-Memorandums. Am 16. August läuft die 60-Tage-Frist ab, in der beide Seiten eine Einigung über Irans Atomprogramm und die Zukunft der Straße von Hormus erzielen sollen. Die sichtbaren Signale sind positiv: Die Meerenge ist offen, Iran und Katar haben nach fünf Monaten den Seehandel wiederaufgenommen, die ersten zwölf Milliarden Dollar eingefrorener iranischer Vermögenswerte wurden freigegeben. Das eigentliche Kernproblem bleibt unbeantwortet: Wann dürfen Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde die iranischen Atomanlagen betreten?

Das Islamabad-Memorandum und seine Frist

Am 17. Juni unterzeichneten US-Präsident Donald Trump und der iranische Präsident Masoud Pezeshkian das Islamabad-Memorandum. Trump unterzeichnete beim Abendessen im Schloss Versailles, Pezeshkian in Teheran. Das 14-Punkte-Dokument regelt: Einstellung der Kampfhandlungen im Libanon, Öffnung der Straße von Hormus für 60 Tage ohne Maut, Rückzug eines Teils der US-Militärpräsenz in der Region sowie die Freigabe von 24 Milliarden Dollar an eingefrorenen iranischen Vermögenswerten, zwölf Milliarden davon bereits vor Beginn der Gespräche.

Im Gegenzug bekräftigte Iran, keine Atomwaffe anzustreben. Das Problem ist, dass diese Bekräftigung nicht überprüfbar ist, solange die IAEA keinen Zugang zu den Atomanlagen hat. Seit dem 28. Februar 2026, dem Tag des US-israelischen Luftangriffs auf iranisches Territorium, hat kein IAEA-Inspektor mehr eine iranische Atomanlage betreten.

Die fünf Kernstreitpunkte der Verhandlungen

Die Gesprächsrunden am Bürgenstock in der Schweiz vom 22. bis 24. Juni brachten eine Roadmap und fünf Arbeitsgruppen: Sanktionen, Atomprogramm, Wiederaufbau, Hormus-Verwaltung und Libanon-Waffenruhe. Was als ungelöste Kernkonflikte übrig blieb:

Inspektionen: Die IAEA fordert Zugang zu mehr als einem Dutzend iranischer Atomanlagen. IAEA-Chef Rafael Grossi erklärte in Bürgenstock, Inspektionen seien "unerlässlich" und würden stattfinden. Der iranische Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi widersprach: Zugang werde erst nach einer Finaleinigung gewährt, nicht vorher.

Urananreicherung: Iran reichert Uran derzeit auf 60 Prozent an, weit über dem zivil nutzbaren Schwellenwert von etwa 20 Prozent, aber unter den 90 Prozent, die für Kernwaffen benötigt werden. Nach IAEA-Schätzungen lagert Iran in einem Tunnelkomplex bei Isfahan genug hochangereichertes Uran für bis zu zehn Kernwaffen. Washington verlangt eine Pause der Anreicherung, idealerweise für 20 Jahre. Trump deutete an, er könnte auch mit 15 Jahren leben. Teheran lehnt beides ab.

Uranlager: Die USA fordern, dass Iran seinen Uranvorrat an einen Dritten übergibt, um ihn physisch unzugänglich zu machen. Iran lehnt die Herausgabe kategorisch ab.

Hormus-Maut: Nach Ablauf der 60 Tage will Iran eine Transitgebühr erheben. Die Doha-Gespräche vom 2. Juli produzierten keinen Durchbruch in diesem Punkt. US-Außenminister Marco Rubio hatte bereits nach den Bürgenstock-Verhandlungen erklärt, kein Staat dürfe auf einer internationalen Wasserstraße Gebühren erheben.

Sanktionszeitplan: Iran fordert sofortige weitreichende Sanktionserleichterungen. Washington will die Lockerungen an konkrete Fortschritte beim Atomprogramm knüpfen.

Was die nächsten 40 Tage konkret bedeuten

Die Frühzeichen der Normalisierung sind real. Iran und Katar haben nach fünf Monaten den Seehandel wiederaufgenommen: Der Hafen Al Ruwais empfängt seit dem 5. Juli wieder iranische Waren. Öltanker passieren die Straße von Hormus ohne Gebühr. Der globale Ölpreis, der nach der Hormus-Sperrung auf über 130 Dollar pro Barrel geklettert war, hat sich seither wieder entspannt.

Das eigentliche Testkriterium für den Verhandlungsfortschritt sind die IAEA-Inspektionen. Internationale Beobachter betonen, dass jede Einigung ohne verifikationsfähige Kontrollen nicht haltbar sei. Iran weiß das und nutzt die Verweigerung als Verhandlungshebel: Ohne Einigung kein Zugang, aber ohne Zugang keine glaubwürdige Einigung.

Die USA befinden sich dabei strukturell in einer schwächeren Position, als es das Verhandlungsbild suggeriert. Sie haben bereits zwölf Milliarden Dollar Vermögenswerte freigegeben, ohne eine konkrete Gegenleistung beim Atomprogramm gesehen zu haben. Das gibt Iran wenig Anreiz, in den verbleibenden 40 Tagen nachzugeben.

16. August: Was der Ablauf der Frist auslösen kann

Drei Szenarien sind realistisch. Erstens eine Einigung vor dem 16. August. Das würde die Inspektionsfrage lösen, die Hormus-Maut dauerhaft verhindern und weitere Sanktionslockerungen auslösen. Dieses Szenario gilt derzeit als das unwahrscheinlichste: Die verbleibenden Streitpunkte sind zu grundsätzlich, um sie in 40 Tagen zu überbrücken.

Zweitens eine Verlängerung des Memorandums ohne Einigung. Iran und die USA könnten die 60-Tage-Frist um weitere 30 oder 60 Tage verlängern, wenn beide Seiten das als politisch tragfähig bewerten. Das würde den Status quo einfrieren, die Grundkonflikte aber ungelöst lassen. Dieses Szenario gilt als wahrscheinlichstes Ergebnis.

Drittens ein Scheitern ohne Auffangnetz. Wenn am 16. August keine Verlängerung vereinbart und kein Deal unterzeichnet ist, tritt Iran nach eigenen Ankündigungen die Hormus-Maut in Kraft. Russland und China haben signalisiert, die Maut akzeptieren zu wollen. Westliche Staaten haben angekündigt, sie nicht zu zahlen. Das würde die Meerenge wieder zum Konfliktherd machen, diesmal ohne direkten Krieg als Ausgangspunkt.

Die 40 verbleibenden Tage werden zeigen, ob das Islamabad-Memorandum ein Anfang war oder nur eine Atempause.

Quellen (10)

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