Nur 53 Schiffe in einer Woche: Hormuz fast stillgelegt
In der Woche bis zum 20. Juli passierten nur 53 Schiffe die Straße von Hormus, laut Lloyd's List Intelligence ein Rückgang von 66 Prozent gegenüber der Vorwoche. Tanker und Gasträger, die für den Großteil des Öl- und Flüssiggastransports verantwortlichen Schiffsklassen, fielen von 90 auf 30 Transits. Seit dem 20. Juli blockieren die Huthis zudem Bab al-Mandab, die zweite kritische Meerenge am Ausgang des Roten Meeres. Zum ersten Mal in diesem Konflikt sind damit beide Durchfahrten, durch die zusammen rund ein Viertel der globalen Öl- und Gasversorgung fließt, gleichzeitig faktisch geschlossen.
Zwölf Nächte Bombardierung und zwei blockierte Meerengen
Der Irankrieg begann am 28. Februar 2026 mit der gemeinsamen US-israelischen Operation Epic Fury gegen iranische Militäranlagen und Atomanlagen. Wenige Wochen später blockierte die US-Marine die Straße von Hormus für Schiffe mit Ziel Iran und Iran reagierte mit einer faktischen Sperrung des internationalen Tankerverkehrs. Seither ist Hormuz für normale Handelsschiffe praktisch nicht passierbar.
Die Eskalation der letzten zwei Wochen ist die bislang intensivste Phase des Konflikts. Seit dem 11. Juli bombardiert das US-Zentralkommando CENTCOM Iran jede Nacht. In der Nacht auf den 22. Juli war es laut Al Jazeera die elfte aufeinanderfolgende Nacht; die Angriffe richteten sich anfangs gegen Radaranlagen und Luftabwehrsysteme und weiteten sich dann auf Häfen, Kraftwerke und zuletzt erstmals auf den Kernkraftwerksbaustandort Darkhovin aus.
Parallel dazu hat sich eine zweite Front geöffnet. Die Huthis im Jemen, die Iran als Verbündete dienen, erklärten am 20. Juli eine maritime Blockade gegen Saudi-Arabien und schlossen Bab al-Mandab. Diese Meerenge zwischen Jemen und Dschibuti ist die einzige Verbindung zwischen dem Roten Meer und dem Indischen Ozean. Saudi-Arabien, der weltgrößte Ölexporteur, kann seine Tanker nun nicht mehr auf dem direkten Weg nach Europa oder Asien schicken.
Was die Zahlen tatsächlich bedeuten
Die Daten von Lloyd's List Intelligence für die Woche bis 20. Juli sind die konkreteste Momentaufnahme der Krise: 53 Schiffe durch Hormuz insgesamt, davon nur 30 Tanker und Gasträger, ein Rückgang von 67 Prozent gegenüber den 90 Transits dieser Schiffsklassen in der Vorwoche. Vor dem Krieg passierten täglich bis zu 20 große Rohöltanker allein die Hormuzenge.
Der Brentölpreis kletterte am 23. Juli auf rund 94 bis 95 US-Dollar je Barrel, den höchsten Stand seit Mitte Juni. Das liegt unter dem Konflikthöhepunkt von mehr als 126 Dollar je Barrel im April, spiegelt aber eine neue Eskalationsphase wider. Diesel ist laut Daten des Bipartisan Policy Center inzwischen rund 58 Prozent teurer als vor einem Jahr, Kerosin für Fluggesellschaften rund 106 Prozent.
IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol bezeichnete die Energiekrise gegenüber CNBC als „größte Energiesicherheitsbedrohung der Geschichte“ und stufte sie schwerer ein als die Ölkrisen der 1970er Jahre und die Energiekrise nach Russlands Ukraineinvasion 2022. Die Hormuzsperrung hat nach IEA-Schätzungen rund 14 Millionen Barrel Rohöl täglich vom Weltmarkt genommen.
Warum der Juli eine andere Qualität hat als der April
Im April, auf dem Höhepunkt des ersten Eskalationszyklus, war Hormuz zwar blockiert, Bab al-Mandab aber noch offen. Saudi-Arabien und andere Golfstaaten konnten Teile ihrer Exporte über den langen Weg um das Kap der Guten Hoffnung umleiten. Dieser Ausweichweg ist seit dem 20. Juli ebenfalls versperrt. Saudi-Arabiens Ölladungen sind in den zwei Wochen seit der Huthiblockadedrohung um 36 Prozent gefallen, wie The National unter Verweis auf Branchendaten berichtete.
Für Deutschland war der Irankrieg bereits zuvor wirtschaftlich belastend. Die Bundesregierung halbierte ihre Wachstumsprognose für 2026 von einem Prozent auf 0,5 Prozent; Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nannte die Energiekrise als zentralen Grund. Kanzler Friedrich Merz berief mehrfach den Nationalen Sicherheitsrat ein, um Versorgungsengpässe für Kraftstoff und Gas zu koordinieren. Benzin in Deutschland kostet laut ADAC wieder mehr als zwei Euro je Liter, ein Niveau, das zuletzt während der Ukraineenergiekrise 2022 erreicht wurde.
Die Reedereien reagieren mit drastischen Maßnahmen. Rund zehn Prozent der weltweiten Containerflotte steckt nach Branchenangaben in logistischen Staus auf oder rund um den Golf, wie eine Reedereiführungskraft gegenüber AOL News erklärte. Umwege über das Kap verlängern Lieferzeiten zwischen Europa und Asien um mehrere Wochen und erhöhen Frachtkosten erheblich.
Maskat am 25. Juli: Gespräche trotz Skepsis
Trotz der Eskalation sind für den 25. Juli Verhandlungen in Maskat angesetzt. US-Außenminister Marco Rubio erklärte beim ASEAN-Gipfel in Manila jedoch öffentlich, der Iran führe „momentan keine ernsthaften Gespräche”. Die iranische Verhandlungsführung hatte ein Ende der US-Bombardierungen als Vorbedingung für substanzielle Verhandlungen genannt. Der Golfkooperationsrat, Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate, drängt seit Wochen auf Diplomatie.
Was am 25. Juli in Maskat tatsächlich besprochen wird, ist unklar. Vollständige Waffenstillstandsgespräche gelten als unwahrscheinlich; möglicherweise geht es um partielle Sicherheitsgarantien für den zivilen Schiffsverkehr. Solange keine Einigung erzielt wird, dürfte der Öltransit durch beide Meerengen weiter sinken. Die IEA hat die Mitgliedstaaten aufgefordert, strategische Reserven für einen koordinierten Notfalleinsatz bereitzuhalten.
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