Peru: Fujimori gewinnt knapp, Sánchez verweigert Anerkennung
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Peru: Fujimori gewinnt knapp, Sánchez verweigert Anerkennung

Keiko Fujimori gewinnt Perus Stichwahl mit 50,12 Prozent und rund 40.000 Stimmen Vorsprung. Herausforderer Sánchez spricht von Betrug, verweigert die Anerkennung und kündigt Widerstand an. Die offizielle Bestätigung folgt erst Mitte Juli.

30. Juni 2026, 4:43 Uhr 808 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Nach drei gescheiterten Kandidaturen hat Keiko Fujimori die Stichwahl vom 7. Juni 2026 gewonnen. Bei 99,86 Prozent der ausgezählten Stimmen führt sie mit rund 40.000 Stimmen vor Roberto Sánchez, dessen Lager der Wahlbehörde vorwirft, Auslandsstimmzettel nicht wie in der ersten Runde unmittelbar digitalisiert zu haben. OAS und EU haben den Wahlablauf als ordnungsgemäß bewertet. Peru wird mit Fujimori seine neunte Präsidentin in zehn Jahren haben, sofern das Parlament nicht erneut von seinem Abberufungsrecht Gebrauch macht.

Vierter Anlauf, erster Sieg

Keiko Fujimori, 51 Jahre alt und Vorsitzende der rechtskonservativen Fuerza Popular, hatte die erste Wahlrunde im April 2026 mit 17,2 Prozent der Stimmen angeführt. Dahinter lag Roberto Sánchez von Juntos por el Perú mit 12,0 Prozent. In der Stichwahl am 7. Juni gewann Fujimori schließlich mit 50,12 gegen 49,89 Prozent. Nur rund 40.000 Stimmen trennten die beiden Kandidaten bei einem Wahlteilnehmerfeld, das annähernd vollständig ausgezählt ist.

Für Fujimori ist es der vierte Versuch, ins Präsidentenpalais einzuziehen: 2011 verlor sie gegen Ollanta Humala, 2016 gegen Pedro Pablo Kuczynski, 2021 gegen Pedro Castillo. Dabei hatte ihr eigener Weg zur Kandidatur erhebliche Hindernisse. Wegen des Vorwurfs illegaler Wahlkampffinanzierung durch den brasilianischen Baukonzern Odebrecht verbrachte Fujimori insgesamt 16 Monate in Untersuchungshaft. Im Mai 2020 wurde sie im Zuge der COVID-Pandemie freigelassen; das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Ihr Vater Alberto Fujimori, peruanischer Staatschef von 1990 bis 2000, war wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Im Dezember 2023 wurde er nach 16 Jahren aus dem Gefängnis Barbadillo entlassen. Er starb 2024, bevor die Stichwahl stattfand.

Betrug oder technische Panne?

Roberto Sánchez, Jahrgang 1969 und ehemaliger Außenhandelsminister unter dem 2022 gescheiterten Präsidenten Pedro Castillo, hat das Ergebnis nicht anerkannt. Sein konkreter Vorwurf: Die Stimmzettel der im Ausland lebenden Peruaner seien im zweiten Wahlgang nicht unmittelbar nach der Auszählung digitalisiert worden, wie es in der ersten Runde Praxis gewesen war. Das schwäche die Kontrolle des Verfahrens. Die ONPE widerspricht: Die Aussetzung der Digitalisierungsanwendung sei aufgrund technischer Probleme entschieden worden, die man bereits in der ersten Runde festgestellt habe.

Sowohl die Wahlbeobachtungsmission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) als auch die EU-Beobachtermission erklärten, der Wahlvorgang sei ordnungsgemäß verlaufen und forderten die Parteien auf, das offizielle Ergebnis abzuwarten. Sánchez kündigte dennoch an: „Wir werden diese Regierung nicht anerkennen und eine Bewegung des populären und patriotischen Widerstands erklären.” Die offizielle Bestätigung des Wahlsiegers ist vor Mitte Juli nicht zu erwarten. Zwischen dem Wahltag am 7. Juni und der Bekanntgabe liegen damit mehr als fünf Wochen.

