
Quantum Systems: CIA-Investor öffnet US-Markt
Quellen (8)
- Handelsblatthandelsblatt.com
- Reuters via Yahoo Financeca.finance.yahoo.com
- Benzingabenzinga.com
- DroneXLdronexl.co
- it-boltwise.deit-boltwise.de
- Yahoo News / Reutersyahoo.com
- Business Punkbusiness-punk.com
- Seeking Alphaseekingalpha.com
In Moorpark, Kalifornien, steht seit über einem Jahr eine Fabrik des Drohnenbauers Quantum Systems aus dem bayerischen Gilching. Dass das Unternehmen in den USA produzieren musste, war keine freie Entscheidung: US-Auftraggeber verlangen für sicherheitsrelevante Verträge heimische Produktion. Wie Quantum Systems diese Aufträge überhaupt bekam, verriet Co-CEO Sven Kruck erstmals gegenüber Reuters: über den CIA-nahen Investmentfonds In-Q-Tel.
Von Gilching an die Front
Quantum Systems wurde 2015 im bayerischen Gilching von Florian Seibel, Dr. Michael Kriegel, Armin Busse und Tobias Kloss gegründet. Der Ausgangspunkt war zivile Drohnentechnologie für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Wissenschaft. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 änderte sich die Ausrichtung des Unternehmens grundlegend.
Seit Sommer 2022 liefert Quantum Systems seine Vector-Aufklärungsdrohne an die ukrainischen Streitkräfte. Der Vector ist ein elektrisches VTOL-System (vertical take-off and landing) mit einem maximalen Startgewicht von 9,5 Kilogramm, einer Reichweite von 60 Kilometern und einer Flugzeit von bis zu 180 Minuten. Quantum Systems betreibt in der Ukraine ein Netz geheimer Produktionsstätten, in denen rund 80 Vector-Drohnen monatlich gefertigt werden. Der Vector steht auf der Blue-UAS-Liste des US-Verteidigungsministeriums, die vertrauenswürdige Drohnenplattformen für US-Verteidigungs- und Bundesbehörden aufführt.
Im Juli 2026 schloss Quantum Systems eine Finanzierungsrunde über 1,2 Milliarden Dollar ab und erreichte damit eine Bewertung von rund acht Milliarden Dollar. Für 2026 peilt das Unternehmen einen Umsatz von rund 700 Millionen Euro an, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Ein Börsengang ist frühestens für 2027 geplant.
Was In-Q-Tel ist und was es nicht ist
In-Q-Tel (IQT) wurde in den 1990er Jahren von US-Geheimdienstkreisen gegründet, um relevante Technologieunternehmen für den nationalen Sicherheitsapparat zu identifizieren und zu unterstützen. Der Name spielt auf den fiktiven MI6-Quartiermeister Q aus den James-Bond-Filmen an. IQT investiert typischerweise zwischen einer halben und drei Millionen Dollar pro Beteiligung, deutlich weniger als klassische Risikokapitalgeber. Der Wert liegt nicht im Kapital, sondern in den Netzwerken: IQT öffnet Türen zu Einkäufern in CIA, NSA, FBI und Pentagon.
Zu den bekannten IQT-Beteiligungen gehören Palantir Technologies, Anduril Industries und das Berliner Kampfdrohnen-Startup Stark, das Florian Seibel 2024 parallel zu seiner damaligen Rolle als CEO bei Quantum Systems gegründet hat. Dass IQT in zwei miteinander verwandte deutsche Rüstungsunternehmen investiert, ist bisher nicht öffentlich diskutiert worden.
Türöffner für CIA und FBI
Co-CEO Sven Kruck erklärte gegenüber Reuters in einem Exklusivgespräch: US-Investoren wie IQT hätten Türen in Washington geöffnet, konkret im Hinblick auf Aufträge der Geheimdienste, darunter CIA und FBI. Der erste Aufklärungsvertrag mit US-Geheimdiensten sei bescheiden im Umfang gewesen, habe aber die Glaubwürdigkeit des Unternehmens in Washington erheblich gestärkt.
Kruck sagte, die US-Anbindung habe den Markteinstieg erheblich erleichtert. Um für US-Behörden produzieren zu dürfen, musste Quantum Systems eine eigene Fertigung in den USA aufbauen. Das Werk in Moorpark, Kalifornien, umfasst rund 12.500 Quadratmeter und wurde im Juni 2025 eröffnet. Wer ausschließlich in Europa produziert und exportiert, bleibt von bestimmten Vertragsklassen ausgeschlossen.
Europas Unbehagen
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP, Europaparlament), Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung des Europaparlaments, äußerte sich deutlich kritisch: In-Q-Tel sei nicht wie ein gewöhnlicher Investor zu behandeln. Wegen seiner Verbindungen zu US-Geheimdiensten sei der Fonds anders zu behandeln; sie verwies auf strategischen Einfluss durch Beteiligungen, Beobachtungsrechte und Entwicklungsverträge.
Konkret bedeutet die US-Anbindung für Quantum Systems: Das Unternehmen ist durch seine amerikanische Produktionsstätte und US-Verträge an amerikanische Exportkontrollregeln gebunden. Wer Drohnentechnologie in den USA fertigt, unterliegt dem ITAR-Regime (International Traffic in Arms Regulations), das Exporte auch an europäische Verbündete von US-Genehmigungen abhängig macht. Die viel beschworene europäische Rüstungsautonomie sieht für Unternehmen in dieser Lage anders aus als in den Strategiepapieren der EU.
Zwischen IPO und strategischer Abhängigkeit
Quantum Systems beliefert neben Ukraine und Deutschland mindestens fünf weitere Länder, darunter Australien, Neuseeland, Rumänien, Spanien und die USA. Sein Hochgeschwindigkeitsdemonstrator Apex erreichte am 26. Juni 2026 in einem Testflug 699 Kilometer pro Stunde, einen inoffiziellen Rekord für elektrisch angetriebene Drohnen. Der Apex ist ein Technologiedemonstrator, kein Serienprodukt.
Für den geplanten Börsengang frühestens 2027 braucht Quantum Systems eine Geschichte, die Investoren überzeugt. Die US-Verträge und die IQT-Verbindung sind Teil dieser Geschichte: Sie belegen, dass das Unternehmen nicht nur an ukrainische Fronten liefert, sondern im US-Sicherheitsapparat als verlässlicher Partner gilt. Der politische Preis dieser Glaubwürdigkeit sind strukturelle Abhängigkeiten, die erst dann sichtbar werden, wenn Washington andere Interessen verfolgt als Brüssel oder Berlin.
Aktualisierungen
Korrektur 17. September, 19:41 Uhr: Drei Angaben berichtigt. In-Q-Tel investiert nach den vorliegenden Quellen zwischen einer halben und drei Millionen Dollar je Beteiligung; drei Millionen ist die Obergrenze, nicht ein Wert darunter. Die Blue-UAS-Liste deckt US-Verteidigungs- und Bundesbehörden ab, nicht nur militärische Nutzer. Und das Zitat der Abgeordneten war zugespitzt wiedergegeben - dokumentiert ist ihr Hinweis auf strategischen Einfluss durch Beteiligungen und Verträge, nicht die Formulierung zu Krisen.
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