Lufthansa-Gewinn bricht trotz Rekordumsatz ein
Wirtschaft

Lufthansa-Gewinn bricht trotz Rekordumsatz ein

Lufthansa meldet für das zweite Quartal 2026 einen Rekordumsatz von 11,1 Milliarden Euro, doch der Nettogewinn bricht um 88 Prozent ein. Kerosin verteuerte sich seit dem Irankrieg mehr als doppelt und kostet den Konzern 750 Millionen Euro extra im Quartal. Tickets werden teurer, Flüge werden weniger.

Quellen (8)
  1. hessenschauhessenschau.de
  2. ZDF heutezdfheute.de
  3. Handelsblatthandelsblatt.com
  4. aero.deaero.de
  5. airliners.deairliners.de
  6. ADACadac.de
  7. finanzen.chfinanzen.ch
  8. cash.chcash.ch
6. August 2026, 9:41 Uhr753 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Eine Flugreise von Frankfurt nach München kostet in diesem Sommer 9,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das Geld landet nicht bei Lufthansa: Der Konzern verbuchte im zweiten Quartal 2026 zwar einen Rekordumsatz von 11,1 Milliarden Euro, doch der Nettogewinn brach um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro ein. Der Irankrieg hat die Kerosinpreise mehr als verdoppelt und die gestiegenen Ticketpreise gleichen das bei weitem nicht aus.

Der Irankrieg als Kostentreiber

Seit dem Beginn des US-Krieges gegen Iran im Februar 2026 ist die Straße von Hormus für zivilen Tankerverkehr überwiegend gesperrt. Das trifft direkt die Ölmärkte: Kerosin, das aus Rohöl destilliert wird, kostete im zweiten Quartal mehr als doppelt so viel wie vor dem Konflikt. CEO Carsten Spohr bestätigte, die Preise lägen mehr als doppelt so hoch wie vor dem Irankrieg. Trotz Absicherung von rund 80 Prozent des Kerosinbedarfs durch Finanzinstrumente entstanden Mehrkosten von 750 Millionen Euro allein im zweiten Quartal. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet erwartet Lufthansa eine Treibstoffrechnung von 8,7 Milliarden Euro.

Die Airline reagierte bereits im April: 20.000 Kurzstreckenflüge werden bis Oktober gestrichen, um rund 40.000 Tonnen Kerosin einzusparen. Betroffen sind vor allem Inlandsverbindungen ab Frankfurt sowie Strecken zu deutschen Großstädten wie Berlin und Hamburg. Parallel dazu wurde Konzerntochter Lufthansa Cityline aufgelöst. Zusätzlich kostete ein einwöchiger Cockpitstreik der Vereinigung Cockpit im April, ausgelöst anlässlich des hundertjährigen Konzernjubiläums, rund 150 Millionen Euro.

Umsatz steigt, Gewinn kollabiert: Die Rechnung

Die Quartalszahlen zeigen eine ungewöhnliche Schere: 11,1 Milliarden Euro Umsatz bei 35,6 Millionen Passagieren, vier Prozent weniger als im Vorjahr. Lufthansa befördert also weniger Menschen, nimmt aber pro Kopf mehr ein. Das reicht trotzdem nicht: Der bereinigte operative Gewinn fiel um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro, die Nettomarge auf 1,1 Prozent des Umsatzes.

Zum Vergleich: Im zweiten Quartal 2025, als die Straße von Hormus noch offen war, hatte Lufthansa einen Nettogewinn von rund einer Milliarde Euro erzielt. Finanzchef Till Streichert erklärte, rund 60 Prozent der Kerosinmehrkosten seien durch höhere Ticketpreise aufgefangen worden. Laut Statistischem Bundesamt zahlten Reisende im Sommer 2026 durchschnittlich 9,5 Prozent mehr für Inlandsflüge und 8,5 Prozent mehr für internationale Strecken als im Vorjahr. Die restlichen 40 Prozent der Mehrkosten, rund 300 Millionen Euro, bleiben ungedeckt, hinzu kommen die 150 Millionen aus dem Streik. Die Lufthansa-Aktie fiel am Tag der Bekanntgabe zweistellig.

Im europäischen Vergleich trifft die Kerosinlast Lufthansa am härtesten: Die britisch-spanische Gruppe IAG (British Airways, Iberia) meldete im gleichen Zeitraum einen Gewinnrückgang von 25 Prozent, Air France-KLM von 33 Prozent. Mit einem Minus von 56 Prozent liegt Lufthansa weit dahinter. Ein Grund: Das Streckennetz mit Swiss, Brussels Airlines und Austrian Airlines ist stark auf europäische Kurzstrecken ausgerichtet, die bei hohen Kerosinpreisen überproportional leiden, da der Treibstoffanteil an den Gesamtkosten dort höher ist als auf Langstrecken.

Was das für Reisende bedeutet

Für Passagiere hat die Entwicklung konkrete Folgen. Kurzstrecken werden weiter ausgedünnt: Lufthansa plant, die europäische Kapazität um weitere ein Prozent zu reduzieren und den Wachstumsschwerpunkt auf Langstrecken zu verlagern. Wer in Deutschland innerdeutsch oder innereuropäisch fliegen will, hat weniger Auswahl und zahlt mehr. Das trifft besonders Berufspendler, die auf schnelle Verbindungen zwischen deutschen Wirtschaftszentren angewiesen sind und nun häufiger auf die Bahn ausweichen.

Für das zweite Halbjahr 2026 kündigt CFO Streichert an, die Preise weiter anheben zu wollen. CEO Spohr ergänzte, die Nachfrage trage das mit: Die Menschen wollen fliegen und können sich das zu höheren Preisen leisten. Der ADAC warnt hingegen, dass viele Haushalte steigende Flugpreise nicht mehr als Selbstverständlichkeit einkalkulieren können. Auffällig ist ein verändertes Buchungsverhalten, das Lufthansa intern beobachtet: Reservierungen erfolgen zunehmend kurzfristig, was die Planungsunsicherheit auf beiden Seiten erhöht. Wer nicht weiß, ob sein Flug stattfindet und wie viel er kosten wird, bucht so spät wie möglich.

Ob der Hormuz-Deal die Prognose noch rettet

Lufthansa hat die Jahresprognose auf einen Korridor von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro bereinigtem Ebit gesenkt, gegenüber dem Vorjahrswert von 1,96 Milliarden Euro. Die außergewöhnlich weite Spanne von 500 Millionen Euro begründet Streichert mit einer einzigen Unbekannten: der weiteren Entwicklung des Ölpreises.

Am 5. August meldete Oman, Revolutionsführer Mojtaba Khamenei habe einem 60-Tage-Plan zur schrittweisen Wiedereröffnung der Straße von Hormus zugestimmt. Brent-Rohöl fiel daraufhin um mehr als fünf Prozent. Hält die Einigung, würde das die Kerosinrechnung im zweiten Halbjahr spürbar entlasten und Lufthansa an die obere Grenze seiner Prognose bringen. Scheitert oder verzögert sie sich, droht das untere Ende der Spanne, was dem Konzern erstmals seit 2020 ein Ergebnis unter dem Vorjahr bescheren würde.

Die Buchungen für das Weihnachtsgeschäft zeigen sich bislang solide. Ob die Kerosinrechnung im zweiten Halbjahr sinkt, entscheidet letztlich nicht Lufthansa, sondern die Diplomatie zwischen Washington und Teheran.

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