Pfizer-Hochhaus: Umbau treibt Stahlstützen zum Knicken
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Pfizer-Hochhaus: Umbau treibt Stahlstützen zum Knicken

Am 7. Juli knicken im ehemaligen Pfizer-Hauptquartier in Midtown Manhattan zwei Stahlstützen. Die größte Büroumwandlung der Stadtgeschichte steht am Abgrund und Sicherheitsverstöße zeigen: Die Warnsignale lagen lange auf dem Tisch.

11. Juli 2026, 2:39 Uhr 820 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Zwei Stützen knicken, sechs Etagen sacken ab, zehn Häuserblöcke werden für Tage gesperrt: Was am 7. Juli um 8:10 Uhr morgens im ehemaligen Pfizer-Hauptquartier an der East 42nd Street in Manhattan begann, ist kein gewöhnlicher Bauunfall. Es ist das bislang drastischste Versagen der wichtigsten Stadtentwicklungsstrategie New Yorks nach der Coronapandemie. Die Dokumentenlage zeigt: Sieben Verstöße in achtzehn Monaten haben die Behörden registriert, kaum einer wurde ernsthaft verfolgt.

Die größte Büroumwandlung der Stadtgeschichte

Das Gebäude an der 235 East 42nd Street ist kein gewöhnlicher Turm. In den 1960er Jahren vom Architekturbüro Emery Roth & Sons entworfen, diente es Jahrzehnte lang als globales Hauptquartier des Pharmariesen Pfizer. Als Pfizer den Standort im Zuge seiner Umstrukturierungen nach der Pandemie aufgab, übernahm die Immobilienfirma MetroLoft das Gebäude für ein Vorhaben von historischer Dimension: die Umwandlung in mehr als 1.600 Luxusmietwohnungen, nach eigenen Angaben die größte Büroumwandlung in der Geschichte Manhattans.

Das Projekt war zugleich ein politisches Aushängeschild. New York drängt seit Jahren darauf, den geschwächten Büromarkt nach der Pandemie in dringend benötigten Wohnraum umzuwandeln. Bürgermeister Zohran Mamdani hatte das Umwandlungsprogramm zur Priorität erklärt, das MetroLoft-Projekt galt als sein Vorzeigeprojekt. Dass ausgerechnet dieses Gebäude den Ruf des Programms nun beschädigt, ist eine schwere Ironie.

Technisch war der Umbau außerordentlich ambitioniert. Das ursprüngliche Gebäude hatte 33 Stockwerke. MetroLoft wollte vier neue Etagen aufsetzen, um auf 37 Stockwerke zu kommen. Gleichzeitig sollten die oberen 15 Etagen ab dem 22. Stock nach außen erweitert werden, um größere Grundrisse zu ermöglichen. Beides zusammen veränderte die statischen Lasten auf die darunter liegende Konstruktion grundlegend.

Warum die Stahlstützen versagten

Am Morgen des 7. Juli bemerkten Bauarbeiter im 21. Stock, dass zwei tragende Stahlstützen zu knicken begannen. Die Etagen 21 bis 26 sackten ab. Das New Yorker Feuerwehrdepartment entsandte mehr als 100 Einsatzkräfte, sieben Nachbargebäude wurden evakuiert, darunter ein Hampton-Inn-Hotel. Eine Schule mit rund 400 Kindern wurde nach Hause geschickt. Der gesperrte Bereich erstreckte sich von der 40th bis zur 45th Street zwischen der 1st und der 3rd Avenue, zehn Häuserblöcke im Herzen von Midtown Manhattan, nur wenige Querstraßen vom Grand Central Terminal entfernt. Verletzte gab es keine.

MetroLoft-Gründer Nathan Berman räumte die Ursache gegenüber Medien ein: Das zusätzliche Gewicht durch die Erweiterung der oberen 15 Etagen habe wahrscheinlich den Schaden verursacht. Das Statikbüro GACE zeichnete für das Projekt verantwortlich. Bürgermeister Mamdani beschrieb die Lage als ernst und erklärte, das Gebäude bewege sich weiterhin. Notmäßig installierte Stahlstützen und hydraulische Pressen sollen die Konstruktion seitdem stabilisiert haben.

