Netanyahu bei Trump: Differenzen über Iran, dann Raketen
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Netanyahu bei Trump: Differenzen über Iran, dann Raketen

Das erste Treffen zwischen Netanyahu und Trump seit Beginn des Irankriegs im Februar 2026 verlief laut Weißem Haus positiv und produktiv, ohne konkrete Vereinbarungen. Stunden nach dem Ende des Gesprächs feuerte Iran erstmals seit Wochen Raketen auf US-Militärbasen. Alle wurden abgefangen.

29. Juli 2026, 4:49 Uhr 778 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Wenige Stunden nachdem Netanyahu das Weiße Haus verlassen hatte, feuerten iranische Streitkräfte ballistische Raketen auf US-Militärbasen im Nahen Osten. Alle wurden abgefangen. Das Timing war kein Zufall: Teheran beendete genau an dem Tag die mehrtägige Angriffspause, an dem sich Israels Premierminister und der US-Präsident zu ihrem ersten persönlichen Gespräch seit dem Kriegsbeginn getroffen hatten. Das Treffen am 28. Juli offenbarte, was mehrere Monate diplomatischer Abstand hinterlassen haben: zwei Verbündete, die in Kernfragen der Iranstrategie grundlegend unterschiedliche Wege verfolgen.

Das erste Treffen seit dem Kriegsbeginn im Februar

Die USA und Israel begannen den Irankrieg am 28. Februar 2026 mit gemeinsamen Luftschlägen auf die iranische Führung. Seitdem hatten Netanyahu und Trump kein direktes bilaterales Format mehr gehabt. Das Treffen vom Dienstag, das laut White-House-Pressesprecherin Karoline Leavitt um 11:03 Uhr Ortszeit begann und bis 12:25 Uhr dauerte, war damit das erste Gespräch im Oval Office seit über fünf Monaten.

Netanyahu kam nach Washington in einer innenpolitisch geschwächten Position. Laut Axios und Washington Post ist die Beziehung zu Trump angespannter als nach außen sichtbar: Netanyahu hatte versucht, Trump von der Fortsetzung der Militärkampagne zu überzeugen. Er verlor diese Debatte. Trump unterzeichnete im Juni 2026 ein Memorandum of Understanding mit Iran, das Netanyahu skeptisch sah und das Wochen später faktisch gescheitert war. CNN beschrieb Netanyahus Position präzise: ein Verbündeter, dessen Einfluss auf Washingtons Iranstrategie schwindet.

F-35 für die Türkei, Rückzug aus dem Libanon, Atomanlage Pickaxe Mountain

Die Agenda des Treffens umfasste drei konkrete Streitpunkte. Erstens: der geplante Verkauf von F-35-Kampfjets an die Türkei. Israel lehnt das entschieden ab, weil es den qualitativen militärischen Vorsprung des Landes gegenüber Nachbarstaaten gefährdet. Trumps Antwort war eindeutig: "Niemand sagt mir, was wir verkaufen sollten und was nicht." Der Verkauf scheint beschlossene Sache zu sein.

Zweitens der Rückzug: Netanyahu teilte seinem Sicherheitskabinett nach dem Treffen mit, die Trump-Administration wolle, dass Israel seine Truppen aus dem Libanon, aus Syrien und aus Gaza abzieht. Netanyahu lehnte das ab. Auch dieser Punkt offenbart, wie weit die strategischen Vorstellungen auseinandergehen: Für Trump sind die Konfliktgebiete Nebenschauplätze einer übergeordneten Diplomatielösung. Für Netanyahu sind sie Sicherheitspuffer, auf die Israel nicht verzichten will.

Drittens: die iranische Nuklearanlage Pickaxe Mountain. Laut US-Angaben soll Iran die Anlage ausgebaut haben. NBC News zufolge gehörte das iranische Atomprogramm zu den zentralen Gesprächspunkten. Hier gibt es zwischen den Verbündeten tatsächlich Einigkeit: Beide bekräftigten laut Jerusalem Post ihre Haltung, dass Iran keine Atomwaffe entwickeln darf.

Warum Iran nach der Pause wieder Raketen abfeuerte

Die iranischen Raketenangriffe auf US-Militärbasen im Nahen Osten kamen nach einer mehrtägigen Pause, die auf Anraten von CENTCOM-Kommandeur Admiral Brad Cooper zustande gekommen war. Cooper hatte dem Weißen Haus nahegelegt, die Bombardierung zu stoppen, weil rund 80 Prozent der designierten Militärziele bereits getroffen worden waren. General Dan Caine hatte intern vor schwindenden Munitionsreserven gewarnt.

Irans Angriff am 28. Juli beendete diese Pause. Alle Raketen wurden durch US-Abwehrsysteme abgefangen. Das Muster ist bekannt: Teheran setzt auf parallele Signale. Oman vermittelt über eine mögliche Neuregelung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus, gleichzeitig feuert die Islamische Revolutionsgarde auf amerikanische Stützpunkte. Das ist keine Widersprüchlichkeit, sondern Strategie: Iran will verhandeln, aber aus einer Position der Stärke.

Bloomberg meldete am selben Tag, Trump habe seine öffentlichen Drohungen gegenüber Iran abgemildert. Die Pause der US-Angriffe, die CENTCOM-Empfehlung und Trumps erklärte Präferenz für Diplomatie ergeben zusammen ein klares Bild: Washington sucht einen Ausweg aus dem Krieg, den es selbst mitgestartet hat. Teheran nutzt diesen Verhandlungswillen als Hebel.

Oman-Plan und Atomdossier: Was in den nächsten Tagen entscheidet

Trotz der öffentlich sichtbaren Differenzen bestand das Treffen nicht nur aus Streit. Netanyahu und Trump bekräftigten die gemeinsame Haltung, dass Iran keine Atomwaffe bekommen darf. Das Weiße Haus bezeichnete das Gespräch als "positiv und produktiv". Konkrete Vereinbarungen wurden nicht bekannt.

Konkreter wird die Lage bei den Oman-Verhandlungen: Muskat hat Iran einen Plan für freiwillige Hormusdurchfahrtsgebühren nach dem Vorbild der Straße von Malakka vorgelegt, getragen von den Golfstaaten. Ob Iran diesen Plan akzeptiert, ist offen. Der Brentölpreis ist inzwischen von über 100 Dollar auf rund 87 Dollar je Barrel gefallen. Für die Bundesregierung ist das entscheidend: Jede neue Eskalation in der Straße von Hormus trifft die deutsche Wirtschaft direkt. Die Raketenangriffe nach dem Netanyahu-Trump-Treffen zeigen, dass eine schnelle Lösung unwahrscheinlich bleibt.

Quellen (12)

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