Iran öffnet Hormus: Ölpreis fällt elf Prozent
Der Iran hat die Straße von Hormus für Handelsschiffe geöffnet. Außenminister Abbas Araghtschi erklärte am Freitag, die Passage sei vollständig offen für die verbleibende Dauer der Waffenruhe. An den Ölmärkten folgte sofort eine heftige Reaktion: Rohöl der Sorte Brent fiel um elf Prozent auf rund 88 Dollar je Barrel, US-Rohöl (WTI) verlor zwölf Prozent. In Paris berieten derweil rund 40 Staaten, wie die Meerenge künftig gesichert werden soll. Die Vereinigten Staaten nahmen an der Konferenz nicht teil.
Was die Straße von Hormus bedeutet
Die Straße von Hormus ist die engste Wasserstraße der Welt an einem strategisch entscheidenden Knotenpunkt. Zwischen der iranischen Küste und der Halbinsel Musandam im Oman verengt sich der Persische Golf auf 39 Kilometer. Rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels und 30 Prozent des global gehandelten Flüssiggases passieren täglich diese Enge. Als der Iran zu Beginn des Krieges im März 2026 die Kontrolle über die Schifffahrtswege verschärfte und die USA im Gegenzug eine Seeblockade iranischer Häfen verhängten, explodierten die Energiepreise. Rohöl der Sorte Brent kletterte zwischenzeitlich auf knapp 100 Dollar je Barrel.
Die jetzige Öffnung ist ausdrücklich befristet. Araghtschi sprach von der Dauer der Waffenruhe und verwies auf koordinierte Routen, die Irans Hafenbehörde bereits bekanntgegeben habe. Der Iran behält die Kontrolle: Schiffe müssen die offiziellen Transitrouten nutzen, Irans Revolutionsgarden behalten das Recht zur Überprüfung. Ob die Öffnung über den 21. April hinaus gilt, ist offen.
Drei Waffenruhen, drei Fristen
Die diplomatische Lage ist komplex, weil drei verschiedene Vereinbarungen mit drei verschiedenen Ablaufterminen gleichzeitig gelten. Die US-iranische Waffenruhe, die Hormusöffnung ermöglichte, läuft am 21. April aus, also in vier Tagen. Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah wurde für zehn Tage vereinbart und endet am 27. April. Ein umfassendes Rahmenabkommen steht weiterhin aus.
Für europäische Verbraucher bedeutet das: Kerosinpreise und Heizölpreise könnten in den nächsten Tagen spürbar sinken, bleiben aber abhängig davon, ob am 21. April die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran zu einem Ergebnis führen. Scheitern die Gespräche, ist eine erneute Schließung der Meerenge wahrscheinlich. Die Preise würden dann auf den Krisenhöchstand zurückschnellen.
Paris ohne Washington
Während an den Märkten die Öffnungsnachricht die Stimmung hob, tagte in Paris eine Konferenz zur künftigen Sicherung der Meerenge. Frankreich und Großbritannien hatten rund 40 Staaten eingeladen, darunter Deutschland und Italien sowie zahlreiche asiatische und afrikanische Nationen per Videoschaltung. Die Vereinigten Staaten waren nicht vertreten.
Bundeskanzler Friedrich Merz sprach sich für einen multinationalen Plan aus und brachte den Einsatz von Bundeswehrminensuchbooten ins Gespräch. Er machte dabei deutlich, dass eine deutsche Beteiligung erst nach einem Waffenstillstand infrage komme, nicht während laufender Kampfhandlungen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betonte ebenfalls, die Konferenz richte sich auf die Zeit nach dem Konflikt. Er sprach sich dafür aus, kriegsführende Länder von einer künftigen Sicherheitsmission auszuschließen.
Die Abwesenheit Washingtons ist das politisch bedeutsamste Signal der Konferenz. Europa plant die Sicherheitsarchitektur für eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt ohne die USA. Kanzler Merz formulierte das als Forderung, nicht als Feststellung: Er bat die USA zur Beteiligung. Das klingt nicht nach einer Selbstverständlichkeit.
Wer gewinnt, wer verliert
Der Ölpreisrückgang kommt für europäische Verbraucher zu einem späten Zeitpunkt. Kerosin kostet nach wie vor mehr als doppelt so viel wie vor dem Krieg, was sich in gestiegenen Flugticketpreisen und Güterfrachtkosten niederschlägt. Heizölkäufer könnten in den nächsten Wochen von moderat gesunkenen Preisen profitieren, sofern die Waffenruhe hält.
Gewinner der Öffnung sind vor allem asiatische Importeure. Japan, Südkorea und China hatten die Hormuzblockade am stärksten gespürt, weil sie einen Großteil ihres Öls aus der Golfregion beziehen. Für Exporteure wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate bedeutet eine offene Meerenge höhere Exportvolumina, auch wenn der Ölpreis dabei fällt.
Verlierer sind zunächst die Ölförderstaaten. Der Preiseinbruch trifft Länder, die zur Finanzierung ihrer Staatsausgaben auf hohe Ölpreise angewiesen sind. Russland, das trotz westlicher Sanktionen über Umwege Öl durch den Golf verkauft, verliert Einnahmen. Auch der Iran selbst zahlt einen Preis: Die Öffnung der Meerenge kostet ihn sein wichtigstes Druckmittel in den laufenden Verhandlungen.
Vier Tage bis zur Entscheidung
Am 21. April läuft die US-iranische Waffenruhe aus. Damit endet auch die Grundlage für die Öffnungsankündigung des iranischen Außenministers. Zwei Szenarien sind realistisch: Erstens eine Verlängerung mit weiteren Verhandlungen über ein dauerhaftes Abkommen. Zweitens ein Scheitern, das die Meerenge wieder schließt und die Energiemärkte zurück in die Krise treibt.
Die Pariser Konferenz soll bis zum 21. April einen konkreten Einsatzplan vorlegen. Das ist knapp: Weniger als vier Tage bleiben, um Details einer multinationalen Marineoperation abzustimmen, die Europa ohne die USA stemmen will. Wie realistisch das ist, hängt auch davon ab, ob die USA die Blockade iranischer Häfen aufheben. Ohne Lösung dieser Frage ist die Hormusöffnung durch den Iran nur eine Geste auf Zeit.