Sicherheit als Hauptversprechen

Fujimori hat ihren Wahlkampf auf zwei Säulen gebaut: Verbrechensbekämpfung nach dem Vorbild der 1990er-Jahre-Regierung ihres Vaters und Verteidigung des peruanischen Marktwirtschaftsmodells. Konkret verspricht sie, Militär und Geheimdienste gegen organisierte Kriminalität einzusetzen, das Gefängnissystem vorübergehend unter Militärführung zu stellen und mehr Mittel für Kinder und ältere Menschen bereitzustellen. Tötungsdelikte haben sich in einem Jahrzehnt verdoppelt, Erpressungen versechsfacht. Das Sicherheitsthema war wahlentscheidend.

Der Weg zu diesen Reformen ist schwierig. Fuerza Popular und ihr Koalitionspartner Renovación Popular halten zusammen rund die Hälfte der Sitze im Senat und etwas weniger in der Abgeordnetenkammer. Eine stabile Mehrheit ist das nicht. Hinzu kommt Perus strukturelle Schwäche: Das Parlament kann Präsidenten auf Grundlage einer „dauerhaften moralischen Unfähigkeit” absetzen, ein Instrument, das in den vergangenen Jahren mehrfach angewendet wurde und das Gleichgewicht zwischen den Staatsgewalten faktisch ausgehöhlt hat. Unter dieser Logik wurden Präsidenten auch dann abgesetzt, wenn ihre Politik parlamentarischen Interessen zuwiderlief.

Ein Muster, das Fujimori kennt

Peru erlebte zwischen 2016 und 2026 acht Amtsinhaber: Pedro Pablo Kuczynski trat 2018 unter Korruptionsdruck zurück, Martín Vizcarra wurde im November 2020 vom Kongress abgesetzt, Manuel Merino folgte für fünf Tage und trat nach tödlichen Massenprotesten zurück, Francisco Sagasti führte eine Übergangsregierung, Pedro Castillo scheiterte 2022 an einem selbstverschuldeten Staatsstreichversuch, Dina Boluarte wurde im Oktober 2025 mit 122 zu null Stimmen abgesetzt, José Jerí amtierte bis Februar 2026 und José María Balcázar seither als Übergangspräsident. Kein anderer Staat Südamerikas verbrauchte in vergleichbarer Zeit so viele Regierungen.

Der Atlantikrat sieht Fujimoris zentrale Aufgabe darin, zu zeigen, dass Perus Wirtschaftsmodell auch jene einschließt, die sich bislang von ihm ausgeschlossen fühlen. Das Land hat eine vergleichsweise stabile Makroökonomie und gilt als potenzieller Handelsknoten im Pazifikraum. Gleichzeitig erreicht Wirtschaftswachstum die Bevölkerung in den Anden und Amazonasregionen kaum. Sánchez' Ergebnis von fast 50 Prozent zeigt, wie groß der Teil der Bevölkerung ist, der diese Verteilung als ungerecht wahrnimmt.

Bis zur Amtseinführung am 28. Juli

Die Amtseinführung ist für den 28. Juli 2026 geplant, Perus Unabhängigkeitstag. Zwischen dem Wahltermin und der Machtübergabe liegen knapp sieben Wochen, in denen Sánchez' Lager den politischen Druck aufrechterhalten will. Fujimori muss in dieser Zeit nicht nur die offizielle Bestätigung ihrer Präsidentschaft abwarten, sondern auch eine Koalitionsbasis im Kongress aufbauen.

OAS und EU-Beobachter haben ihre Legitimation bestätigt. Ob Sánchez' Lager die Anerkennung auch nach der offiziellen Bestätigung Mitte Juli verweigert oder sich dem Ergebnis fügt, das wird die erste Bewährungsprobe sein, bevor Fujimori überhaupt regiert hat.

Quellen (12)

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