Samsung Unpacked 2026: Brille, Foldables und Gemini-KI
In London hat Samsung am Mittwoch seinen aggressivsten Produktherbst seit Jahren angekündigt. Zum ersten Mal bietet der Konzern zwei fundamental verschiedene Bauformen des Falttelefons gleichzeitig an und setzt dabei auf Googles Gemini-KI statt des bisherigen eigenen Galaxy-AI-Systems. Die Galaxy Glasses, Samsungs erste Brille mit eingebetteter KI, sind der direkte Einstieg in einen Markt, den bislang Meta mit seinen Ray-Ban-Brillen dominiert. Apple, der größte Konkurrent, hat in keiner dieser Kategorien ein vergleichbares Produkt.
Zwei Bauformen, ein Markt: Z Fold 8 und Z Fold 8 Ultra
Das Galaxy Z Fold 8 bricht mit dem bisherigen Design aller Z-Fold-Generationen. Statt der vertrauten Hochformat-Bauweise, die einem aufgeschlagenen Buch ähnelt, wählt Samsung beim Z Fold 8 ein Querformat: Im aufgeklappten Zustand ist das innere Display rund 19,3 Zentimeter (7,6 Zoll) groß und breiter als hoch, ähnlich einem kleinen Notizbuch. Das äußere Klappdisplay misst 14 Zentimeter (5,5 Zoll). Samsung bezeichnet diesen Stil als "Passport"-Format. Preis: 1.899 Dollar, verfügbar ab 7. August. Vorbestellungen waren bereits am 22. Juli möglich.
Das Galaxy Z Fold 8 Ultra hingegen behält die traditionelle Hochformat-Bauweise und ist der direkte Nachfolger des Z Fold 7. Es richtet sich an Nutzer, die ein Falttelefon einhändig und hochkant verwenden wollen. Technisch bietet das Ultra 12 Gigabyte RAM, Speicheroptionen bis zu einem Terabyte und eine Akkulaufzeit von 5.000 Milliamperestunden, angetrieben vom Snapdragon 8 Elite Gen 5. Preis: 2.099 Dollar.
Samsung begründet die parallele Entwicklung zweier Bauformen mit Nutzerdaten: Ein Teil der Käufer wolle möglichst viel Anzeigefläche im Querformat für Tabellenkalkulation und Videowiedergabe, ein anderer bevorzuge das Hochformat für einhändige Nutzung. Das Z Flip 8, Samsungs Clamshell-Klapptelefon mit 50-Megapixel-Kamera, kommt für 1.199 Dollar und bleibt technisch weitgehend beim Vorgänger.
Galaxy Glasses: Samsungs Wette auf KI-Brillen
Das strategisch interessanteste Produkt der Londoner Veranstaltung war kein Telefon. Die Galaxy Glasses sind Samsungs erste Brille mit eingebetteter künstlicher Intelligenz und Umgebungskamera. Die Frames wurden in Zusammenarbeit mit den Designhäusern Gentle Monster und Warby Parker entwickelt und sollen in mehreren Stilen erscheinen: klassisch rechteckig, rund und als Katzenaugen-Variante.
Technisch basiert die Galaxy Brille laut Samsung auf dem Snapdragon-AR1-Chipsatz von Qualcomm. Die Akkulaufzeit beträgt neun Stunden, das Ladeetui versorgt die Brille siebenmal vollständig. Googles Gemini-KI ist direkt integriert: Nutzer können per Sprachbefehl oder Tippen auf dem Brillenrahmen Fragen stellen, Notizen diktieren, Übersetzungen abrufen und über die eingebaute Kamera Objekte oder Texte in der Umgebung von Gemini kommentieren lassen.
Datenschutzorganisationen melden bereits Bedenken an. Der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) hat angekündigt, die Datenverarbeitungspraktiken von Brillen mit Umgebungskameras grundsätzlich zu überprüfen, nachdem Meta mit seinen Ray-Ban-Brillen seit 2023 in diesem Segment aktiv ist. Samsung hat bislang keine vollständigen Informationen zur Datenspeicherung auf europäischen Servern veröffentlicht. Die Galaxy Glasses sollen im Herbst 2026 erscheinen; ein konkreter Starttermin für Deutschland wurde nicht genannt.
Gemini statt Galaxy AI: Googles Reichweite wächst
Auf allen neuen Geräten ist Googles Gemini Notebook vorinstalliert. Nutzer können darüber Besprechungsaufzeichnungen oder Dokumente hochladen und automatisch Zusammenfassungen, Präsentationsfolien oder Podcastfolgen generieren lassen. Auch die Galaxy Watch 9 und die Galaxy Watch Ultra 2 sind mit Gemini ausgestattet: Navigation, Übersetzungen und einfache Fotobearbeitung laufen per Sprachbefehl oder Tipp auf dem Gehäuse.
Galaxy Watch 9 kostet 379 Dollar und liegt damit 30 Dollar über dem Vorgänger. Galaxy Watch Ultra 2 kostet 699 Dollar, ebenfalls 50 Dollar mehr als das Vormodell. Beide Uhren werden zusammen mit den Falttelefonen ab dem 7. August ausgeliefert.
Die tiefe Gemini-Integration ist ein Strategiewechsel. Samsung hatte Galaxy AI über zwei Jahre als eigenständiges Ökosystem vermarktet und dabei auf eigene Modelle und Partnerschaften gesetzt. Die Unterordnung unter Googles Marke signalisiert, dass Samsung die Kontrolle über die KI-Schicht bewusst abgibt und dafür Zugang zu Googles Modellinvestitionen und Nutzerbasis erhält. Ob das eine Stärke oder eine Abhängigkeit ist, werden die Absatzzahlen zeigen.
Ab 7. August: Samsung besetzt einen Markt ohne Apple-Konkurrenz
Apple hat bis heute kein Falttelefon im Angebot und keine KI-Brille angekündigt. Mehrere Analysehäuser, darunter Counterpoint Research, erwarten für 2026 ein Wachstum des globalen Foldable-Markts um 21 Prozent. Samsung hält nach Schätzung von Counterpoint Research einen Marktanteil von rund 32 Prozent in diesem Segment, Apple liegt bei null.
Für europäische Käufer werden die US-Preise durch Wechselkurs und Umsatzsteuer spürbar höher ausfallen. Die Galaxy Glasses dürften zudem erst nach der angekündigten Datenschutzprüfung durch europäische Behörden in Deutschland erscheinen. Samsungs Kalkulation ist dennoch klar: Wer in den nächsten Monaten auf ein Falttelefon oder eine KI-Brille wechseln möchte, findet bei Apple auf absehbare Zeit keine Alternative.
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