Reform UK: 72 Millionen Pfund in zwei Tagen
International

Reform UK: 72 Millionen Pfund in zwei Tagen

In zwei Tagen hat Reform UK von Ben Delo und Christopher Harborne so viel eingeworben wie in seinen ersten vier Parteijahren insgesamt. Jede der beiden Überweisungen ist ein neuer britischer Parteispendenrekord, kurz bevor das Parlament Kryptospenden begrenzen will.

Quellen (8)
  1. The Blocktheblock.co
  2. taz – Reform UK erhält Riesenspendetaz.de
  3. taz – Rekordspende für Reform UKtaz.de
  4. ZDF heute – Reform UK Rekordspendezdfheute.de
  5. Deutsche Welledw.com
  6. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  7. Handelsblatthandelsblatt.com
  8. watson.ch – Harborne Profilwatson.ch
15. September 2026, 4:08 Uhr720 Wörter · 4 Min. Lesezeit

In zwei Tagen hat Reform UK 72 Millionen Pfund von zwei Kryptomilliardären eingenommen. So viel hatte keine britische Partei je in so kurzer Zeit eingeworben. Jede der beiden Einzelüberweisungen von 36 Millionen Pfund ist mehr als dreimal so hoch wie der bisherige Rekord, eine Zehn-Millionen-Pfund-Spende von Lord John Sainsbury an die Konservativen. Die Überweisungen kamen, kurz bevor das britische Parlament ein Gesetz verabschieden will, das genau diese Art von Finanzierung beenden würde.

Zwei Männer, zwei Rekorde

Ben Delo wurde 1984 in Sheffield geboren und studierte in Oxford. 2014 gründete er gemeinsam mit Arthur Hayes und Sam Reed die Kryptobörse BitMEX, die in ihrer Hochphase zu den größten Derivatebörsen der Welt gehörte. 2022 bekannte er sich in den USA schuldig, gegen den Bank Secrecy Act verstoßen zu haben und erhielt eine Bewährungsstrafe. Donald Trump begnadigte ihn 2025. BitMEX hat angekündigt, seinen Betrieb am 23. September 2026 endgültig einzustellen.

Delo, der jahrelang in Hongkong gelebt hatte, ist in diesem Jahr nach Großbritannien zurückgekehrt und hatte erklärt, sich stärker in der britischen Politik engagieren zu wollen. In den Monaten vor der Rekordspende hatte er Reform UK bereits acht Millionen Pfund zukommen lassen.

Die zweite Überweisung stammt von Christopher Harborne. Der in Thailand lebende Brite hält nach Schätzungen rund zwölf Prozent an Tether, dem Herausgeber der weltgrößten Dollar-Stablecoin. Die Sunday Times schätzt sein Vermögen auf mehr als 18 Milliarden Pfund und sieht ihn damit unter den sechs Reichsten Großbritanniens. Harborne hatte Reform UK seit seiner Gründung bereits rund 22 Millionen Pfund gespendet. Seine neue Überweisung übertrifft diese Gesamtsumme in einem einzigen Schritt.

Zusammengenommen kommen beide Männer auf 72 Millionen Pfund für Reform UK allein in diesen zwei Tagen, mehr als die Partei in den ersten vier Jahren ihrer Geschichte insgesamt eingenommen hatte.

Das Timing der Überweisungen

Delo nennt für den Zeitpunkt selbst einen Grund. Das britische Oberhaus berät derzeit den Representation of the People Bill, der Kryptospenden an politische Parteien vollständig verbieten und auslandsbezogene Zahlungen auf 100.000 Pfund pro Jahr deckeln würde. Harborne, der seit Jahrzehnten in Thailand lebt, gilt nach geltendem Recht als im britischen Wählerregister eingetragener Staatsbürger und kann daher legal überweisen. Unter dem neuen Gesetz wäre das deutlich schwieriger.

