Katar und Pakistan wollen zehn Tage Feuerpause im Iran
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Katar und Pakistan wollen zehn Tage Feuerpause im Iran

Katar und Pakistan schlugen gemeinsam eine zehn Tage lange Feuerpause vor, um das gescheiterte Memorandum of Understanding vom Juni wiederzubeleben. In Washington widersprechen sich Rubio und Trump öffentlich, ob der Iran es ernst meint.

27. Juli 2026, 19:11 Uhr 1210 Wörter · 7 Min. Lesezeit

Katar und Pakistan haben gemeinsam einen Zehntagsplan für die Hormus-Krise vorgelegt: Beide Seiten stellen die Kampfhandlungen für zehn Tage ein, kehren zu den Positionen vom 8. Juli zurück und nehmen dann erneut Verhandlungen über das Memorandum of Understanding vom 17. Juni auf. Die USA und der Iran antworten einander seit Freitagabend tatsächlich mit Stille statt mit Bomben. Was diese Pause bedeutet, ist in Washington selbst umstritten. Außenminister Rubio und Präsident Trump sagen gegensätzliche Dinge.

Drei Phasen seit dem Juniabkommen

Am 17. Juni schlossen Pakistan als Vermittler, die USA und der Iran das erste Memorandum of Understanding dieses Krieges. Es sah eine 60-tägige Feuerpause vor, die Wiederherstellung freier Schifffahrt durch die Straße von Hormus sowie einen Zeitplan für Gespräche über Irans Atomprogramm. Für den Iran bedeutete das Abkommen die teilweise Aufhebung von Ölsanktionen und die Freigabe von sechs Milliarden Dollar eingefrorener Vermögenswerte. Teheran erklärte öffentlich, es habe gewonnen.

Am 8. Juli erklärte US-Präsident Donald Trump das MoU für beendet. In den Tagen zuvor hatte der Iran Schiffe im Golf angegriffen. Einen Tag nach der Aufkündigung begannen die USA ihre Luftangriffe auf iranische Militärstandorte erneut. In dreizehn aufeinanderfolgenden Nächten bombardierte das US-Zentralkommando CENTCOM Stellungen der Iranischen Revolutionsgarden. Irans Gegenangriffe auf US-Militärbasen in Kuwait und Bahrain folgten. Brent-Rohöl stieg von rund 70 Dollar, dem Tief nach dem Juni-MoU, auf über 100 Dollar je Barrel.

Am 20. Juli legten Katar und Pakistan gemeinsam das neue Angebot vor. Ein iranischer Regierungsvertreter beschrieb es gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters so: zehn Tage vollständige Waffenruhe, Rückkehr zu den Positionen beider Seiten vom 8. Juli und anschließende Neuverhandlung über das gescheiterte MoU. Keine neue Vereinbarung, sondern die Wiederbelebung der alten, falls beide Seiten wollen.

Rubio und Trump widersprechen sich

Aus Washington kamen zwei kaum vereinbare Aussagen innerhalb von 48 Stunden. Marco Rubio erklärte am 22. Juli: „Das Problem, das wir gerade haben, ist, dass sie es nicht ernst meinen. Wenn sie es ernst meinen, meinen wir es auch ernst." Zwei Tage später sagte Präsident Trump, er glaube, der Iran werde „immer ernsthafter". Entweder hat sich Teherans Haltung in 48 Stunden fundamental verändert oder Rubio und Trump sprechen über unterschiedliche Signale aus unterschiedlichen Kanälen des Regierungsapparats.

Der Iran ließ am 27. Juli über das Außenministerium mitteilen, es gebe keine direkten Verhandlungen mit den USA. Gespräche führe Teheran ausschließlich mit Oman, das als indirekter Kanal fungiert. Irans Außenminister meldete am selben Tag Fortschritte in Gesprächen mit Oman über Grundsätze sicherer Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Das ist konsistent mit der bekannten Haltung Teherans: kein direkter Dialog mit Washington, aber Signale über Dritte.

Pakistan als Brücke zwischen beiden Fronten

Pakistan spielt eine Rolle, die in westlichen Medien häufig unterschätzt wird. Islamabad hat nicht nur das Juni-MoU vermittelt, sondern betreibt seit dem Scheitern weiterhin den Kanal für indirekte Signale. Irans Innenminister Eskandar Momeni reiste in der vergangenen Woche nach Islamabad. Pakistans neu ernannter Botschafter in Teheran, Imran Siddiqui, traf den iranischen Außenminister Abbas Araghchi. Berichten zufolge drängt China darauf, Pakistan solle eine Wiederaufnahme der US-Iran-Gespräche vorantreiben. Peking ist der weltgrößte Abnehmer iranischen Öls und hat ein direktes wirtschaftliches Interesse daran, Hormus offenzuhalten.

