Nagelsmann tritt zurück: Klopp soll Bundestrainer werden
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Nagelsmann tritt zurück: Klopp soll Bundestrainer werden

Julian Nagelsmann bat den DFB nach dem WM-Aus gegen Paraguay um Entbindung von seinem Vertrag. Sein geplanter Nachfolger Jürgen Klopp sitzt jedoch bei Red Bull fest und der Konzern verlangt eine Ablösesumme.

4. Juli 2026, 5:06 Uhr 1115 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Kai Havertz fand nach dem Abpfiff keine Worte, dann fand er welche: „Das war meine zweite WM, zum zweiten Mal haben wir reingeschissen. Alles, was ich sagen kann, ist: Entschuldigung." Der Abend des 30. Juni 2026 endete mit dem Aus der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguay und besiegelte das Ende von Julian Nagelsmanns Amtszeit als Bundestrainer. Vier Tage später steht fest: Er bittet um Entbindung von seinem Vertrag und der designierte Nachfolger Jürgen Klopp sitzt beim Red-Bull-Konzern fest.

30. Juni: Das Elfmeter-Aus gegen Paraguay

Paraguay steht auf Platz 41 der FIFA-Weltrangliste. Deutschland spielte gegen diese Mannschaft 90 Minuten, dann 120 Minuten. Ergebnis nach Verlängerung: 1:1. Im Elfmeterschießen vergaben nacheinander Havertz, Woltemade und Jonathan Tah, dessen letzter Versuch weit über das Tor in die Tribüne flog. Endstand: 3:4 aus Sicht Deutschlands.

Zusätzlich wurde ein Tah-Tor nach VAR-Überprüfung zurückgenommen. Die Schiedsrichterentscheidung, ein angebliches Offensivfoul in der Entstehung, blieb unter Experten umstritten. Der 40-jährige Manuel Neuer hielt im Elfmeterschießen einen Versuch von Paraguays Fabián Balbuena, was die Hoffnung kurz nährte; danach scheiterte Tah trotzdem. Die Sportschau bezeichnete es als „nächstes WM-Debakel", die internationalen Kommentatoren waren kaum gnädiger: „Von Deutschland ist nichts mehr übrig", zitierte ZDF-Heute ausländische Pressestimmen.

Die Enttäuschung war umso größer, weil Deutschland mit der Heim-EM 2024, Nagelsmanns größtem Erfolg, noch im Rücken angetreten war. Damals hatte die Mannschaft das Viertelfinale erreicht, dort gegen Spanien verloren. Die WM 2026 sollte der nächste Schritt sein. Es wurde der dritte deutsche WM-Vorrunden- oder Achtelfinale-Ausschied in Folge.

Anfang Juli: Nagelsmann bittet um Entbindung

Unmittelbar nach dem Ausscheiden signalisierte Nagelsmann öffentlich Bereitschaft zum Weitermachen: „Ich bin auf jeden Fall keiner, der wegläuft, aber klar, ich kenne auch Mechanismen im Fußball. Ich habe Vertrag und ich stehe auch zur Verfügung." Der DFB gab sich bedeckt: Sportdirektor Rudi Völler bezeichnete Nagelsmann als „absoluten Toptrainer", DFB-Präsident Bernd Neuendorf erklärte, die Entscheidung über die Trainerfrage treffe man bis Freitag.

Freitag ist der 4. Juli. Das Ergebnis: Nagelsmann bat in einem vertraulichen Gespräch mit der Verbandsspitze selbst darum, von seinen Aufgaben entbunden zu werden. Die Formulierung, die der DFB für seine Mitteilung wählte, klang nach einem geordneten Abgang: Der 38-Jährige gönne der Mannschaft nach einer solch bitteren Enttäuschung den Neustart ohne Ballast. „Mein oberstes Ziel war immer der Erfolg des Teams. Nach einer so bitteren Enttäuschung verdienen sie die Chance für einen Neuanfang", so Nagelsmanns Erklärung. Sein Vertrag wäre noch bis zur EM 2028 gelaufen. Mit ihm verlassen auch die Assistenten Benjamin Glück und Benjamin Hübner den Verband. Völler: „Julian ist und bleibt ein exzellenter Trainer."

