
Werths 14. WM-Medaille: Bronze in der Kür in Aachen
Quellen (11)
- FAZ: Isabell Werth gewinnt Bronze bei der Reit-WM in Aachenfaz.net
- Deutschlandfunk: Bronzemedaille in der Kür für Isabell Werthdeutschlandfunk.de
- n-tv: Rekordreiterin Werth sammelt nächste WM-Medaillen-tv.de
- Sportschau: Rekordreiterin Werth holt Kür-Bronzesportschau.de
- pferdesport-deutschland.de: WM Aachen – Dressur Kürpferdesport-deutschland.de
- Sportschau: Dressur-Team um Werth holt den ersten Titel der WMsportschau.de
- ZDF: Dressur-Gold für die Deutsche Equipezdfheute.de
- pferdesport-deutschland.de: WM Aachen – Grand Prix Mannschaftsentscheidungpferdesport-deutschland.de
- Tagesspiegel: Was die Rekordreiterin antreibttagesspiegel.de
- cavallo.de: WM in Aachen bringt Isabell Werth Bronze in der Kürcavallo.de
- BNN: Rekordreiterin Werth feiert mit dem Team ihr zehntes WM-Goldbnn.de
Im Aachener Stadion tanzt Wendy vor 40.000 Zuschauern. Die Stute und ihre Reiterin kennen die Choreografie auswendig, die Musik, eine Adaption eines Barry-Manilow-Songs mit dem Pferdenamen als Titel, schwillt über das Oval. Als die 88,65 Prozent auf der Anzeigetafel erscheinen, jubelt die Menge. Isabell Werth, 57 Jahre alt, hat gerade ihre 14. Weltmeisterschaftsmedaille gewonnen. Kein Reiter der Welt hat so viele.
Zwei Medaillen in vier Tagen
Das Kür-Bronze ist nicht die erste Medaille, die Werth in dieser Woche in Aachen gewinnt. Bereits in der Mannschaftswertung holten sie, Katharina Hemmer, Frederic Wandres und Raphael Netz mit insgesamt 235,063 Prozentpunkten Gold, deutlich vor Großbritannien und Dänemark. Es war Deutschlands 13. Teamweltmeistertitel in der Dressur. Das Ergebnis sicherte Deutschland gleichzeitig die direkte Olympia-Qualifikation für Los Angeles 2028.
Werths Beitrag zum Teamgold: 79,876 Prozent mit Wendy de Fontaine, der beste Wert im deutschen Quartett. Da in der Teamwertung nur die drei besten Ergebnisse jeder Nation zählen, wurde Raphael Netz' Score rechnerisch ausgeschieden. Trotzdem: Weltklasseniveau für eine Athletin in ihrem 57. Lebensjahr, beim wichtigsten Heimturnier ihrer Karriere.
Beim Kür-Finale blieben Charlotte Fry aus Großbritannien mit 91,907 Prozent und Cathrine Laudrup-Dufour aus Dänemark mit 91,236 Prozent vor ihr. Werths 88,65 Prozent ergaben Bronze. Zwei Medaillen in einer Woche, bei der Heim-WM in Aachen, 40.000 Zuschauer pro Tag.
Die Kür: Technik trifft Musik
Die Kür ist die künstlerischste Disziplin der Dressur. Pferd und Reiter bewegen sich zu selbst gewählter Musik, alle technischen Elemente müssen mit der musikalischen Phrasenstruktur synchronisiert sein. Für Werth und Wendy ist das ein umgeschriebener Barry-Manilow-Song: "Mandy" wurde zu "Wendy", ein Detail, das beim Aachener Publikum gut ankam, aber auch zeigt, wie gründlich Werths Team die emotionale Wirkung des Auftritts plant.
Die Jury bewertet in der Kür separat: technische Ausführung, choreografische Originalität und Musikwahl. Charlotte Fry und Cathrine Laudrup-Dufour hatten für diese Saison neue Programme entwickelt, die in der artistischen Komponente höher bewertet wurden. Werths Kür ist erprobt und präzise, aber bekannt. Im Neuheitsfaktor zogen beide Rivalinnen vorbei, die technische Qualität reichte für Bronze.
In einer Sportart, in der Choreografen, Musikkomponisten und Ausrüster Teil des Betreuerstabes sind, ist die Kür auch ein logistisches Projekt. Charlotte Fry, die Gold gewann, trainiert in Großbritannien unter Carl Hester, der selbst bei deutschen Trainern ausgebildet wurde. Selbst der Sieg gegen das deutsche Establishment trägt deutsche Handschrift.
Dreißig Jahre an der Weltspitze: Was Werths Karriere auszeichnet
14 WM-Medaillen sammeln sich nicht in einer Saison an. Werths internationale Karriere reicht bis in die frühen 1990er Jahre zurück. Seitdem hat sie mit verschiedenen Pferden an der Weltspitze geritten: Gigolo, Antony FRH, Satchmo, Bella Rose, Weihegold und nun Wendy de Fontaine. Jedes Pferd erforderte eine neue Partnerschaft, aufgebaut über Jahre des gemeinsamen Trainings, in denen Tier und Reiterin eine Kommunikation entwickeln, die auf minimalen Signalen basiert.
Dass dieser Partnerwechsel gelingt, ist nicht selbstverständlich. Als Bella Rose 2021 starb, hatte Werth ein Ausnahmepferd verloren, mit dem sie über viele Jahre auf allerhöchstem Niveau geritten war. Wendy de Fontaine übernahm diese Rolle. 2024 in Paris gewann Werth mit dem deutschen Dressurteam ihr achtes olympisches Gold. Sie ist die einzige Athletin der Geschichte, die bei sieben verschiedenen Olympischen Spielen Medaillen gewann.
Ihre Gesamtbilanz nach Aachen: 14 WM-Medaillen, 14 Olympia-Medaillen. Kein anderer Reiter der Welt kommt in dieser Kombination auch nur annähernd an diese Zahlen heran.
Im Dressursport verlangsamt das Alter die Partnerschaftsentwicklung nicht zwangsläufig. Ein 12-jähriges Pferd wie Wendy ist im besten Wettkampfalter für eine Dressurpferdin. Die Reiterin, die dieses Tier am längsten kennt, hat einen strukturellen Vorteil: Sie kommuniziert mit dem Pferd über verfeinerte, jahrelang eingespielte Signale. Athleten in Kraft- oder Schnelligkeitsdisziplinen müssen gegen altersbedingte physiologische Grenzen ankämpfen. Werth muss das kaum.
Direkte Olympia-Qualifikation für LA 2028 ist gesichert
Der Teamgoldsieg hat eine konkrete strukturelle Konsequenz: Deutschland ist für die Dressurwertung bei den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles direkt qualifiziert. Die Weltmeisterschaften sind das entscheidende Qualifikationsturnier für das olympische Startrecht. Wer hier Gold holt, muss keine weiteren Qualifikationsturniere bestreiten.
Ob Isabell Werth in Los Angeles dabei sein wird, ist offen. Sie wird dann 59 Jahre alt sein. Die individuelle Nominierung entscheidet sich nach den Ergebnissen der kommenden zwei Saisons. Ihr aktuelles Leistungsniveau lässt Zweifel daran nicht zu: 88,65 Prozent in der Kür auf Weltmeisterschaftsniveau sind kein Abschiedsresultat.
Die Reit-WM in Aachen läuft noch bis zum 23. August. Dann beginnt die Vorbereitung auf den Weltcup-Winter, die nächste Station im Dressurkalender. Für Werth ist das Routine, seit mehr als drei Jahrzehnten.
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