
EM-Gold für Weber: 90 Meter im letzten Versuch
Quellen (10)
- Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
- Süddeutsche Zeitungsueddeutsche.de
- ZEIT Onlinezeit.de
- ZEIT Onlinezeit.de
- tagesschautagesschau.de
- Tagesspiegeltagesspiegel.de
- Tagesspiegeltagesspiegel.de
- Sportschausportschau.de
- ZDFzdfheute.de
- leichtathletik.deleichtathletik.de
Fünf Versuche lang sah Julian Weber wie der Verlierer aus. Nick Thumm, 21 Jahre alt und zehn Jahre jünger als sein Konkurrent, führte das Finale der Leichtathletik-EM 2026 in Birmingham mit 83,76 Metern. Dann kam der sechste und letzte Versuch: Weber schleuderte den Speer auf 90,40 Meter und überholte Thumm in einem einzigen Moment. Meisterschaftsrekord, EM-Gold, zweiter Europameistertitel seiner Karriere.
Ein Finale, das erst im letzten Augenblick entschieden wurde
Der sechste Wettkampftag der Europameisterschaften in Birmingham brachte für den deutschen Leichtathletikverband drei Medaillen. Neben Webers Gold und Thumms Silber gewann die 4x100-Meter-Staffel der Männer mit Kevin Kranz, Marvin Schulte, Heiko Gussmann und Lucas Ansah-Peprah Silber in 38,64 Sekunden.
Im Speerwurf-Finale selbst war Weber bis in die letzte Runde nicht der Favorit. Die ersten fünf Versuche waren solide, aber nicht Gold-würdig. Thumm, der in dieser Saison konstant über 80 Meter geworfen hatte, übernahm früh die Führung und hielt sie. Weber stand vor seinem sechsten Versuch rund sieben Meter hinter ihm.
90,40 Meter. Die Weite ist ein Meisterschaftsrekord und überbot Thumms Führungsweite um 6,64 Meter. Thumm hatte keinen weiteren Versuch mehr. Deutschland feierte damit erstmals seit Jahren wieder ein EM-Doppel im Speerwurf.
Weber mit 31: Schulterschmerzen, zweites Gold
Julian Weber, geboren am 29. August 1994 in Mainz, wird noch in diesem Monat 32 Jahre alt. Dass ein Speerwurf-Athlet in diesem Alter einen Meisterschaftsrekord wirft, ist nicht selbstverständlich. Der Speerwurf ist eine Ganzkörperdisziplin, die hohe Ansprüche an Schulterrotation und Rumpfkraft stellt. Weber war in der Vorbereitung auf Birmingham von Schulterbeschwerden beeinträchtigt.
Seinen ersten Europameistertitel gewann er 2022 in München, damals mit einem anderen Szenario: mit einem frühen guten Versuch, der das Feld unter Druck setzte. Birmingham war das Gegenteil: Weber wartete, das Feld führte und erst im letzten Moment lieferte er die entscheidende Weite. Die ZEIT nannte ihn dafür ein "mentales Biest". Der Begriff trifft es: Die Fähigkeit, unter Druck genau im richtigen Moment die beste Leistung abzurufen, ist das schwerste zu trainierende Element im Hochleistungssport.
2024 gewann Weber bei den vorangegangenen Europameisterschaften Silber. Sein Medaillensatz auf kontinentaler Ebene ist damit vollständig: Gold, Silber, Gold.
Thumm: Silber als Ankündigung
Nick Thumm, 21 Jahre alt, war vor Birmingham in europäischen Nachwuchskreisen bekannt, auf internationaler Ebene aber noch ein ungeschriebenes Blatt. Sein Silber in Birmingham mit 83,76 Metern ist die bisher bedeutendste Leistung seiner Karriere.
Dass er bis kurz vor Schluss führte und erst durch Webers 90,40 Meter verdrängt wurde, zeigt: Thumms Ergebnis war kein glücklicher Treffer. Er hatte das Finale überstanden, das Tempo gemacht und den bisher besten Werfer Europas sechs Runden lang hinter sich. 83 Meter sind im internationalen Speerwurf ein Bereich, in dem man dauerhaft präsent ist.
Für den deutschen Speerwurf ist die Gleichzeitigkeit der beiden Medaillen eine strukturelle Nachricht: Weber nähert sich dem Ende einer außergewöhnlichen Karriere und Thumm ist bereit, die Aufgabe zu übernehmen. In Birmingham gab es beide Nachrichten im selben Moment.
Der Weltrekord liegt noch weit entfernt
Einordnung: Webers 90,40 Meter sind herausragend auf europäischem Niveau, aber weit vom Weltrekord entfernt. Uwe Hohn warf 1984 in Ost-Berlin 104,80 Meter, der bis heute gültige Weltrekord. Das Gerät wurde 1986 aerodynamisch überarbeitet, sodass moderne Weiten deutlich niedriger liegen. Der inoffizielle Weltspitzenbereich beim modifizierten Gerät liegt etwa zwischen 88 und 93 Metern, Weber hat sich damit an der oberen Grenze dieses Bereichs bewegt.
Neeraj Chopra aus Indien, Olympia-Silbermedaillengewinner von Paris 2024, liegt seit Jahren in ähnlichen Größenordnungen. Das Duell zwischen Chopra und Weber auf globaler Ebene ist bisher offen geblieben. Birmingham war eine europäische Veranstaltung ohne indische Beteiligung. Die Frage, wo Weber im globalen Vergleich steht, stellt sich erst wieder bei den nächsten Weltmeisterschaften.
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