Klopp ist Bundestrainer: Red Bulls Preis war Leipzig
Am Freitag saß Jürgen Klopp erstmals als Bundestrainer hinter dem Podium im DFB-Campus in Frankfurt, neben Verbandspräsident Bernd Neuendorf und dem designierten Geschäftsführer Sport Per Mertesacker. "Es ist ein sehr besonderer Tag für mich", sagte Klopp, "eine große Ehre, hier zu sitzen." Der Vierjahresvertrag bis zur WM 2030 ist unterzeichnet, der Amtsantritt auf den 15. August festgelegt. Das Datum selbst war längst erwartet. Was die Geschichte interessant macht, ist der Umweg, den der DFB nehmen musste, um Klopp überhaupt aus seiner Red-Bull-Bindung herauszubekommen.
Drei WM-Enttäuschungen und ein klarer Auftrag
Deutschland schied bei der WM 2026 im Sechzehntelfinale gegen Paraguay aus, im Elfmeterschießen. Es war die dritte große WM-Enttäuschung in Folge: 2018 Gruppenphase, 2022 Gruppenphase, 2026 Sechzehntelfinale. Julian Nagelsmann, der die Mannschaft durch die EM 2024 und die WM-Qualifikation geführt hatte, erklärte unmittelbar danach seinen Rücktritt. "Klopp war von Anfang an unsere Wunschlösung", sagte Neuendorf am Freitag. Der DFB-Präsident hatte früh gehandelt: Noch während des Turniers liefen erste Sondierungsgespräche, Anfang Juli gab es ein konkretes Treffen mit Klopp und seinem langjährigen Berater Marc Kosicke am New Yorker Flughafen JFK.
Das zentrale Problem war Klopps laufender Vertrag. Der 59-Jährige war seit dem 1. Januar 2025 als "Head of Global Soccer" bei Red Bull tätig und koordinierte in dieser Rolle die Fußballabteilungen der Red-Bull-Klubfamilie: RB Leipzig, Red Bull Salzburg und die New York Red Bulls. Sein Vertrag lief bis 2029, also noch drei Jahre. Eine klassische Ablöse für einen Trainer mit noch drei Vertragsjahren und internationalem Renommee wäre für den DFB teuer geworden.
Der Red-Bull-Deal: Eine Million Euro und drei Leipzig-Spiele
Am 21. Juli trafen sich DFB-Vertreter mit Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff in München. Das Ergebnis war für Fußballverhältnisse ungewöhnlich: Red Bull verzichtete auf eine klassische Ablösezahlung. Stattdessen verständigten sich die Parteien auf zwei Bedingungen. Erstens zahlt der DFB eine Million Euro an die Wings-for-Life-Stiftung, eine gemeinnützige Organisation für Rückenmarksforschung, die dem Red-Bull-Umfeld nahesteht und vom verstorbenen Konzernchef Dietrich Mateschitz mitgegründet wurde. Zweitens verpflichtet sich der DFB, bis 2030 drei Länderspiele der deutschen A-Nationalmannschaft in Leipzig auszutragen.
Für Red Bull ist das eine strukturell kluge Vereinbarung: Wings for Life erhält eine direkte Zuwendung und Leipzig bekommt Länderspiele, die sonst traditionell in München, Dortmund, Hamburg oder Stuttgart stattfinden. Für den DFB ist die Konstruktion deutlich günstiger als eine marktübliche Ablöse für einen Trainer mit Klopps internationalem Renommee.
Auffällig ist, wer am Ende Teil des offiziellen Trainerstabs wird: Marc Kosicke, Klopps Berater und beim Vertragsabschluss auf dessen Seite der Verhandlung, wechselt als "Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation" direkt in den DFB-Stab. Ein Berater, der unmittelbar in den Trainerstab übernommen wird, ist selbst im deutschen Profifußball ein seltener Vorgang.
Klopps Stab und Mertesackers neue Rolle
Klopp bringt sein eingespieltes Team mit. Pepijn Lijnders, bis 2024 Co-Trainer beim FC Liverpool und taktisch prägend für dessen Gegenpressing-Stil, übernimmt dieselbe Funktion beim DFB. Peter Krawietz, der Klopp seit den Mainzer Jahren in der Videoanalyse begleitet, setzt seine Arbeit fort. Sven Bender, ehemaliger Mittelfeldspieler bei Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen, übernimmt eine Koordinatorenrolle im Stab.
Parallel gab der DFB eine strukturelle Weichenstellung bekannt: Per Mertesacker, 2014 Weltmeister und zuletzt Akademieleiter beim FC Arsenal, wird am 1. Januar 2027 Geschäftsführer Sport des Verbands. Er übernimmt damit perspektivisch die Position, die Andreas Rettig bislang als Geschäftsführer Sport ausfüllte. Rudi Völler, der bisherige Sportdirektor des DFB, bleibt vorerst im Amt und begleitet Klopps Einarbeitung.
Nicht alle Beobachter teilen die Euphorie uneingeschränkt. Die Amateurinitiative Hartplatzhelden hat öffentlich kritisiert, dass der DFB erhebliche Summen in Spitzentrainer und kreative Ablösekonstruktionen investiere, während die Strukturförderung des Breitenfußballs stagniere. Und die Frage nach Klopps Trainingsrhythmus nach zwei Jahren ohne Vereinsarbeit wird die ersten Monate begleiten: Zuletzt stand er 2023/24 in der Premier League auf dem Trainingsplatz.
Acht Wochen bis Amsterdam: Klopps Nations-League-Einstand
Klopp übernimmt das Amt am 15. August 2026. Sein erstes Länderspiel als Bundestrainer ist die Nations-League-Partie am 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande, ein direkt vergleichbarer Gegner mit Spielern wie Virgil van Dijk und Cody Gakpo. Danach folgen am 27. September Griechenland in Augsburg, am 1. Oktober Serbien in München und am 4. Oktober erneut Griechenland auswärts.
Die Nations League ist keine ernsthafte Prüfung. Die eigentlichen Etappen sind die EM 2028 in Großbritannien und Irland sowie die WM 2030. Klopp formulierte seinen Anspruch am Freitag mit ungewohnter Zurückhaltung: "Wir werden das mit Demut und Geduld angehen." Für einen Trainer, der mit dem BVB das Champions-League-Finale 2013 erreichte und mit Liverpool 2020 die Premier League gewann, klingt das nach einem bewussten Neuanfang und nicht nach einem Versprechen.
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