ICE schiebt ICE-Unterstützer Yiannopoulos ab
International

ICE schiebt ICE-Unterstützer Yiannopoulos ab

Milo Yiannopoulos, britischer Rechtsaußen-Blogger und einer der lautesten Unterstützer von Trumps Abschiebeoffensive, wurde am 27. August von der US-Einwanderungsbehörde ICE am New Orleaner Flughafen festgenommen und nach Großbritannien abgeschoben.

Quellen (8)
  1. Berliner Zeitungberliner-zeitung.de
  2. NPRnpr.org
  3. CNNcnn.com
  4. Washington Postwashingtonpost.com
  5. Spiegel Auslandspiegel.de
  6. ZEIT Onlinezeit.de
  7. n-tvn-tv.de
  8. ABC News: Karriere im Alt-Rightabc17news.com
31. August 2026, 4:29 Uhr615 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Er hatte jahrelang die Abschiebemaschinerie der Trump-Regierung bejubelt und ICE als Inbegriff amerikanischer Gerechtigkeit bezeichnet. Am 27. August 2026 holte ihn genau diese Behörde am Flughafen Louis Armstrong in New Orleans ab: Milo Yiannopoulos, britischer Rechtsaußen-Blogger und ehemaliger Breitbart-Redakteur, wurde von der US-Einwanderungsbehörde ICE festgenommen und nach Großbritannien abgeschoben. Das Department of Homeland Security (DHS) bezeichnete ihn in seiner offiziellen Mitteilung als "illegal alien from the United Kingdom".

Von Breitbart zur Untergetaucht-Existenz

Milo Yiannopoulos, 1984 als Milo Hanrahan in Chatham, Kent, geboren, war eine der prägenden Figuren des amerikanischen Alt-Right-Netzwerks der 2010er Jahre. Er begann seine Karriere als Technologiejournalist, gründete 2011 das Onlinemagazin The Kernel und wechselte 2014 als Senior Editor zu Breitbart News, wo er provokante Texte über Immigration, Feminismus und politische Korrektheit verfasste. Er sprach an US-amerikanischen Universitäten, wurde wegen seiner Äußerungen von Plattformen gesperrt und wurde 2017 als eine der zentralen Figuren des Alt-Right-Netzwerks bezeichnet.

2017 trat Yiannopoulos zurück, nachdem Aussagen bekannt wurden, die als Verharmlosung von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen gewertet wurden. Seither fand er keine vergleichbare öffentliche Bühne mehr. Am 14. Mai 2019 reiste er legal in die USA ein. Was er in den folgenden sieben Jahren tat, ist weitgehend unklar. Am New Orleaner Flughafen wurde er am 27. August 2026 festgenommen.

Sieben Jahre ohne gültigen Aufenthaltsstatus

Das DHS erklärte, Yiannopoulos habe "chosen to overstay his welcome in violation of our nation's laws" und sich entschieden, die Vereinigten Staaten nicht zu verlassen. Nach Angaben von NPR erließ ein Einwanderungsrichter am 22. Juli 2026 einen rechtskräftigen Ausweisungsbescheid, weil Yiannopoulos zu einem Anhörungstermin in seinem Einwanderungsverfahren nicht erschienen war. Rund fünf Wochen später wurde er am Flughafen New Orleans verhaftet.

Die Dauer des illegalen Aufenthalts ist bemerkenswert: Zwischen dem Einreisedatum im Mai 2019 und der Verhaftung im August 2026 liegen mehr als sieben Jahre. In dieser Zeit lief sein Visum ab, ohne dass er seinen Status legalisiert hätte. CNN berichtete, das DHS habe nach der Verhaftung am 27. August ein Lichtbild aus dem Verarbeitungsprozess veröffentlicht. Noch am selben Tag begann die Vorbereitung der Abschiebung; am 28. August wurde Yiannopoulos nach Großbritannien geflogen.

Der Fürsprecher der Deportation wird selbst deportiert

Das Paradoxon liegt auf der Hand. Yiannopoulos hatte die Abschiebeoffensive der Trump-Regierung öffentlich unterstützt und entsprechende Beiträge auf der Plattform X gepostet, darunter die Aussage "Justice system should be just ICE". Während Millionen Menschen in den USA unter den verschärften Einwanderungskontrollen der Trump-Regierung lebten, blieb er sieben Jahre lang selbst illegal im Land, ohne erkennbare Konsequenzen zu fürchten.

Dass die Verhaftung schließlich am Flughafen stattfand, deutet auf eine routinemäßige Überprüfung bei der Ausreise hin. Die Washington Post berichtete, sein Fall habe in Online-Netzwerken als exemplarisches Beispiel für die Unvorhersehbarkeit der Einwanderungskontrollen gegolten: Politische Sympathien sind kein Schutz vor Einwanderungsrecht. In Deutschland berichteten Spiegel, ZEIT und n-tv über den Vorfall.

Unter Trumps zweiter Amtszeit hat ICE seine Abschiebekapazitäten deutlich ausgebaut. Zehntausende Personen wurden seit 2025 aufgegriffen, die sich ohne gültigen Aufenthaltsstatus in den USA befanden. Dass die Behörde nun auch einen ihrer öffentlichen Unterstützer traf, wirft eine praktische Frage auf: Wie viele weitere Personen mit abgelaufenen Visa oder verpassten Anhörungsterminen leben derzeit in den USA, unabhängig von ihrer politischen Überzeugung?

Rückkehr nach Großbritannien

Nach Großbritannien zurückgekehrt ist Yiannopoulos ein britischer Staatsbürger mit einer Einreisesperre in die USA. Nach einem rechtskräftigen Entfernungsbefehl ist eine freiwillige Rückkehr in die USA für mindestens zehn Jahre ausgeschlossen, in manchen Fällen dauerhaft. Eine offizielle Reaktion der britischen Regierung auf seine Rückkehr blieb zunächst aus.

Yiannopoulos selbst hat sich seit der Verhaftung öffentlich nicht geäußert. Seine Abschiebung ist eine Randnotiz im Rahmen einer umfassenderen US-Einwanderungspolitik. Dass sie ausgerechnet einen ihrer lautesten Unterstützer traf, ist kein Kommentar auf die Fairness des Systems, sondern auf seine Mechanik: ICE prüft Visa-Status, keine politische Neigung.

Kommentare