Iran rüstet auf, Waffenruhe endet Mittwoch
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Iran rüstet auf, Waffenruhe endet Mittwoch

Noch während die USA und Iran verhandelten, hat Teheran seine Raketenlager aufgefüllt und droht mit einer zweiten Front über die Houthi-Miliz im Jemen. Am Mittwochabend läuft die Waffenruhe aus, ohne dass eine Einigung in Sicht ist.

21. April 2026, 4:32 Uhr 757 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Irans Erster Vizepräsident Mohammad Reza Aref hat die Forderungen Washingtons öffentlich als „kindisch“ bezeichnet und klargemacht, dass Teheran vorerst nicht an einer zweiten Verhandlungsrunde in Islamabad teilnehmen wird. Zeitgleich haben iranische Militärsprecher erklärt, die Revolutionsgarden hätten die Feuerpause genutzt, um Raketenwerfer und Drohnenabschussvorrichtungen schneller aufzufüllen als noch vor Kriegsbeginn. Am Mittwochabend Washingtoner Zeit läuft die zweiwöchige Waffenruhe aus.

Was die Feuerpause erreicht hat und was nicht

Pakistan hatte am 8. April eine zweiwöchige Feuerpause zwischen Washington und Teheran vermittelt. Die Vereinbarung sah vor, dass Iran die Straße von Hormus für die Zivilschifffahrt öffnet und die USA ihre Seeblockade iranischer Häfen für die Dauer der Gespräche lockern. Was folgte, war eine Abfolge von Öffnung, Schließung und erneuter Eskalation: Am 17. April öffnete Iran die Meerenge kurz, sperrte sie nach einem erneuten US-Druckeinsatz am 18. April wieder. Am 20. April beschlagnahmten US-Marines das iranische Frachtschiff Touska im Golf von Oman. Seitdem weigert sich Teheran, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Die eigentliche Verhandlungsfrage ist dabei unverändert: Washington fordert ein zwanzigjähriges Moratorium für Irans Atomprogramm, Teheran bietet maximal fünf Jahre. Außenministeriumssprecher Ismail Baghai erklärte, Iran habe noch keine Entscheidung über weitere Gespräche getroffen. Irans Erster Vizepräsident Aref legte nach: Die US-Forderungen seien „kindisch, unrealistisch und widersprüchlich“.

Aufrüstung während der Feuerpause

Dass die Feuerpause militärisch keine Atempause war, zeigen neue Angaben aus Teheran und Washington. Sprecher der Revolutionsgarden erklärten öffentlich, die Kampfpause habe ihnen erlaubt, Raketen und Drohnenwerfer „schneller als vor dem Krieg“ nachzufüllen. Der Chef der US Defense Intelligence Agency bestätigte, dass Iran nach wie vor über Tausende Raketen und Angriffsdrohnen verfüge. US-Geheimdienstberichte deuten zudem darauf hin, dass China in den kommenden Wochen neue Luftabwehrsysteme an Iran liefern will. Trump antwortete mit der Androhung von 50-Prozent-Zusatzzöllen auf chinesische Waren.

Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf beanspruchte für Iran den militärischen Sieg: Die USA hätten ihre Kriegsziele nicht erreicht, Iran kontrolliere weiterhin die Straße von Hormus. Als neues Druckmittel hat Teheran die Möglichkeit ins Spiel gebracht, die Houthi-Miliz im Jemen anzuweisen, die Straße von Bab al-Mandab zu sperren. Diese Meerenge kontrolliert den Zugang zum Suezkanal und damit zu den Häfen Europas. Eine solche Maßnahme würde den globalen Seehandel an einem zweiten Nadelöhr treffen und hätte weit schwerere Folgen für Europa als die Hormus-Blockade allein.

Was ein Scheitern bedeutet

Das britische Militär hat die Lage am Montag als „kritisch“ eingestuft, die höchste Risikostufe in seiner Schifffahrtsbewertung. Brent-Rohöl notiert bei rund 96 Dollar pro Barrel, ein Tagesplus von 6,5 Prozent. Hält die Blockade über Mittwoch hinaus an, prognostiziert die Internationale Energieagentur Brent-Preise über 150 Dollar, im Extremfall bis zu 200 Dollar pro Barrel.

Für Deutschland kommen belastende Zahlen vom ifo-Institut: 78,6 Prozent der deutschen Unternehmen gaben im April 2026 an, ihre Geschäftsentwicklung kaum noch prognostizieren zu können, der höchste Wert seit Februar 2024. In Baden-Württemberg melden 75 Prozent der Industriebetriebe direkte Auswirkungen auf Produktion und Lieferketten. 39 Prozent der deutschen Unternehmen planen, ihre Investitionen 2026 zu senken. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben die Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,6 Prozent nach unten korrigiert.

Mittwochabend: Was als Nächstes zählt

Trump hat eine Verlängerung der Waffenruhe als „hochunwahrscheinlich“ bezeichnet, ließ aber eine Hintertür offen: „Ich werde mich nicht zu einem schlechten Deal drängen lassen. Wir haben alle Zeit der Welt.“ Ob das ein Verhandlungssignal ist oder eine Absage an weitere Gespräche, blieb unklar.

Am Mittwochabend, 22. April, endet die Feuerpause. Die konkret entscheidenden Fragen: Sperrt Iran die Straße von Hormus erneut formal und diesmal ohne Öffnungsfenster? Greifen die Revolutionsgarden US-Schiffe im Golf von Oman an? Und nutzen China oder Russland diesen Moment, um ihre Unterstützung für Teheran deutlicher zu zeigen? Auf jede dieser Fragen wird Mittwochabend eine erste Antwort gegeben.

Update 21. April, 13:01 Uhr: Axios berichtete unter Berufung auf US-Regierungsquellen, Washington habe Iran ein konkretes Angebot unterbreitet: 20 Milliarden Dollar an eingefrorenen iranischen Vermögenswerten würden freigegeben, wenn Teheran sein gesamtes angereichertes Uran abgibt und dauerhaft auf weitere Urananreicherung verzichtet. Das wäre eine erhebliche Verschärfung gegenüber der bisher bekannten US-Position eines zwanzigjährigen Moratoriums. Parallel signalisierte Teheran am Dienstagvormittag überraschend Gesprächsbereitschaft für Islamabad, nachdem Iran diese Gespräche zunächst abgelehnt hatte. Vizepräsident JD Vance bestätigte, Dienstagabend oder Mittwochmorgen nach Pakistan zu fliegen.

Update 21. April, 14:00 Uhr: Beim Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg forderte Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) Iran erneut auf, die Verhandlungen in Islamabad fortzusetzen. Er betonte, die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus müsse wiederhergestellt werden. Die US-Seeblockade iranischer Schiffe bleibt das zentrale Hindernis: Teheran knüpft seine Teilnahme an der zweiten Gesprächsrunde an die Bedingung, dass Washington die Blockade aufhebt. Eine DIHK-Umfrage unter rund 2.400 deutschen Betrieben zeigt derweil, dass 83 Prozent negative Auswirkungen auf ihr Geschäft melden; in der Industrie liegt der Wert bei 87 Prozent. Als häufigste Belastungen nennen Unternehmen gestiegene Fracht- und Transportkosten, gefolgt von höheren Energiepreisen und Rohstoffkosten.

Quellen (12)

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