Pendlerpauschale auf 38 Cent: Der DGB hat eine andere Rechnung
Politik

Pendlerpauschale auf 38 Cent: Der DGB hat eine andere Rechnung

Vor der Kabinettsklausur in Neuhardenberg drängt Merz auf schnelle Umsetzung der Koalitionsreformen. Die Pendlerpauschale steigt auf einheitlich 38 Cent pro Kilometer. Der DGB lehnt das ab und will stattdessen ein Mobilitätsgeld, das unabhängig vom Einkommen wirkt.

Quellen (10)
  1. ZDF: Merz vor Kabinettsklausur Wirtschaftzdfheute.de
  2. Papershift: Koalition beschließt Pendlerpauschale 38 Centpapershift.com
  3. DGB: Mobilitätsgeld statt Pendlerpauschaledgb.de
  4. Bürgergeld.org: Pendlerpauschale 2026 Analysebuerger-geld.org
  5. ZDF: Koalitionsausschuss Stromsteuer und Mütterrentezdfheute.de
  6. Onvista: Merz – Beschlüsse schnell umsetzenonvista.de
  7. ZDF: Kritik an Stromsteuer-Plänenzdfheute.de
  8. Vision Mobility: Mobilitätsgeld DGB VdKvision-mobility.de
  9. Bundestag: Gesetzentwurf Energiesteuernbundestag.de
  10. DGB Steuerkonzept: Einkommensunabhängige Entlastungdgb.de
24. August 2026, 9:27 Uhr565 Wörter · 3 Min. Lesezeit

Am 25. und 26. August trifft sich das Bundeskabinett zur Klausur in Schloss Neuhardenberg in Brandenburg. Bundeskanzler Friedrich Merz will das Kabinett auf eine zügige Umsetzung der Reformagenda einschwören: Wirtschaft stärken, Energie günstiger machen, Pendler entlasten. Was das konkret heißt, hängt davon ab, wen man fragt. Die Koalition und der DGB kommen zu unterschiedlichen Antworten.

Was sich bei der Pendlerpauschale ändert

Das bisherige System ist eine Staffelung: Wer zur Arbeit fährt, kann bislang für die ersten 20 Kilometer 30 Cent und ab dem 21. Kilometer 38 Cent von der Steuer absetzen. Die Koalitionsparteien CDU/CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dieses System zu vereinfachen: Ab 2026 gilt einheitlich 38 Cent ab dem ersten Kilometer. Wer 10 Kilometer zur Arbeit fährt, kann künftig 3,80 Euro pro Arbeitstag absetzen, statt bisher 3,00 Euro. Der Unterschied klingt überschaubar. Bei 200 Arbeitstagen im Jahr sind das 160 Euro mehr Werbungskosten.

Das Entscheidende: Die Pendlerpauschale ist ein steuerlicher Werbungskostenabzug, kein direkter Zuschuss. Wer viel verdient und einen hohen Steuersatz zahlt, profitiert mehr als jemand mit geringem Einkommen. Und wer gar keine Einkommensteuer zahlt, profitiert überhaupt nicht. Teilzeitbeschäftigte mit sehr geringem Verdienst profitieren kaum oder gar nicht. Eine Analyse kam zum Ergebnis, dass die oberen 40 Prozent der Einkommensbezieher rund 65 Prozent des Entlastungsvolumens der Pendlerpauschale erhalten.

Warum der DGB ein anderes Modell will

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat einen Gegenentwurf entwickelt: das Mobilitätsgeld. Es sieht vor, dass Arbeitnehmer pro gefahrenem Kilometer 17 Cent direkt von ihrer Steuerschuld abziehen können, nicht vom zu versteuernden Einkommen. Der Unterschied ist grundsätzlich: Wer 17 Cent als Abzug von der Steuerschuld erhält, bekommt diesen Betrag unabhängig davon, ob er 20 oder 45 Prozent Steuern zahlt. Die Entlastung wäre für alle gleich hoch, nicht einkommensabhängig gestaffelt.

Das Mobilitätsgeld würde außerdem unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel gelten. Wer mit dem Fahrrad, dem Bus oder der Bahn pendelt, bekäme denselben Betrag wie Autofahrer. Die aktuelle Pendlerpauschale gilt zwar formal für alle Wege, aber praktisch nutzen sie vor allem Autofahrer, da nach Destatis-Daten 88 Prozent der Berufspendler mit dem Auto zur Arbeit fahren.

Der Sozialverband VdK unterstützt grundsätzlich einkommensunabhängige Mobilitätsentlastungen wie das Mobilitätsgeld-Modell.

Die Stromsteuer: Versprechen für alle, Ergebnis für Betriebe

Ähnlich kompliziert ist die Lage bei der Stromsteuer. Im Koalitionsvertrag hatten CDU/CSU und SPD vereinbart, die Steuer für alle auf das europäische Minimum zu senken. Umgesetzt wird die Senkung bislang nur für Unternehmen des produzierenden Gewerbes und der Land- und Forstwirtschaft, nicht für private Haushalte. Der Grund: Eine vollständige Umsetzung würde laut Bundesfinanzministerium 5,4 Milliarden Euro im Jahr kosten. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sprach öffentlich von einem drohenden „Bruch des Koalitionsvertrags".

Für den durchschnittlichen deutschen Zwei-Personen-Haushalt, der pro Jahr rund 2.500 Kilowattstunden Strom verbraucht, bedeutet die aktuelle Regelung: keine Entlastung. Die Bundesregierung verweist auf die angespannte Haushaltslage.

Neuhardenberg: Die Signale der Klausur

Die Kabinettsklausur in Schloss Neuhardenberg ist keine Beschlusssitzung, sondern eine strategische Weichenstellung. Merz hat am Sonntag erklärt, die Koalitionsbeschlüsse „so schnell wie möglich" umsetzen zu wollen. Im Mittelpunkt sollen wirtschaftspolitische Maßnahmen stehen und Schutzmaßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels, insbesondere extreme Hitze.

Die Pendlerpauschale-Änderung auf 38 Cent ist seit dem 1. Januar 2026 in Kraft. Der DGB-Vorschlag zum Mobilitätsgeld ist gewerkschaftspolitisch etabliert, findet im Bundestag aber keine Mehrheit. Für die mehr als 13 Millionen Pendlerinnen und Pendler in Deutschland, die Entfernungspauschale geltend machen, bringt die aktuelle Lösung eine konkrete Entlastung. Für die noch größere Gruppe jener, die kürzere Wege haben oder im Niedriglohnbereich beschäftigt sind, ändert sich wenig.

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