Harborne begründete seine erneute Spende damit, die Partei brauche mehr Geld als durch Mitgliedsbeiträge allein aufzubringen sei, um die Infrastruktur aufzubauen, mit der sich Reform UK mit Labour und den Konservativen messen könne. Delo erklärte, er wolle Reform UK helfen, sich auf das Regieren vorzubereiten.

Die Überweisungen kamen laut Berichten eine Woche nachdem Vorwürfe laut geworden waren, zwei enge Mitarbeiter Farages hätten bei der Finanzierung von politischen Umfragen durch einen ausländischen Geldgeber mitgewirkt. Reform UK weist diese Vorwürfe zurück.

Reform UKs strukturelle Abhängigkeit

Labour finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und Gewerkschaftsgeldern, die Konservativen aus Mitgliedsbeiträgen und inländischen Unternehmensspenden. Reform UKs Modell ist strukturell anders: Eine handvoll sehr wohlhabender Einzelpersonen aus dem Kryptomilieu trägt den überwiegenden Teil der Parteieinnahmen.

Dass die Partei seit den Kommunalwahlen im Mai 2026 in nationalen Umfragen bei bis zu 27 Prozent liegt und mehrere Kommunalverwaltungen kontrolliert, hat ihren Finanzbedarf erhöht. Der Aufbau von Parteibüros, die Beschäftigung von hauptamtlichem Personal und die Finanzierung lokaler Wahlkämpfe kosten mehr als Mitgliedsbeiträge leisten könnten.

Kritiker sehen in dieser Abhängigkeit ein demokratisches Transparenzproblem. Der Parliamentary Commissioner for Standards untersucht noch immer einen früheren Fall: Harborne hatte Farage persönlich fünf Millionen Pfund als persönliche Schenkung überwiesen, eine Zahlung, die Farage zunächst nicht im Parlamentsregister deklariert hatte. Das Verfahren läuft seit Mai 2026. Ein Abschluss wird für Herbst 2026 erwartet.

Politische Analysten beobachten, dass Reform UKs Finanzierungsstruktur eine Schwachstelle enthält: Wer nur wenige Großspender hat, ist anfälliger für Reputationsschäden einzelner Geldgeber als Parteien mit breiter Mitgliederbasis. Delo wurde in den USA wegen Verstoßes gegen den Bank Secrecy Act verurteilt und im März 2025 von Trump begnadigt. Harborne steht noch immer im Fokus eines parlamentarischen Verfahrens.

Was das Parlament als Nächstes entscheidet

Die entscheidende Abstimmung über den Representation of the People Bill steht noch aus. Ob und in welchem Umfang das Gesetz bestehende Spenden oder künftige Überweisungen berühren würde, hängt von der konkreten Ausgestaltung und dem Wählerstatus der Spender ab.

Reform UK hätte dann 72 Millionen Pfund als Rücklage, aber keine verlässliche Großspendenquelle mehr. Ben Delo selbst beschrieb dieses Szenario öffentlich: Er wolle das Geld überweisen, bevor der Gesetzgeber solche Spenden einschränke.

Farage dankte beiden Spendern öffentlich und erklärte, Reform UK werde dank ihrer Großzügigkeit nun in der Lage sein, die nächste Unterhauswahl auf Augenhöhe zu kämpfen. Seine Partei bezeichnete die Eingänge als Zeichen des wachsenden Vertrauens in Reform UK. Ob die Partei das Geld vor einer möglichen Gesetzesänderung einsetzen kann, hängt davon ab, wie schnell das Oberhaus das Gesetz abschließt.

Korrektur 17. September, 19:41 Uhr: Eine Formulierung präzisiert. Dass der Zeitpunkt der Überweisungen mit dem Gesetzgebungsverfahren zusammenhängt, war eine Deutung der Redaktion. Belegt ist die Begründung des Spenders selbst, das Geld vorab zu überweisen, falls die Regierung Parteispenden begrenzt.

Kommentare