Wie KI-Konzerne Laptops teurer und schlechter machen
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Wie KI-Konzerne Laptops teurer und schlechter machen

Seit 2022 stiegen RAM-Preise laut einer Sammelklage um rund 700 Prozent, weil Speicherhersteller Kapazitäten für KI-Beschleuniger umstellen. Microsoft reagiert mit Surface-Laptops für 849 bis 949 Dollar mit nur acht Gigabyte, die das eigene Copilot+-Zertifizierungsziel nicht erfüllen.

30. Juni 2026, 2:37 Uhr 890 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Wer sich fragt, warum Microsoft im Jahr 2026 Laptops verkauft, die seine eigene Anforderung an KI-fähige Computer nicht erfüllen, findet die Antwort in einem Gerichtssaal in Kalifornien. Am 25. Juni reichten 17 Kläger dort eine Sammelklage gegen Samsung, SK Hynix und Micron ein. Ihr Vorwurf: Die drei Speicherhersteller haben die Produktion von Computer-RAM koordiniert gedrosselt und die Preise seit 2022 um rund 700 Prozent getrieben.

Wie KI den Arbeitsspeicher-Markt trockengelegt hat

Samsung, SK Hynix und Micron beherrschen gemeinsam den globalen Arbeitsspeicher-Markt. Seit 2022 haben alle drei die Produktion von Standard-DRAM (DDR3, DDR4) gedrosselt und Kapazitäten in die Herstellung von High-Bandwidth-Memory umgeleitet. Dieser Speichertyp, abgekürzt HBM, ist das, was KI-Beschleuniger wie Nvidias H100 und H200 benötigen. Er ist deutlich profitabler als Consumer-DRAM.

Das Ergebnis für Verbraucher spiegelt die Klageschrift wider: Laut Klagedokument stiegen die Preise für Consumer-DRAM seit 2022 um rund 700 Prozent. Das Marktforschungsunternehmen TrendForce ermittelte für das erste und zweite Quartal 2026 Preissteigerungen bei Standard-DRAM-Verträgen von 55 bis 63 Prozent pro Quartal. Die Knappheit ist inzwischen so gravierend, dass laut PCGamesHardware.de sogar DDR2-Module, technisch seit Jahrzehnten überholt, im Preis hochgehen. Normale Laptop-RAM-Module haben sich für Endkunden in vier Jahren vervielfacht im Preis.

Die 17 Kläger, Einzelpersonen und Kleinunternehmen, vertreten eine klare These: In einem funktionierenden Markt hätte mindestens einer der drei Hersteller die Produktion erhöht, als Preise stiegen. Statt sich gegenseitig Marktanteile abzujagen, hätten Samsung, SK Hynix und Micron die Lieferungen von Standard-DRAM gleichzeitig und koordiniert reduziert. Das Bundesgericht in Kalifornien wird sich ab September 2026 damit befassen.

Microsofts Copilot-Paradox

Für Microsoft hat der Preisanstieg bei RAM eine direkte Konsequenz: Geräte mit 16 Gigabyte sind erheblich teurer geworden. Der Surface Laptop 8 mit 16 Gigabyte beginnt in den USA bei 1.949 Dollar, der Surface Laptop 13 (1st Edition) für Geschäftskunden bei 1.499 Dollar. Um auch günstigere Modelle anbieten zu können, hat Microsoft nun Varianten mit acht Gigabyte RAM eingeführt: das Surface Pro 12 für 849 Dollar und das Surface Laptop 13 für 949 Dollar, beide mit Qualcomms Snapdragon X Plus, dem Vorgänger-Chip der aktuellen Premium-Linie.

Das erzeugt einen Widerspruch, den Microsoft bislang nicht überzeugend aufgelöst hat. Im Jahr 2024 führte das Unternehmen die Copilot+-Zertifizierung ein und legte 16 Gigabyte RAM als absolutes Minimum fest. Diese Vorgabe gilt für lokale KI-Verarbeitung, Recall und Echtzeit-Hintergrundentfernung in Videotelefonie. Die neuen 8-Gigabyte-Modelle erfüllen sie nicht. Damit bewirbt Microsoft Laptops als „built for AI acceleration“, die von Microsofts eigenem KI-Ökosystem ausgeschlossen sind.

