Malariaimpfstoff rettet jedes achte Kind in Afrika
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Malariaimpfstoff rettet jedes achte Kind in Afrika

Eine Lancet-Studie belegt erstmals in der Praxis: Der Malariaimpfstoff RTS,S hat in Ghana, Kenia und Malawi jedes achte impfberechtigte Kind vor dem Tod bewahrt. 25 afrikanische Länder haben den Impfstoff bereits in ihre nationalen Impfprogramme aufgenommen.

21. Juli 2026, 8:41 Uhr 858 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Seit dem 8. Mai 2026 ist klar, was viele Forscher erhofft, aber nur wenige zu beweisen gewagt haben: Der Malariaimpfstoff RTS,S rettet Kinderleben in der realen Welt. Eine in The Lancet veröffentlichte Studie der Weltgesundheitsorganisation belegt, dass in den ersten drei Ländern mit Routineimpfung jedes achte infrage kommende Kind nicht gestorben ist, weil es geimpft wurde. Erstmals zeigt ein Malariaimpfstoff unter alltäglichen Versorgungsbedingungen eine messbare Wirkung, obwohl weniger als die Hälfte der Kinder in den Pilot-Ländern alle vier empfohlenen Impfdosen erhielten.

Was die Lancet-Studie zeigt

Die Ergebnisse basieren auf einer vierjährigen Beobachtung des WHO-Pilotprogramms in Ghana, Kenia und Malawi, den ersten drei Ländern, die RTS,S ab 2019 in ihre nationalen Impfprogramme aufnahmen. Das Forschungsteam unter Beteiligung der London School of Hygiene and Tropical Medicine wertete Sterbedaten und Krankenhauseinweisungen von Kindern in Dutzenden Gesundheitsbezirken aus, verglichen mit Bezirken ohne Impfprogramm.

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Das Ergebnis der im Mai 2026 in The Lancet erschienenen Studie: Die Gesamtsterblichkeit unter Kindern im impfberechtigten Alter sank um 13 Prozent. Schwere Malariaerkrankungen, die Kinder in die Klinik zwingen, gingen um 21,6 Prozent zurück. Gemessen an den verhinderten Todesfällen wurde bei jedem achten Kind, das die Impfung bekam, der Tod abgewendet.

Besonders bedeutsam: Diese Wirkung trat auf, obwohl nur 71 Prozent der Kinder alle drei Grundimpfungen erhielten und nur rund 40 Prozent die empfohlene vierte Dosis. Früheren Bedenken, dass lückenhafter Impfschutz die Wirkung zunichtemachen würde, widerspricht die Studie direkt. Auch ohne vollständige Impfserie schützt RTS,S messbar. Die WHO kommentierte die Ergebnisse am 8. Mai 2026 als einen Meilenstein, auf den Forscher Jahrzehnte gewartet hätten.

Von der Beobachtung zur Routineimpfung: 25 Länder

Seit 2019 hat sich die Zahl der Länder, die den Impfstoff einsetzen, von drei auf 25 erhöht. Darunter sind neun der zehn Länder mit der höchsten Malarialast der Welt. Im Jahr 2025 wurden 28,3 Millionen Dosen verteilt, ein Anstieg um 169 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gavi, die globale Impfstoff-Allianz, plant, bis 2030 mindestens 50 Millionen Kinder mit Malariaimpfstoffen zu erreichen.

Erste Routinedaten aus jüngeren Einführungsländern bestätigen die Wirkung. In Burkina Faso, das den Impfstoff im Februar 2024 einführte, sanken landesweite Malariafälle von 10,8 auf 7,3 Millionen, ein Rückgang um 32 Prozent. In Kamerun verzeichneten Gesundheitseinrichtungen 2025 rund 17 Prozent weniger laborbestätigte Malariafälle als im Vorjahr.

Hinzu kommt R21, ein zweiter Malariaimpfstoff der University of Oxford und des Serum Institute of India, der in klinischen Studien Wirksamkeitsraten von über 75 Prozent erzielte und seit 2024 ebenfalls in mehreren afrikanischen Ländern eingesetzt wird. Beide Impfstoffe ergänzen bewährte Maßnahmen: imprägnierte Bettnetze, Artemisinin-basierte Kombinationstherapien und schnelle Diagnosetests. Zusammen bilden sie das bisher umfassendste Schutzpaket, das gegen Malaria je eingesetzt wurde.

