400 Drohnen auf Moskau, zehn Tote auf Maisfrachter
In der Nacht auf den 20. Juli feuerte die Ukraine mehr als 400 Drohnen auf Moskau und das Umland. Parallel beschoss Russland den guineabissauischen Maisfrachter Golden Leo vor Odessa mit drei Marschflugkörpern: Zehn Menschen starben, neun Besatzungsmitglieder und ein ukrainischer Lotse. Beide Schläge folgen einer Logik, die sich seit Monaten als Kriegsstrategie verfestigt hat: Wer die Versorgungsinfrastruktur des anderen trifft, zwingt ihn zur Wahl zwischen Kriegsführung und Grundversorgung.
400 Drohnen in einer Nacht: Moskaus Logistik im Visier
Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin bestätigte am Montag, dass zwischen 20:30 Uhr und 5:00 Uhr morgens mehr als 400 ukrainische Drohnen auf die Moskauer Region abgefeuert wurden. 85 Drohnen wurden beim Anflug auf die Hauptstadt abgeschossen; der Großteil wurde nach russischen Angaben schon weiter vom Stadtzentrum entfernt vernichtet.
Am schwersten betroffen war der Logistikkomplex Juschnye Worota im Gebiet Domodedowo, rund 30 Kilometer südlich des Stadtzentrums. Nach Angaben des ukrainischen Portals Astra TV umfasst der Komplex eine Fläche von 144 Hektar und gehört zu den wichtigsten Lagerknotenpunkten der Moskauer Region. Parallel brach ein Brand in einem Öldepot in Podolsk aus, etwa 40 Kilometer südlich des Stadtzentrums. Präsident Selenskyj bestätigte, ukrainische Kräfte hätten „Logistik- und Treibstoffinfrastruktur“ mehr als 400 Kilometer hinter der Front getroffen. Zehn Menschen wurden verletzt, mehrere Wohngebäude beschädigt.
183 Schiffe in 15 Tagen: Die maritime Front
Der Drohnenangriff auf Moskau fiel zusammen mit der Fortsetzung der maritimen Offensive der Ukraine. In der Nacht auf den 20. Juli trafen ukrainische Marinedrohnen sieben weitere russische Schiffe aus der Schattenflotte im Schwarzen und Asowschen Meer: drei Tanker und vier Frachtschiffe. Damit stieg die Gesamtzahl der im Juli getroffenen russischen Schiffe auf 183, aufgeteilt auf 119 im Asowschen Meer und 64 im Schwarzen Meer, nach Angaben von UNITED24 Media.
Die Operation MoLoChKa läuft seit dem 6. Juli unter dem Kommando von Robert Brovdi, bekannt unter dem Kampfnamen Madyar, Befehlshaber der ukrainischen Drohnenverbände Unmanned Systems Forces. Brovdi beschrieb das Ziel der Operation als Angriff auf die Finanzierungsbasis des russischen Krieges: Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds stammen 30 bis 35 Prozent der russischen Staatseinnahmen aus Öl- und Gasexporten. Wer die Tanker der Schattenflotte trifft, greift diese Einnahmen direkt an.
Russlands Antwort: Drei Raketen auf ein Getreideschiff
Russland antwortete mit 94 Langstreckendrohnen auf ukrainische Gebiete: 81 wurden nach ukrainischen Angaben abgefangen, neun verursachten Schäden an neun Orten. Der gravierendste Schlag war ein anderer: Drei russische Marschflugkörper trafen den Maisfrachter Golden Leo, ein unter guineabissauischer Flagge fahrendes Schiff mit indischer und syrischer Besatzung, in internationalen Gewässern vor Odessa.
Zehn Menschen starben: neun Besatzungsmitglieder und ein ukrainischer Lotse, der das Schiff durch die militärisch gefährdete Meereszone begleitete. Acht der 17 Besatzungsmitglieder wurden gerettet. Das Schiff transportierte Mais für den Export. Ukrainische Behörden bezeichneten den Angriff als „Terrorismus gegen zivile Schifffahrt“; Russland äußerte sich zunächst nicht. Im Juli sind nach ukrainischen Angaben bereits 28 Menschen in der Region Odessa durch russische Angriffe getötet worden.
Der Golden-Leo-Angriff reiht sich in ein Muster ein, das seit dem Scheitern der Schwarzmeer-Getreideinitiative 2023 anhält. Russland greift regelmäßig Schiffe an, die ukrainische Häfen anlaufen. Die Ukraine versucht, eine alternative Exportroute aufrechtzuerhalten, die von der UN und der EU unterstützt wird.
Bis Brovdi aufhört zu zählen
Die Parallelität der Operationen ist kein Zufall. Der Drohnenangriff auf Moskau trifft Russlands Logistikinfrastruktur dort, wo sie am verletzlichsten ist: in der Versorgungskette hinter der Front, weit vom Frontgeschehen entfernt, aber direkt relevant für Munitions- und Treibstofftransporte. Die maritime Operation trifft die Einnahmenbasis des Krieges.
Selenskyj navigiert diese Strategie inmitten eines innenpolitischen Risses. Der Rauswurf mehrerer Kabinettsmitglieder vergangene Woche, darunter Verteidigungsminister Fedorow, hat eine Spannung zwischen der alten Militärführung und einer jüngeren, drohnenfokussierten Fraktion öffentlich gemacht. Selenskyj kündigte am Montag „wichtige Gespräche“ an, um diesen Konflikt zu befrieden. Der 400-Drohnen-Angriff auf Moskau ist in diesem Kontext auch ein Signal nach innen: Die Drohnenstrategie ist nicht nur Konzept, sondern einsatzfähig.
Euromaidan Press schrieb, die maritime Operation habe kein festgelegtes Enddatum. Die Ukraine produziert nach eigenen Angaben Tausende Drohnen monatlich; ein im Juli unterzeichnetes Produktionsabkommen mit Deutschland soll die Kapazitäten der Unmanned Systems Forces weiter ausbauen. 183 Schiffe in 15 Tagen ist ein Tempo, das Russlands Schattenflotte strukturell unter Druck setzt.
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