Trump erklärt Iran-Waffenstillstand für beendet
Der Brent-Rohölpreis stieg am Mittwochabend auf über 78 US-Dollar je Barrel, ein Plus von sechs Prozent in wenigen Stunden. Was diesen Anstieg auslöste: US-Präsident Donald Trump erklärte beim NATO-Gipfel in Ankara, die Waffenruhe mit Iran sei 'vorbei'. 'Ich denke, es ist vorbei. Ich will nicht mehr mit denen umgehen. Das ist Abschaum', sagte Trump über die iranische Führung. Das Islamabad-Memorandum vom 17. Juni gilt damit faktisch als gescheitert. Drei Wochen nach seiner Unterzeichnung.
Das Islamabad-Memorandum: drei Wochen Bestand
Das Memorandum of Understanding war am 17. Juni 2026 in Washington und Teheran unterzeichnet worden, vermittelt von Pakistan. Das 14-Punkte-Dokument sah eine 60-tägige Waffenstillstandsverlängerung vor, um drei Kernfragen zu verhandeln: das iranische Atomprogramm, ein vollständiges Ende der Kampfhandlungen und die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Als Grundlage galt Irans Zusage, keine Atomwaffe zu entwickeln. Das Abkommen sollte das Ende des Irankriegs vorbereiten, der am 28. Februar 2026 mit amerikanisch-israelischen Schlägen auf die iranische Führung begonnen hatte. Für Ölmärkte und Reedereien bedeutete es die Aussicht auf eine Hormusöffnung und damit auf sinkende Energiepreise. Diese Aussicht ist mit Trumps Erklärung vorerst hinfällig.
Was in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli passierte
Die Eskalationskette begann, als die Islamische Revolutionsgarde drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus beschoss. Betroffen waren Schiffe, die sich geweigert hatten, die von Iran einseitig eingeführten Durchfahrtsgebühren zu bezahlen. Das US-Zentralkommando (CENTCOM) antwortete mit Präzisionsschlägen auf über 80 militärische Ziele im Iran: Luftabwehrsysteme, Befehlszentralen, Küstenradaranlagen und Kapazitäten zur Bekämpfung von Schiffen sowie mehr als 60 Schnellboote der Revolutionsgarde. Iran reagierte mit dem bislang geografisch weitreichendsten Gegenschlag: Drohnen und Raketen wurden auf 21 US-Militärziele in der Region abgefeuert, darunter den Hauptsitz der US-Fünften Flotte in Manama (Bahrain) und den Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem in Kuwait. Bahrain bestätigte die Angriffe und bezeichnete sie als 'eklatante Aggression' und 'flagranten Verstoß' gegen die Souveränität. Die kuwaitische Flugabwehr fing Drohnen und Raketen ab und meldete keine Verluste.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hatte kurz zuvor klargestellt, Deutschland werde sich an einer Minenräumung in der Straße von Hormus nur unter klar definierten Voraussetzungen beteiligen. Diese Bedingungen sind angesichts der neuen Eskalation noch schwerer zu erfüllen als zuvor.
Witkoff will weiter verhandeln, Trump nicht
Trumps Aussagen beim NATO-Gipfel enthielten eine Spannung, die den weiteren Verlauf offenlässt. Einerseits erklärte er das Memorandum für beendet und nannte die Gegenseite 'Lügner': 'Sie stimmen im Privaten zu und leugnen es danach öffentlich.' Andererseits bestätigte er, dass sein Sondergesandter Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner weiterhin verhandeln wollten. Für Trump selbst sei das jedoch 'eine Zeitverschwendung'. NATO-Generalsekretär Mark Rutte stellte sich hinter die US-Position und bestätigte, der Iran habe den bestehenden Waffenstillstand verletzt.
Iran drohte daraufhin mit einem 'vollständigen Stopp' der Gespräche. Washington erklärte, die Verhandlungskanäle offenhalten zu wollen. Die Positionen stehen in direktem Widerspruch: Während Trumps Rhetorik auf vollständigen Bruch zielt, signalisieren seine Unterhändler Gesprächsbereitschaft. Ähnliche Widersprüche hatten das Islamabad-Memorandum bereits in den Wochen nach der Unterzeichnung belastet.
Sechs Prozent: Was der Ölpreisanstieg für Deutschland bedeutet
Brent-Rohöl überstieg nach Trumps Erklärung die 78-Dollar-Marke, West Texas Intermediate näherte sich 75 Dollar. Die Marktreaktion spiegelt eine strukturelle Abhängigkeit: Rund 20 Prozent des globalen Öl- und Gashandels verlaufen durch die Straße von Hormus. Solange diese nicht vollständig geöffnet ist, bleiben die Energiepreise auf erhöhtem Niveau.
Das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hatte die deutsche Wachstumsprognose für 2026 bereits auf 0,8 Prozent gesenkt, gegenüber einer früheren Schätzung von 0,9 Prozent. RWI-Chefvolkswirt Torsten Schmidt stellte dabei fest, die deutsche Industrie habe sich 'deutlich widerstandsfähiger als viele nach Ausbruch des Irankriegs erwartet hatten' erwiesen. Dieses Urteil gilt für ein Szenario mit einem funktionierenden Memorandum. Ob es auch für eine neue Eskalationsphase standhält, ist ungewiss.
Was die nächsten 48 Stunden entscheiden
Trump hatte in Ankara angekündigt, den Iran auch in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag erneut angreifen zu wollen: 'Wir haben sie letzte Nacht sehr hart getroffen und wir werden sie wahrscheinlich heute Nacht wieder hart treffen.' Ob diese weitere Angriffswelle Teheran zu einer Reaktion jenseits der bisherigen Muster zwingt, ist die entscheidende Frage. Iran verfügt neben Drohnen- und Raketenangriffen auf Golfstaaten auch über die Möglichkeit, die Hormusblockade zu intensivieren oder Infrastruktur verbündeter Staaten anzugreifen.
Das Memorandum läuft formal bis zum 16. August 2026. Beide Seiten haben es de facto bereits suspendiert. Witkoff und Kushner befinden sich Berichten zufolge noch in der Region. Ob sie eine Rückkehr zu Gesprächen erreichen können oder ob Trumps Haltung aus Ankara bindend bleibt, dürfte sich bis zum Ende der Woche zeigen.
Aktualisierungen
Update 11. Juli, 15:00 Uhr: Seit Trump am 8. Juli die Waffenruhe für beendet erklärt hat, ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus praktisch zum Erliegen gekommen. Die Vereinten Nationen meldeten rund 6.000 auf Hunderten von Schiffen gestrandete Seeleute; kein größeres Handelsschiff nutzte seit Dienstag die US-koordinierte Durchfahrtsroute. Parallel entzog die US-Regierung am 7. Juli die sogenannte General License X, die begrenzte iranische Ölexporte über internationale Finanzsysteme erlaubt hatte. Der Nachfolger General License X1 lässt nur noch die Abwicklung bereits laufender Geschäfte zu, Frist: 17. Juli, 6:01 Uhr MESZ. Für den deutschen Energiemarkt bedeutet das eine weitere Risikostufe: Brent-Rohöl lag am Samstagmorgen bei 76,58 Dollar je Barrel.
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