Für Washington ist die freie Durchfahrt durch Hormus ohne iranische Transitgebühren die Grundbedingung für jedes Abkommen. Für den Iran ist die Meerenge das einzige Druckmittel, das Teheran nicht aufgeben will. An dieser Grundfrage hat sich seit dem gescheiterten MoU nichts geändert.

Zwei Nächte ohne Angriffe

Seit Freitagabend haben die USA keine Luftangriffe auf Iran durchgeführt. Der Iran hat seinerseits auf Gegenschläge gegen Nachbarstaaten verzichtet. Brent-Rohöl ist seit dem Höchststand von 100,36 Dollar am Donnerstag auf rund 92 Dollar gefallen, ein Rückgang von mehr als sieben Prozent. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus war über mehr als zwei Wochen um mehr als 60 Prozent eingebrochen; wie schnell er sich erholt, hängt davon ab, ob die Pause hält.

Trump hatte am 25. Juli öffentlich ein Treffen in Doha am 28. Juli angekündigt. Das iranische Außenministerium widersprach. Mögliche Deutung: Trump hat die Ankündigung unilateral gemacht, um Teheran öffentlich unter Druck zu setzen. Oder indirekte Kanäle existieren und beide Seiten haben ein Interesse daran, den Stand der Gespräche unterschiedlich zu framen.

Was am Dienstag entschieden wird

Der 28. Juli ist das erste konkrete Datum, an dem sich zeigt, ob die Pause diplomatische Substanz hat. Findet das Doha-Treffen statt, wäre es die erste direkte oder halbdirekte Gesprächsrunde seit dem Scheitern des Juni-Abkommens. Findet es nicht statt, hat Washington öffentlich eine Erwartung geweckt, die unerfüllt bleibt. Teheran würde das als Propagandaerfolg verbuchen.

Pakistan und Katar haben mit dem Zehntagsplan eine konkrete Schnittstelle gebaut: Wer die zehn Tage einhält, signalisiert damit, dass er verhandeln will. Wer es nicht tut, trägt öffentlich die Verantwortung für das Scheitern. Es ist der einfachste Test, der in diesem Konflikt je angelegt wurde. Ob er besteht, entscheidet sich in den nächsten 24 Stunden.

Update 28. Juli, 05:05 Uhr: Trump bestätigte am Montag gegenüber dem Portal Axios die Angriffspause: „Wir befinden uns in sehr tiefgehenden Verhandlungen mit dem Iran", sagte er und fügte hinzu, der Iran habe „um ein Treffen gebeten." Die Entscheidung zur Pause sei auf Anraten von Katar und Pakistan gefallen. An den Energiemärkten reagierte Brent-Rohöl mit einem weiteren Rückgang: Der Preis fiel am Montag auf 88,36 Dollar je Barrel, ein Rückgang von 8,7 Prozent gegenüber dem Vortag und das erste Mal seit Wochen deutlich unter 90 Dollar. Parallel griffen Huthi-Milizen am 27. Juli Saudi-Aramco-Anlagen in den Häfen Dschisan und Yanbu an der Küste des Roten Meeres an. Yanbu ist der wichtigste Exporthafen Saudi-Arabiens für Öl, das die Straße von Hormus umgeht. Der Schiffsverkehr durch Bab al-Mandab sank auf den niedrigsten Stand seit Monaten.

Update 28. Juli, 17:00 Uhr: Das Doha-Treffen, das Trump für den 28. Juli angekündigt hatte, fand offenbar nicht als direkte US-Iran-Gesprächsrunde statt. Das iranische Außenministerium bekräftigte am 27. Juli, es führe keine Verhandlungen mit den USA; Teheran werde nicht zulassen, dass Washington den Zeitpunkt von Krieg und Frieden bestimme. Gleichzeitig verdichten sich die iranisch-omanischen Gespräche: Oman und Iran sind laut Bloomberg vom 28. Juli nahe an einer Einigung darüber, unter welchen Bedingungen Tanker die Straße von Hormus wieder passieren können. Der strittigste Punkt bleibt die von Iran geforderte Transitgebühr, die Washington als Verstoß gegen internationales Seerecht ablehnt. Der geplante Schifffahrtsdeal soll explizit keine Lösung des Gesamtkonflikts sein, sondern nur eine Regelung des Schiffsverkehrs. An den Rohölmärkten fiel Brent am 28. Juli auf rund 87 Dollar je Barrel, einen dritten Verlusttag in Folge seit dem Höchststand von 100,36 Dollar am 23. Juli. Durch die Meerenge fahren weiterhin weniger als zehn Tanker täglich, rund zehn Prozent des Vorkriegsniveaus von etwa 100 Schiffen pro Tag.

Quellen (17)

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