Das Unternehmen rechtfertigt das 8-Gigabyte-Einstiegsmodell mit dem Versprechen, „the full Surface experience at the entry-premium tier“ zu liefern, ohne Abstriche bei Produktivität oder Portabilität. Windows Latest bewertet diese Aussage als schwer haltbar. Als Absicherung bietet Microsoft ein 60-Tage-Rückgaberecht an, eine ungewöhnliche Geste, die darauf hindeutet, dass das Unternehmen selbst nicht sicher ist, ob acht Gigabyte für alle Käufer ausreicht. Yahoo Tech fasst die Reaktion vieler Nutzer und Fachmedien mit dem Titel zusammen: „8GB RAM in 2026 is a scam“.

Kartellverdacht mit Vorgeschichte

Der Vorwurf der koordinierten Marktmanipulation ist für Samsung und SK Hynix nicht neu. Beide Konzerne wurden in früheren Verfahren bereits wegen DRAM-Preisabsprachen verurteilt; Micron kooperierte damals als Kronzeuge. Die aktuelle Klageschrift verweist auf diese Geschichte als Beleg für ein wiederholendes Muster.

Samsung und SK Hynix begründen die Umstellung auf HBM mit der Nachfrage des KI-Markts und den hohen Investitionskosten für neue Fabriken. Zusammen planen beide Konzerne über die kommende Dekade Investitionen von bis zu 1,3 Billionen Dollar in den Ausbau ihrer Speicherkapazitäten. Bis diese Fabriken gebaut, zertifiziert und in Betrieb sind, vergehen jedoch mehrere Jahre. Neue Konkurrenten, die Marktkonzentration aufbrechen könnten, sind kaum in Sicht: Der Aufbau einer konkurrenzfähigen Speicherfabrik kostet zweistellige Milliardenbeträge und dauert nach Branchenstandards mindestens fünf Jahre vom Baubeginn bis zur Serienproduktion.

Das Kernargument der Kläger stützt sich auf diese Struktur: Weil der Markt für neue Anbieter praktisch geschlossen ist, konnten die drei etablierten Hersteller ohne den üblichen Marktmechanismus agieren, der Preisanstiege normalerweise durch neue Wettbewerber korrigiert. Laut Klageschrift, die ComputerBase und Hartware auswerteten, handelt es sich um ein strukturelles Versagen des Wettbewerbs, nicht um eine normale Marktreaktion auf gestiegene KI-Nachfrage.

Drei schlechte Optionen bis 2027

Wer in den nächsten Monaten einen Laptop kaufen will, steht vor einer ungünstigen Abwägung. Erstens: die günstigeren 8-Gigabyte-Modelle kaufen und auf Copilot+-Funktionen verzichten, die Microsoft zunehmend als Kernbestandteil von Windows 11 bewirbt. Zweitens: mehr ausgeben für 16-Gigabyte-Modelle. Die größten Preisanstiege lagen im ersten und zweiten Quartal 2026: Das Marktforschungsunternehmen TrendForce ermittelte Preissteigerungen bei Standard-DRAM-Verträgen von 55 bis 63 Prozent pro Quartal. Für das dritte und vierte Quartal 2026 erwartet TrendForce eine erste Normalisierung, bedingt durch nachlassendes Restocking und stabilere Bestände. Drittens: warten. Für eine grundlegende Entspannung des Consumer-Markts, nicht nur ein Abflachen der Anstiege, nennen Samsung und SK Hynix einen Zeithorizont von frühestens 2027.

Der Antitrust-Fall bietet keine kurzfristige Lösung. Erste Anhörungen sind für September 2026 angesetzt, Urteile in US-Kartellverfahren dauern typischerweise mehrere Jahre. Selbst ein Urteil zugunsten der Kläger würde keine unmittelbare Produktionssteigerung erzwingen. Für Käufer und IT-Abteilungen bedeutet das eine ungemütliche Abwägung: TrendForce erwartet ab dem dritten Quartal 2026 eine erste Preisberuhigung. Wer kann, hat gute Gründe zu warten. Wer jetzt kaufen muss, steht vor einer konkreten Entscheidung: 8 Gigabyte für unter tausend Dollar oder 16 Gigabyte für mindestens 1.499 Dollar.

Quellen (11)

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