Ingenieure der Northeastern University und Experten, die Scientific American zitierten, erklärten den Mechanismus: Werden die oberen Etagen eines historischen Hochhauses horizontal ausgedehnt, erhöht sich die Last auf die darunter liegenden Stützen erheblich. Die Stahlkonstruktionen der 1960er Jahre waren für deutlich geringere Querschnittslasten ausgelegt. Wird gleichzeitig das Gebäude auch noch in der Höhe gestreckt, summieren sich die Lasten auf Ebenen wie dem 21. Stock dramatisch. Das Ergebnis ist ein klassisches strukturelles Überlastungsversagen.

Sieben Warnzeichen in achtzehn Monaten

Das New Yorker Bauaufsichtsamt DOB hatte das Projekt nicht unbeobachtet gelassen. Zwischen Juli und Dezember 2025 registrierten die Behörden sieben Verstöße gegen den Generalunternehmer 235 GC LLC, den Auftragnehmer von MetroLoft. Die Bußgelder summierten sich auf mehr als 32.000 Dollar. Beinahe alle Verstöße wurden als sofort gefährlich eingestuft.

Die Dokumentenlage ist beunruhigend konkret: Ein Bauarbeiter stürzte von einer Leiter, die nicht auf ebenem Untergrund stand. Eine Metallplatte fiel vom 33. Stock auf den Bürgersteig, ohne Personen zu treffen. Kellerarbeiten entsprachen nicht den genehmigten Bauplänen. Besonders schwer wiegt ein Verstoß vom Dezember 2025: Der Betreiber hatte das DOB nicht über einen Bauunfall mit Verletzungsfolge informiert, eine nach New Yorker Baurecht gesetzlich vorgeschriebene Meldung. Allein dafür gab es 10.000 Dollar Bußgeld.

Dass ein Projekt mit dieser Vorgeschichte als Vorzeigeprojekt der städtischen Umwandlungsstrategie weitergeführt wurde, wirft Fragen an die behördliche Aufsicht auf. Dezeen, das auf Architektur spezialisierte Fachportal, nannte den Vorfall einen Präzedenzfall für die globale Debatte über Hochhausumwandlungen. Die Idee, Bürohochhäuser einer Epoche, die für völlig andere Nutzungsprofile konzipiert wurden, fundamental umzugestalten, stoße an physikalische Grenzen, die Investoren und Stadtplaner häufig unterschätzen.

Inspektoren und Subunternehmer unter Ermittlungsdruck

Zwei Tage nach dem Vorfall berichtete das Branchenportal The Real Deal, dass sowohl der verantwortliche Prüfingenieur als auch der Statik-Subunternehmer unter behördlichem Ermittlungsdruck stehen. Das DOB hat eine formelle Untersuchung eingeleitet. Im Zentrum steht die Frage, ob die statischen Berechnungen für die horizontale Erweiterung ausreichend waren und ob Prüfberichte Arbeiten zertifizierten, die nicht ordnungsgemäß ausgeführt worden waren.

Die Zukunft des MetroLoft-Projekts selbst ist ungewiss. Selbst wenn das Gebäude stabilisiert werden kann, was Experten als technisch möglich, aber als monatelangen Prozess einschätzen, ist offen, ob die erweiterten Obergeschosse wie geplant fertiggestellt werden können. Manche Ingenieure halten einen Teilabriss der geschädigten Etagen für unvermeidlich.

Bürgermeister Mamdanis Büro hat weder eine Pause des Büroumwandlungsprogramms noch eine grundsätzliche Überprüfung vergleichbarer Projekte angekündigt. Ob das DOB nach Abschluss seiner Untersuchung strengere Prüfpflichten für ähnlich ambitionierte Umbauprojekte einführt, wird die eigentliche Konsequenz dieses Vorfalls bestimmen. Die Rechnung, die 235 East 42nd Street aufgemacht hat, bezahlt im Moment die Stadt.

Quellen (14)

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