Iran greift Jordanien an, USA und Saudi-Arabien bomben Irak
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Iran greift Jordanien an, USA und Saudi-Arabien bomben Irak

Iran hat in der Nacht auf Dienstag erstmals seit der US-Angriffspause ballistische Raketen auf US-Stützpunkte in Jordanien abgefeuert, alle wurden abgefangen. USA und Saudi-Arabien bombten daraufhin gemeinsam Milizstellungen im östlichen Irak und töteten mindestens 20 Kämpfer.

29. Juli 2026, 12:42 Uhr 734 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Nur wenige Tage nach der von Trump ausgerufenen Angriffspause feuerte Iran in der Nacht zum 29. Juli erstmals ballistische Raketen direkt vom Staatsgebiet aus auf US-Militärstützpunkte in Jordanien ab. Jordaniens Armee schoss nach eigenen Angaben fünf Raketen ab, CENTCOM meldete, alle seien abgefangen worden. Wenige Stunden später bombten USA und Saudi-Arabien gemeinsam Stellungen iranunterstützter Milizen im östlichen Irak und töteten nach Angaben der Volksmobilisierungseinheiten (PMF) mindestens 20 Kämpfer. Für Riad ist es die erste bestätigte Direktaktion im Irak seit Beginn des Krieges.

Drei Tage Pause, die keinen Frieden brachten

Trump hatte die US-Angriffe auf iranische Militärziele rund um den 25. Juli auf Empfehlung von CENTCOM-Kommandeur Admiral Brad Cooper ausgesetzt. Rund 80 Prozent der designierten Ziele waren bereits getroffen worden, die Munitionsreserven wurden knapp. Die Pause sollte Raum für Verhandlungen schaffen und trieb den Ölpreis von über 100 Dollar auf knapp 88 Dollar je Barrel.

In diesen Tagen der vermeintlichen Stille ließ die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) iranunterstützte Milizen im Irak nicht pausieren. CENTCOM verzeichnete laut eigener Aussage mehr als 30 IRGC-gelenkte Drohnenangriffe in 72 Stunden, die sowohl US-Truppen als auch saudi-arabische Energieinfrastruktur im östlichen Saudi-Arabien und der Riyadh-Region zum Ziel hatten. Saudi-Arabiens Luftabwehr fing die Drohnen ab, bevor sie Erdölanlagen erreichten. Huthi-Milizen griffen am 27. Juli zusätzlich den Ölhafen Yanbu im Roten Meer an, Saudi-Arabiens wichtigsten Export-Ausweichhafen aus der Hormuzkrise.

Am 28. Juli traf Netanjahus Besuch im Weißen Haus auf eine schon brüchige Pausendynamik. Stunden nach dem Treffen feuerte Iran Raketen auf US-Basen in der Region, alle wurden abgefangen. Am frühen Morgen des 29. Juli folgte der von der IRGC selbst als sogenannten Überraschungsangriff bezeichnete Einsatz ballistischer Raketen auf Jordanien, darunter eine US-Luftwaffenbasis und den CENTCOM-Stützpunkt im Land.

Saudi-Arabiens erste Direktaktion im Irak

Die Antwort auf den IRGC-Angriff kam nicht nur von CENTCOM. Generalmajor Turki Al-Maliki, Sprecher des saudi-arabischen Verteidigungsministeriums, bestätigte, dass saudi-arabische Streitkräfte in Koordination mit CENTCOM gezielt Milizpositionen im östlichen Irak angegriffen hätten. Amerikanische und saudi-arabische Kampfflugzeuge trafen nach US-Angaben mehrere Logistik- und Waffendepots von IRGC-gesteuerten Gruppen.

Die sogenannten Volksmobilisierungseinheiten (PMF), eine von Iran unterstützte Allianz schiitischer Milizen, die formal dem irakischen Staat unterstellt sind, meldeten 20 Tote und 32 Verwundete. Irakische PMF-Verbände sprachen von einer gefährlichen Eskalation und riefen zur Vergeltung auf. Die irakische Regierung unter Premierminister Mohammed Schia al-Sudani steht damit in einer unmöglichen Position: Sie ist formal mit den USA verbündet, hat gleichzeitig enge Beziehungen zu Teheran und sieht, wie ihr Territorium zum Schlachtfeld eines Stellvertreterkriegs wird.

Dass Riad jetzt direkt im Irak militärisch agiert, verändert die Konfliktgeografie erheblich. Saudi-Arabien hatte sich seit Kriegsbeginn im Februar 2026 weitgehend auf defensive Maßnahmen beschränkt und Drohnenangriffe abgewehrt. Der erste Direktschlag im Irak signalisiert, dass Riad die andauernden Angriffe auf seine Infrastruktur nicht mehr nur defensiv beantwortet.

Ölpreis dreht, Oman-Plan unter Druck

Die Märkte reagierten sofort. Brent-Rohöl stieg nach Bekanntwerden der Schläge um rund 3,9 Prozent auf 87,30 Dollar je Barrel, nachdem der Preis während der Diplomatiepause erstmals seit Wochen unter 90 Dollar gefallen war. Der Anstieg zeigt, wie fragil das jüngste Preistal war: Es beruhte nicht auf struktureller Entspannung, sondern auf der Erwartung, dass die Pause anhält.

Oman hatte Iran zuletzt einen Plan für freiwillige Hormusdurchfahrtsgebühren vorgelegt, nach dem Vorbild der Straße von Malakka, getragen von den Golfstaaten. Bloomberg hatte am Montag berichtet, Iran und Oman seien nahe an einer Einigung. Die neue Eskalation macht diese Einschätzung unsicher: Wenn Iran und die USA wieder Raketen und Bomber einsetzen, verliert der Schifffahrtsdeal seinen politischen Boden.

Für Europa bedeutet jede neue Eskalation erhöhten Energiepreisdruck. Deutsche Gasspeicher hatten bereits im Juli Probleme, das Winterziel zu erreichen. Irakische Rohöllieferungen, die über eine Pipeline in die Türkei und damit unabhängig von Hormus transportiert werden können, sind durch die US-Saudi-Schläge auf irakische Infrastruktur indirekt gefährdet.

18 Tage bis zum Ende des diplomatischen Rahmens

Das Islamabad-Memorandum, das einen minimalen Verhandlungsrahmen vorgab, läuft am 16. August aus. Bis dahin bleiben 18 Tage. Ob CENTCOM auf Irans Raketenangriff auf Jordanien mit einem neuen Bombardierungszyklus antwortet oder die Pause trotz allem aufrechtzuerhalten versucht, wird die nächsten Tage bestimmen. Trump hat sich öffentlich zu weiteren Verhandlungen bekannt, aber auch intern signalisiert, dass Iran die Grenze überschreitet.

Für eine Einigung müssten beide Seiten jetzt in zwei Wochen das erreichen, was in fünf Monaten Krieg nicht gelang: eine Grundformel für Hormus. Saudi-Arabiens Direkteinstieg im Irak macht das nicht einfacher, weil Teheran nun mehrere Konfliktparteien im Auge behalten muss. Ob das die Verhandlungsposition Irans schwächt oder den Konflikt weiter verbreitert, ist die offene Frage der kommenden Tage.

Quellen (14)

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