Klopp will, aber Red Bull lässt nicht gehen

Jürgen Klopp arbeitet derzeit als Head of Global Soccer beim Red-Bull-Konzern. Sein Vertrag läuft bis 2029. Red-Bull-CEO Oliver Mintzlaff betonte mehrfach, der Vertrag enthalte keine Ausstiegsklausel, nicht einmal für den Fall einer Nationaltrainer-Anfrage. Klopp hatte die WM 2026 als TV-Experte für MagentaTV begleitet und signalisierte nach dem DFB-Aus seine grundsätzliche Bereitschaft, das Amt zu übernehmen.

Dem DFB stellt sich damit ein historisch einmaliges Problem: Erstmals in seiner Geschichte müsste der Verband eine Ablösesumme zahlen, um einen Trainer aus einem laufenden Vertrag herauszukaufen. Laut übereinstimmenden Berichten liegt der im Raum stehende Betrag im einstelligen Millionenbereich. Verhandlungsführer auf DFB-Seite sind Rudi Völler sowie, mit einem guten persönlichen Verhältnis zu Klopp, der BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke. Red Bull-Konzernchef Mintzlaff ist der Verhandlungspartner auf der Gegenseite.

Für Red Bull ist die Situation ambivalent. Der 59-Jährige ist ein zentrales Gesicht der Marke in der deutschen Fußballöffentlichkeit. Andererseits: Wer Jürgen Klopp zum Bundestrainer werden lässt, kauft sich Sympathie in Deutschland. Die Fachzeitschrift Eurosport stellte bereits die Frage, ob Red Bull mit diesem Schachzug einen „Image-Coup" landen könne. Ein verbissenes Festhalten am Vertrag hingegen würde Red Bull in Deutschland als Konzern positionieren, der das Nationalteam als Geisel hält.

24. September: Die Uhr läuft für den DFB

Deutschlands nächstes Pflichtspiel ist am 24. September 2026 in Amsterdam, der Nations-League-Auftakt gegen die Niederlande. Bis dahin muss der DFB entweder Klopp unter Vertrag genommen haben oder einen Plan B benennen. Eine Interimslösung mit Rudi Völler, der das Amt von 2000 bis 2004 bereits bekleidete, gilt als wenig wahrscheinlich.

Klopp selbst ist nach Berichten aus seinem Umfeld innerlich zerrissen. Nach Liverpool wählte er bewusst eine Funktion ohne Trainingsbetrieb, ohne Ergebnisdruck, ohne Reisekalender. Als Bundestrainer käme all das zurück. Gleichzeitig: Die Anfrage des eigenen Landes ist etwas anderes als ein Vereinsjob. Ob Klopp am Ende zusagt, hängt auch davon ab, ob Red Bull ihn lässt und zu welchem Preis.

Der DFB hat für den nächsten Bundestrainer-Suchprozess keine glückliche Hand bewiesen: Joachim Löw endete nach dem WM-Aus 2018 und EM-Aus 2021 unter schmerzhaften Umständen, Nagelsmann nun ebenso. Klopp wäre Kontinuität und Neuanfang zugleich, wenn Red Bull mitspielt.

Update 4. Juli, 05:00 Uhr: Jürgen Klopp hat in einem Interview mit Johannes B. Kerner seine Vorstellungen konkretisiert. Er machte deutlich, dass ein Trainerwechsel allein die Probleme des deutschen Fußballs nicht löse: Die Strukturfrage müsse beim DFB von der U10 aufwärts neu gestellt werden. Klopp verlangt maximalen Gestaltungsspielraum und will nicht in der Verbandsroutine verschwinden. Seine grundsätzliche Bereitschaft hält er aufrecht, betont aber, Verhandlungen würden Zeit brauchen. Die Kernfrage, ob Red Bull ihn aus seinem bis 2029 laufenden Vertrag entlässt, ist weiterhin ungeklärt.

Update 5. Juli: Klopp hat aus New York bestätigt, dass intensive Verhandlungen mit dem DFB laufen. Auf die Frage, was für eine Unterschrift noch fehle, antwortete er mit einem Wort: „Zeit.“ Die Sportschau berichtet, zwischen Klopp und Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff gelte ein mündliches Gentleman's Agreement, das einen Abgang für eine Nationaltrainer-Anfrage grundsätzlich möglich mache. Mintzlaff gelte als „relativ offen“ für die Gespräche, da ihm der deutsche Fußball am Herzen liege. Red Bull werde Klopp dennoch nicht ohne eine Ablösesumme freigeben. Wie lange die Verhandlungen dauern und was sie kosten, ist offen.

Quellen (14)

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