USA verhängen wöchentliche Bankensanktionen gegen Iran
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USA verhängen wöchentliche Bankensanktionen gegen Iran

US-Finanzminister Scott Bessent hat beim G20-Gipfel in Asheville angekündigt, wöchentlich neue Bankensanktionen gegen Iran zu verhängen. Parallel zu den Militärschlägen vom 1. September eröffnet Washington damit eine zweite, finanzielle Front gegen Teheran.

Quellen (10)
  1. Euronews: G20 Asheville, Iran sanctionseuronews.com
  2. Euronews: US strikes IRGC targets Sept 1euronews.com
  3. Al Jazeera: US attacks on Iranaljazeera.com
  4. Washington Times: US strikes IRGCwashingtontimes.com
  5. CBS News: Iran, Jordan, Bahraincbsnews.com
  6. US Treasury: Shadow fleet sanctionshome.treasury.gov
  7. SWP: Russische Schattenflotteswp-berlin.org
  8. Deutschlandfunk: SPD Möller Schattenflottedeutschlandfunk.de
  9. t-online: Sechs Monate Iran-Kriegt-online.de
  10. Yahoo Finance: G20 Iran sanctionsfinance.yahoo.com
3. September 2026, 7:02 Uhr790 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Am 1. September griffen US-Streitkräfte gleichzeitig sieben Küstenorte Irans an, darunter die größte Marinebasis des Landes in Bandar Abbas. Zur selben Zeit tagte in Asheville, North Carolina, der G20-Finanzgipfel. US-Finanzminister Scott Bessent nutzte das Treffen für eine ungewöhnlich direkte Ansage: Fortan werde Washington jede Woche neue Bankensanktionen gegen Iran verhängen. "Financial violence if we have to", sagte er. Der Irankrieg wird zunehmend auch mit Kontonummern geführt.

Wöchentliche Sanktionen: Der Plan aus Asheville

Das G20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs am 31. August und 1. September in North Carolina diente den USA als Bühne für eine konzertierte Sanktionspolitik. Bessent erklärte, er wolle den G20-Vorsitz nutzen, um Verbündete zur koordinierten Isolierung Irans vom internationalen Finanzsystem zu bewegen. Den Auftakt machte das US-Finanzministerium bereits am Freitag vor dem Gipfel: Es schlug eine Regel vor, die emiratischen Filialen der Banque Misr vom US-Finanzsystem trennt. Die Banque Misr ist Ägyptens zweitgrößte Bank; ihre Niederlassung in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein wichtiges Bindeglied im iranischen Ölgeschäft.

Das angekündigte Muster: wöchentlich neue Sanktionen. Bessent beschrieb das Ziel als "showing people that we know who you are." Der Druck gilt nicht nur iranischen Instituten, sondern jedem Finanzdienstleister, der iranische Transaktionen abwickelt, solange er Zugang zum US-Dollar benötigt. Dollar-Transaktionen laufen über das amerikanische Finanzsystem. Wer daraus ausgeschlossen ist, kann international kaum noch operieren.

Bankensanktionen als Schlüssel zur Schattenflotte

Irans Öl fließt trotz aller Sanktionen weiter. Ein Großteil davon über Schattenflotten: Tanker unter Drittstaatsflaggen, die auf Sanktionslisten stehen, aber über Zwischenfinanziers weiter operieren können. Das US-Finanzministerium hat seit Februar 2026 Dutzende Schiffe und Unternehmen in diesem Netzwerk sanktioniert. Das strukturelle Problem: Wer diese Transaktionen bankenseitig ermöglicht, entkam bisher weitgehend.

Jede Bank, die für einen iranischen Öldeal abwickelt, riskiert künftig den Dollar-Ausschluss. Das ist ein mächtiger Hebel, der jedoch auf eine klare Grenze stößt: China und Indien importieren zusammen den Großteil des iranischen Öls. Zahlungen laufen über das Yuan-System und chinesische Staatsbanken, die Washington nicht sanktionieren will, weil die wirtschaftlichen Folgen eines offenen Konflikts mit Peking weit über den Irankrieg hinausgehen würden.

Für Irans Wirtschaft, die nach Monaten des Krieges unter starkem Druck steht, sind Öleinnahmen keine abstrakte Haushaltsgröße. Sie finanzieren Subventionen für Grundnahrungsmittel und Treibstoff sowie das Rüstungsprogramm der Revolutionsgarden. Der Rial hat seit Kriegsbeginn massiv an Wert verloren; die innenpolitische Legitimation der Führung hängt auch daran, die Grundversorgung aufrechtzuerhalten.

Russland und Iran: Koordinierte Umgehung westlicher Sanktionen

Die iranische Schattenflotte operiert nicht isoliert. Die Stiftung Wissenschaft und Politik hat in einem Papier vom Mai 2026 dokumentiert, wie ähnlich Iran und Russland bei der Sanktionsumgehung vorgehen: vergleichbare Tarnfirmennetzwerke, ähnliche Flaggenstaaten, teilweise dieselben Finanzdienstleister. Russland hat seit 2022 eine eigene Schattenflotte für Öltransporte nach China, Indien und in die Türkei aufgebaut, die strukturell mit der iranischen verzahnt ist.

Siemtje Möller, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, forderte am Montag gegenüber dem Deutschlandfunk einen "robusteren Ansatz" auch gegen die russische Schattenflotte. Möller schlug vor, EU-Partner könnten über einen gemeinsamen Rechtsrahmen verschärfte Umweltauflagen für Schattenflottentanker im Nord- und Ostseetransit durchsetzen. Das würde Russland, wie sie sagte, "erheblich und schmerzhaft" treffen. Für Deutschland wäre das eine Sanktionsmaßnahme ohne direkte Militärbeteiligung.

Das nächste Sanktionspaket kommt diese Woche

Bessent hat für die laufende Woche eine weitere Bankensanktion angekündigt, für die nächste Woche ebenfalls. Welche Institute konkret im Visier stehen, ließ er in Asheville offen. Europäische Großbanken dürften die US-Maßnahmen weitgehend mitziehen: Der Zugang zum US-Dollar ist für sie systemkritisch, während das Iran-Geschäft ein minimales Volumen hat. Frankreich und Deutschland haben bisher keine eigene Bankensanktionsliste gegen Iran verabschiedet, wären aber bei einem US-Ausschluss mittelbar betroffen.

Die eigentliche Frage bleibt, ob Bankensanktionen die iranischen Öleinnahmen spürbar senken, solange China nicht mitspielt. Peking hat auf die Eskalation vom 1. September bislang keine Änderung seiner Importpolitik signalisiert. Militärische Strikes und Bankensanktionen verlaufen als Doppelstrategie, die Washington parallel eskaliert. Das nächste Sanktionspaket soll noch in dieser Woche folgen.

Korrektur 17. September, 19:43 Uhr: Zwei Angaben berichtigt. Finanzminister Bessent kündigte wöchentliche Sanktionen an, ohne Wochentage zu nennen. Und das zitierte SWP-Papier behandelt die russische Schattenflotte und erwähnt Iran als paralleles Phänomen; eine Koordination zwischen beiden Staaten belegt es nicht.

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