Glattwal-Nachwuchs: 23 Kälber, höchste Zahl seit 2009
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Glattwal-Nachwuchs: 23 Kälber, höchste Zahl seit 2009

In der Saison 2025/2026 wurden 23 Kälber des Nordatlantischen Glattwals dokumentiert, die höchste Zahl seit 2009. Für eine Art, von der weltweit nur noch rund 380 Individuen überleben, ist das mehr als eine Statistik.

Quellen (9)
  1. NOAA Fisheries: By the Numbers — 2026 North Atlantic Right Whale Calving Seasonfisheries.noaa.gov
  2. NOAA Fisheries: 2026 North Atlantic Right Whale Calving Seasonfisheries.noaa.gov
  3. New England Aquarium: 2025–2026 North Atlantic Right Whale Mother and Calf Pairsneaq.org
  4. Coastal and Marine Aquarium: Right Whale Calving Season Wraps with 23 Calvesmission.cmaquarium.org
  5. IFAW: 2026 North Atlantic Right Whale Calving Seasonifaw.org
  6. NOAA Fisheries: Good News Stories for Endangered Species Day 2026fisheries.noaa.gov
  7. NOAA Fisheries: Reducing Vessel Strikes to North Atlantic Right Whalesfisheries.noaa.gov
  8. The Current GA: Right Whale Calving Season Yields 23 Calvesthecurrentga.org
  9. NOAA Fisheries: Gray Whales in the Eastern North Pacificfisheries.noaa.gov
4. August 2026, 17:05 Uhr761 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Für eine Art mit 380 verbliebenen Individuen weltweit ist 23 eine große Zahl. So viele Kälber hat der Nordatlantische Glattwal in der Saison 2025/2026 geboren, die höchste Anzahl seit 2009 und der erste Saisonrekord seit fast zwei Jahrzehnten. NOAA Fisheries nennt die Zahlen vorsichtig ermutigend und spricht von Zeichen einer biologischen Trendwende.

Warum 23 Kälber so viel bedeuten

Der Nordatlantische Glattwal (Eubalaena glacialis) ist eine der am stärksten bedrohten Walarten der Welt. Im gesamten Nordostatlantik, also in europäischen Gewässern, ist er seit dem 18. Jahrhundert ausgestorben. Die letzte verbliebene Population teilt sich zwischen den Gewässern vor der Ostküste der USA und Kanadas auf. Ihr Tiefpunkt wurde um 2020 erreicht, als Wissenschaftler noch etwa 340 Tiere zählten.

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Seither hat sich der Bestand leicht erholt. Rund 380 Glattwale gibt es heute, davon etwa 70 Weibchen im reproduktionsfähigen Alter. Diese 70 Tiere sind die biologische Grundlage der gesamten Art. Jedes Kalb, das überlebt, erhöht die Chancen auf Bestandserhalt messbar.

NOAA Fisheries dokumentierte in der abgelaufenen Saison zudem mehr als 500 Sichtungen von 129 verschiedenen Walen vor der Südostküste der USA. Das entspricht mehr als einem Viertel der Gesamtpopulation an einem Ort, einem Anstieg von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Kürzere Pausen zwischen den Geburten

Besonders aufschlussreich ist die Analyse der 20 Mütter, die in dieser Saison ein Kalb zur Welt brachten. 13 von ihnen hatten ihren letzten Nachwuchs in der Saison 2021 oder 2022 bekommen. Das entspricht einem Geburtsintervall von vier Jahren.

In gesunden Populationen kälbern Glattwale alle drei bis vier Jahre. In den Jahren um 2010 hatten Wissenschaftler beobachtet, wie sich dieses Intervall auf bis zu sieben bis zehn Jahre ausweitete, ein Zeichen für Nahrungsstress und schlechten Gesundheitszustand der Weibchen. Das kürzere Intervall von 2026 deutet darauf hin, dass sich die Nahrungsbedingungen für einige Weibchen verbessert haben. NOAA-Biologen nennen die Zahlen ermutigend, aber auch das explizit: als erste Zeichen, nicht als Entwarnung. Die Art gilt weiterhin als kritisch gefährdet.

Im Vergleich: Buckelwal und Grauwal als Referenz

Was Artenschutz leisten kann, zeigen zwei andere Walarten. Der Buckelwal (Megaptera novaeangliae) stand in den späten 1960er Jahren vor einem ähnlichen Kollaps: Industrieller Walfang hatte seinen Bestand in vielen Regionen auf Bruchteile reduziert. Das Internationale Walfangmoratorium von 1986 schützte ihn konsequent über Jahrzehnte. Heute schätzen Wissenschaftler den globalen Buckelwalbestand auf etwa 84.000 Tiere. Das entspricht einer Vervielfachung innerhalb von gut 40 Jahren.

Der Pazifische Grauwal (Eschrichtius robustus) bietet ein zweites Beispiel. Aggressiver Walfang hatte seine östliche Population in den 1940er Jahren auf weniger als 2.000 Tiere reduziert. Die Internationale Walfangkommission schützte ihn ab 1947. Der Bestand wurde 1994 vom US-Endangered-Species-Act gestrichen, weil er als erholt galt. 2016 zählte NOAA rund 27.000 Pazifische Grauwale. Das zeigt: Artenschutz funktioniert, wenn die Maßnahmen konsequent und langfristig durchgehalten werden.

Beim Nordatlantischen Glattwal sind die Bedingungen schwieriger. Er ist langsamer in der Fortpflanzung, lebt in stärker genutzten Schifffahrtsgebieten und hat keine geografische Reserve. Aber die Biologie der 23 Kälber von 2026 sagt, dass die Grundlage noch vorhanden ist.

Was über das Schicksal des Glattwals entscheidet

Ob der Glattwal 2026 einen echten Wendepunkt erlebt oder nur eine kurze positive Phase, hängt an drei Faktoren.

Schifffahrtsregeln: NOAA Fisheries schreibt seit Jahren Geschwindigkeitsbeschränkungen für Schiffe in bekannten Glattwalgebieten vor. Langsamere Schiffe verringern das Risiko tödlicher Kollisionen erheblich. 2026 hat die US-Behörde ein Verfahren eingeleitet, diese Regeln zu überarbeiten. Das Ergebnis dieses Verfahrens wird entscheidend sein, weil Schiffsanfahrungen eine der Haupttodesursachen bei Glattwalen sind.

Fischereiausrüstung: Glattwale verheddern sich in Seilen und Netzen, oft mit tödlichem Ausgang. Die US-Fischereibehörde hat 2022 neue Auflagen für Fischereiausrüstung erlassen, die das Verstrickungsrisiko senken sollen. Ihre Durchsetzung wird von Naturschutzorganisationen wie dem International Fund for Animal Welfare weiter überwacht.

Klimawandel: Die Hauptnahrung der Glattwale ist Zooplankton, vor allem Copepoden der Gattung Calanus finmarchicus. Steigende Wassertemperaturen verschieben das Vorkommen dieser Kleinkrebse. Wenn Weibchen ihre Fressgebiete nicht mehr effizient nutzen können, kehren sich die positiven Geburtstrends schnell um. Das kürzere Geburtsintervall von 2026 ist ein Hinweis auf verbesserte Bedingungen. Es ist noch keine Garantie.

23 Kälber sind ein Grund zur Hoffnung. Kein Grund zur Sorglosigkeit.

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