Im Vergleich mit anderen Impfstofferfolgen

Für eine Einordnung hilft ein Blick auf andere Impfstoff-Meilensteine. Polio galt 1988 als endemisch in mehr als 125 Ländern mit rund 350.000 geschätzten Fällen jährlich. Durch weltweite Impfkampagnen sank die Zahl auf weniger als 200 Fälle in zwei verbleibenden Endemiegebieten, Pakistan und Afghanistan. Das entspricht einer Reduktion um mehr als 99 Prozent laut WHO. Malaria ist strukturell schwieriger als Polio: Der Erreger Plasmodium falciparum ist ein Parasit mit einem komplexen Lebenszyklus, kein Virus. Vollständige Ausrottung ist weit schwerer erreichbar.

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Ein zweiter Vergleich: Pocken. 1967 registrierte die WHO noch 10 bis 15 Millionen Fälle weltweit. Am 8. Mai 1980 erklärte die Weltgesundheitsversammlung die Krankheit für ausgerottet. Hinter diesem einmaligen Erfolg stand ein Impfstoff mit annähernd 95-prozentiger Schutzwirkung und eine Ausrottungsstrategie über mehrere Jahrzehnte. RTS,S erreicht keine solche Vollschutzrate, aber auch Pocken wurden nicht mit einem Wundermittel besiegt, sondern durch konsequente Kampagnen, die Jahrzehnte brauchten.

Was zählt: Malaria tötete 2024 schätzungsweise 438.000 Kinder unter fünf Jahren in Afrika, laut dem WHO-Weltmalariabericht 2025. Wenn RTS,S bei flächendeckendem Einsatz dieselbe Wirkung entfaltet wie in den Pilotstudien, wären rechnerisch Zehntausende Kinderleben pro Jahr rettbar. Burkina Faso und Kamerun zeigen, dass dies kein theoretischer Wert ist.

Drei Risiken für den flächendeckenden Impferfolg

Trotz des Erfolgs stehen drei Faktoren dem nötigen Ausbau im Weg.

Erstens die Finanzierung. Die Einführung der Impfstoffe in 25 Länder wurde zu großen Teilen vom Global Fund, von Gavi und von der US-Entwicklungshilfe USAID finanziert. Seit Beginn der Trump-Administration wurden die US-Entwicklungshilfeausgaben drastisch gekürzt, darunter auch Mittel für Impfprogramme in Afrika. Gavi hat intern gemeldet, dass die geplante Ausweitung auf mindestens 50 Millionen Kinder bis 2030 durch diese Finanzierungslücken gefährdet ist.

Zweitens die vierte Impfdosis. Zwar wirkt RTS,S auch ohne vollständige vierte Dosis. Aber der Schutz ist nachweislich geringer. In den Pilotstudien erhielten weniger als die Hälfte der Kinder diese vierte Dosis, weil sie erst im Alter von 22 bis 24 Monaten gegeben wird, einem Zeitpunkt, zu dem viele Familien den Kontakt zur Gesundheitsversorgung verloren haben. Systematische Investitionen in Nachsorge und Erinnerungssysteme sind nötig, fließen aber nicht selbstverständlich.

Drittens Artemisinin-Resistenz. Der WHO-Weltmalariabericht 2025 meldet wachsende Resistenz des Malariaerregers gegen Artemisinin-basierte Therapien in mindestens acht afrikanischen Ländern. Diese Resistenz betrifft nicht den Impfstoff selbst, der auf einem anderen Wirkprinzip beruht. Sie betrifft aber die Behandlung derjenigen, bei denen der Impfschutz nicht greift. Wenn Standardtherapien ihre Wirkung verlieren, steigt die Last schwerer und tödlicher Malariaverläufe.

Der Impfstoff allein kann Malaria nicht besiegen. Aber er hat bewiesen, dass er Kinder rettet. Ob diese Ergebnisse zur nötigen Ausweitung führen, hängt weniger von der Wissenschaft ab als von politischen Entscheidungen über Finanzierung und Prioritäten.

Quellen (10)

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