
Mordpläne gegen Rheinmetall-Chef: Papperger bleibt
Quellen (9)
- Frankfurter Rundschaufr.de
- wirtschaftsticker.comwirtschaftsticker.com
- t-onlineduesseldorf.t-online.de
- Handelsblatthandelsblatt.com
- CNNcnn.com
- nachrichten.atnachrichten.at
- European Pravdaeurointegration.com.ua
- Euronews DEde.euronews.com
- BISIbisi.org.uk
Sein Gartenhäuschen hat jemand abgebrannt. Vor seinem Haus wurde demonstriert. Dennoch erscheint Armin Papperger, 63 Jahre alt und seit 2013 Chef von Deutschlands größtem Rüstungskonzern, täglich an seinem Düsseldorfer Arbeitsplatz, begleitet von Personenschützern, die auch den Bundeskanzler bewachen. Sein Kommentar: 'Kneifen gilt nicht in dem Bereich.'
Wie Papperger zum Feind des Kremls wurde
Rheinmetall ist der größte europäische Hersteller von 155-Millimeter-Artilleriemunition, nach Einschätzung westlicher Geheimdienste die kriegsentscheidende Waffe im Ukrainekonflikt. Aus dem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen der Bundeswehr erhielt der Konzern allein Aufträge über rund 42 Milliarden Euro. Rheinmetall hat in der Ukraine eine Munitionsfabrik gebaut, betreibt dort Panzer-Instandhaltung auf ukrainischem Territorium und plant eine Panzerfahrzeug-Produktion. Für die russische Führung macht das Papperger zur wichtigsten Zivilperson im europäischen Rüstungssektor.
Im März 2024 erwähnte Putin den Rheinmetall-Chef bei einem geschlossenen Treffen mit hochrangigen Offizieren der russischen Armee und des Militärgeheimdienstes GRU viermal namentlich. Er brandmarkte ihn als 'Provokateur und Unterstützer der Ukraine, Russlands Feind im Krieg'. Wenige Monate später lag ein ausgearbeiteter Mordplan vor.
Dass Papperger in diese Rolle geraten ist, hat auch einen wirtschaftlichen Hintergrund. Der Konzernumsatz stieg 2024 auf 9,75 Milliarden Euro, ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand liegt inzwischen bei über 80 Milliarden Euro. Papperger bedient dabei einen global ungewöhnlichen Kundenstamm: 'Würde ich Autos verkaufen, hätte ich natürlich Millionen von Kunden. Ich habe vielleicht 120 Kunden', sagte er gegenüber der Deutschen Presseagentur, mit Verweis auf rund 120 Regierungen weltweit.
Das Attentat, das nie stattfand
Im Juli 2024 informierten US-Geheimdienste Deutschland über den bis dahin ausgereiftesten russischen Attentatsplan gegen Papperger, basierend auf Berichten von fünf westlichen Quellen, die CNN erstmals publik machte. Außenministerin Annalena Baerbock beschuldigte Russland öffentlich. Die deutschen Sicherheitsbehörden konnten den Plan vereiteln. Im Januar 2025 bestätigte die NATO offiziell die russischen Tötungspläne gegen Papperger als Teil einer breiteren Kampagne gegen europäische Rüstungsführungskräfte.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) warnte Rüstungsunternehmen in der Folge explizit vor erhöhter Wahrscheinlichkeit von Ausspähung, Sabotage und gezielten Angriffen gegen Führungskräfte durch russische Stellen. Papperger gehört seitdem zu den am stärksten geschützten Persönlichkeiten Deutschlands. Sein Schutzniveau entspricht dem des Bundeskanzlers, auch in der Konzernzentrale in Düsseldorf.
Über konkrete Vorfälle sprach Papperger in einem aktuellen Interview mit der Deutschen Presseagentur nüchtern: 'Es ist bekannt, dass man mein Gartenhäuschen abgebrannt hat und dass es Demonstrationen vor meinem Haus gab.' Dann fügte er hinzu, was sein Verständnis von Führung bedeutet: 'Die Jobs müssen gemacht werden und wer einknickt, gehört nicht in so einen Job.'
Zwischen Hausfrauen-Aussage und Aktienkorrektur
Im März 2026 löste Papperger selbst eine Welle der Empörung aus. In einem Interview mit dem US-Magazin The Atlantic bezeichnete er ukrainische Drohnenproduzenten als 'Hausfrauen mit 3D-Drucker in der Küche' und deren Entwicklungen als 'wie mit Lego zu spielen'. Der ukrainische Präsidentenberater Oleksandr Kamyschin konterte, diese 'LEGO-Drohnen' hätten bereits über 11.000 russische Panzer zerstört. Die Drohnenfirma Skyfall schrieb ironisch: 'Wenn eine Drohne, die von ukrainischen Hausfrauen gebaut wurde, ausreicht, um Panzer und Artillerie auszuschalten, sind wir offiziell in der Hausfrauen-Ära angekommen.' Rheinmetall gab anschließend eine entschuldigende Stellungnahme heraus.
Die Rheinmetall-Aktie notiert aktuell rund 26 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau. Die extremen Kursgewinne der frühen Zeitenwende-Phase haben sich normalisiert. Dennoch liegt der Aktienkurs noch immer ein Vielfaches über dem Niveau von vor der russischen Invasion 2022, als der Kurs bei rund 100 Euro stand.
Was Pappergers Lage für Europas Rüstungsbranche bedeutet
Der Fall steht nicht allein. Die NATO hat bestätigt, dass russische Tötungspläne gegen mehrere europäische Rüstungsführungskräfte existierten. Das BfV sieht eine erhöhte Gefährdungslage für die gesamte Branche. Dass der Chef des größten europäischen Rüstungskonzerns unter Personenschutz auf Kanzlerniveau seiner Arbeit nachgehen muss, illustriert, wie weit die Eskalation des Konflikts in den zivilen Bereich des industriellen Komplexes vorgedrungen ist.
Für die rüstungsindustrielle Praxis in Deutschland hat das Konsequenzen. Sicherheitsaudits, Mitarbeiterschulungen gegen Ausspähung und erhöhte Schutzmaßnahmen für Führungskräfte sind keine Ausnahme mehr, sondern Standard bei Unternehmen mit signifikantem Ukrainebezug. Papperger selbst gibt sich unbeeindruckt: Er fühle sich 'jung und gesund' und habe 'weiterhin große Freude' an seiner Arbeit. Sein Vertrag läuft noch dreieinhalb Jahre.
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