
Eisman warnt, Nvidia setzt 250 Mrd. auf KI
Quellen (10)
- CNBC: Eisman Alphabet-Verkaufcnbc.com
- Yahoo Finance: Eisman 'It's all one trade'finance.yahoo.com
- 247 Wall St.: Eisman KI-Warnung Details247wallst.com
- t3n: Big-Short-Investoren KI-Blaset3n.de
- Business Punk: Burry gegen Nvidia, Eisman gegen Googlebusiness-punk.com
- CNBC: Nvidia-OpenAI 250 Mrd. Dealcnbc.com
- Tom's Hardware: Nvidia OpenAI Ohio Campustomshardware.com
- TechTimes: 250 Mrd. Garantie und Schuldenmärktetechtimes.com
- Gurufocus: Eisman reduziert KI-Engagementgurufocus.com
- beincrypto: Nvidia Kursrutsch 27. Julibeincrypto.com
Zwei Meldungen vom 27. Juli zeigen, wie groß das Wettgefälle im KI-Boom inzwischen ist. Steve Eisman, dessen Wette gegen Hypothekenpapiere 2008 zur Vorlage für den Film "The Big Short" wurde, erklärte beim Sender CNBC, er habe seine Alphabet-Aktien bereits vor einigen Monaten verkauft. Seine Begründung: Der gesamte Aktienmarkt sei inzwischen "eine einzige Wette" auf künstliche Intelligenz. Am selben Tag berichtete das Wall Street Journal, Nvidia verhandele über eine Finanzierungsgarantie von bis zu 250 Milliarden Dollar, damit OpenAI das größte Rechenzentrum der Welt in Ohio bauen kann.
Was Eisman mit der einen Wette meint
Steve Eisman ist kein grundsätzlicher KI-Skeptiker. Er hat jahrelang Technologieaktien gehalten und profitiert. Was ihn jetzt beunruhigt, ist nicht die Technologie, sondern die Marktstruktur. "Es ist alles eine einzige Wette", sagte Eisman gegenüber CNBC. Wer glaubt, sein Portfolio sei über Sektoren diversifiziert, irre sich: Nahezu alle großen Indizes hängen an der KI-Erzählung.
Den konkreten Auslöser für seinen Ausstieg beschreibt Eisman als Abwägung: Die vier großen Hyperscaler, also Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta, wollen im Jahr 2026 zusammen rund 650 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur investieren. Das sind 200 Milliarden mehr als im Vorjahr. Eisman formulierte das Risiko präzise gegenüber Yahoo Finance: Sollte auch nur eines dieser Unternehmen seinen Investitionsplan zurückfahren, "gehen die Märkte schnurgerade nach unten". Der KI-Boom hängt an der Bedingung, dass vier Konzerne ihre Ausgaben im geplanten Tempo fortsetzen.
Alphabet hat seine Aktionäre bereits enttäuscht. Die Aktie erreichte am 18. Mai ein Hoch von 408,61 Dollar, schloss am 24. Juli bei 319,74 Dollar. Das entspricht einem Rückgang von rund 20 Prozent in etwa zwei Monaten. Eisman hatte zu Hochzeiten verkauft. Am 27. Juli verloren Nvidia rund 5 Prozent, ASML 5,8 Prozent und AMD 5,5 Prozent. Auch Michael Burry, der zweite prominent bekannte Big-Short-Investor, hat laut Business Punk seine Nvidia-Position abgebaut und warnt vor einer KI-Korrektur.
Der Nvidia-OpenAI-Deal und seine Logik
Dass Nvidia parallel zu Eismans Ausstieg die bislang größte Wette im KI-Infrastrukturmarkt verhandelt, ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer konkreten Finanzierungslücke. OpenAI plant, das Gelände des ehemaligen Urananreicherungskomplexes in Piketon im südlichen Ohio zu einem Rechenzentrum mit zehn Gigawatt Kapazität auszubauen. Das Gelände gehört SB Energy, einer Tochter von SoftBank. OpenAI würde es anmieten.
Das Problem: OpenAI verfügt laut CNBC trotz eines prognostizierten Umsatzes von rund 25 Milliarden Dollar im Jahr 2026 und einer Bewertung von rund 850 Milliarden Dollar über kein Investment-Grade-Rating. Banken verlangen für die Baufinanzierung eines 500-Milliarden-Dollar-Projekts einen solventen Bürgen. Nvidia hat sich bereit erklärt, genau diese Rolle zu übernehmen. Zahlt OpenAI seine Leasingraten nicht, haftet Nvidia und zwar auf bis zu 250 Milliarden Dollar. Separat verhandelt Nvidia laut Tom's Hardware über eine weitere Finanzierung der KI-Chips für denselben Campus im Volumen von bis zu 350 Milliarden Dollar.
Die erste Ausbaustufe des Campus soll 2028 fertiggestellt werden und rund 800 Megawatt Rechenleistung liefern. Der Gesamtausbau auf zehn Gigawatt würde das Projekt zum energiehungrigsten Rechenzentrum weltweit machen.
Garant und Begünstigter zugleich
Nvidia nimmt mit dieser Konstruktion eine ungewöhnliche Doppelrolle ein. Als weltgrößter Chiphersteller für KI-Anwendungen verdient das Unternehmen daran, dass Hyperscaler wie OpenAI und seine Kapitalgeber möglichst viele Rechenzentren bauen. Als Bürge für OpenAIs Ohio-Campus ist es nun auch finanziell daran interessiert, dass das Projekt gelingt: Bricht OpenAI zusammen, trägt Nvidia den Schaden.
TechTimes beschrieb den Deal so: Dass Nvidia überhaupt gebraucht wird, belegt, dass der Kapitalmarkt dem Projekt nicht traut. Die Schuldenmärkte hätten Nein gesagt, Nvidia sage Ja. Das ist entweder eine strategische Überzeugungsoffensive oder die Übernahme eines Risikos, das sonst niemand tragen will. Die Antwort liegt darin, welche der beiden Seiten recht bekommt: Eisman, der auf Deglobalisierung des Kapitalmarkts und Konsolidierung setzt oder Nvidia, das auf weiteres exponentielles Wachstum des KI-Markts wettet.
Earnings-Saison entscheidet über die Richtung
Die unmittelbare Antwort kommt voraussichtlich in den nächsten Wochen. Die großen Hyperscaler berichten im Juli und August ihre Quartalsergebnisse. Die entscheidende Frage ist nicht, ob die Umsätze stimmen, sondern ob die KI-Investitionen in konkrete Geschäftsmodelle münden. Eisman machte seine Erwartung deutlich: Wenn ein Hyperscaler die Capex-Prognose für 2027 auch nur andeutet zu senken, wird das eine Kettenreaktion auslösen. Nvidia, dessen Geschäftsmodell fast vollständig von dieser Capex abhängt, verlor am 27. Juli mehr als fünf Prozent in einem Tag und durchbrach dabei mehrere gleitende Durchschnitte.
Für den Ohio-Campus gilt: Die Verhandlungen laufen noch, ein Abschluss ist nicht garantiert. CNBC berichtete, dass weder Nvidia noch OpenAI die Berichte offiziell kommentierten. Wenn der Deal zustande kommt, ist er das größte Einzelinvestment in KI-Infrastruktur, das je öffentlich wurde. Wenn er scheitert, wäre das ein deutliches Signal, dass selbst der optimistischste Akteur im Markt seine Wetten nicht ohne externe Absicherung eingehen kann.
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