Solar-Rekord: 511 Gigawatt neu in 2025
Im Jahr 2025 wurde weltweit mehr neue Solarkapazität installiert als in irgendeinem anderen Jahr der Geschichte: 511 Gigawatt, dokumentiert von der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) in ihrem im April 2026 veröffentlichten Jahresbericht. Die globale Gesamtkapazität stieg auf 2.392 Gigawatt. Was diese Zahl greifbar macht: Ende 2010 waren weltweit insgesamt rund 40 Gigawatt Solar installiert. In fünfzehn Jahren hat sich die Kapazität fast sechzigfach erhöht.
Was 511 Gigawatt bedeuten
Der bisherige Jahresrekord lag bei 452 Gigawatt im Jahr 2024, selbst schon ein historischer Wert. In zwei aufeinanderfolgenden Jahren wurden damit mehr als 960 Gigawatt Solar weltweit zugebaut. Solar allein machte laut IRENA rund 75 Prozent des gesamten globalen Zubaus erneuerbarer Energien im Jahr 2025 aus. Die gesamte installierte Erneuerbaren-Kapazität weltweit stieg auf 5.149 Gigawatt, davon 2.392 Gigawatt Solar, also fast 47 Prozent des weltweiten Erneuerbaren-Bestands.

Solar ist damit die größte einzelne erneuerbare Energiequelle der Welt. Wasserkraft liegt mit rund 1.296 Gigawatt auf Platz zwei, wächst aber weit langsamer, weil geeignete Standorte in vielen Ländern erschöpft sind. Windkraft liegt mit rund 1.291 Gigawatt auf Platz drei.
China baut allein die Hälfte der Welt
Die Länderverteilung zeigt eine dramatische Konzentration: China verfügt laut IRENA über 1.200 Gigawatt installierte Solarkapazität, rund 50 Prozent der weltweiten Gesamtkapazität und mehr als die nächsten neun Länder zusammen. Die USA folgen mit 210 Gigawatt auf Rang zwei, danach Indien mit 135 Gigawatt. Deutschland liegt mit 106 Gigawatt auf Rang vier und ist der europäische Spitzenreiter.
Europa insgesamt kommt auf 405 Gigawatt, die EU-27 auf 365 Gigawatt. Die drei größten Solar-Nationen, China, USA und Indien, halten 65 Prozent der globalen Kapazität. China dominiert auch beim Ausbautempo: Das Land baut in Dimensionen, die gesamte EU-Jahresleistung in wenigen Monaten übersteigen. Für Deutschland bedeutet Rang vier international zwar eine solide Position, der Abstand zur Weltspitze beim Ausbauvolumen ist aber strukturell und wächst.
Der Preisverfall und seine Grenzen
Was den globalen Solar-Boom antreibt, ist in erster Linie eine Preisentwicklung ohne historisches Beispiel. 1976 kostete ein Watt Solarleistung rund 100 US-Dollar. Heute liegt der globale Großhandelspreisbereich laut Marktdaten des Fachportals Rinnovabili zwischen 0,08 und 0,28 US-Dollar pro Watt, je nach Technologie und Markt. Das ist ein Rückgang um mehr als 99 Prozent in fünfzig Jahren.
Allerdings ist der Preisverfall nicht mehr garantiert. In Europa lagen die Durchschnittspreise für hocheffiziente Module Anfang 2026 bei rund 0,13 Euro pro Wattpeak. Seit Jahresbeginn 2026 verzeichnet der europäische Markt monatliche Preisanstiege von vier bis fünf Prozent, getrieben durch EU-Handelszölle auf chinesische Hersteller und steigende Rohstoffkosten für Polysilizium. Ähnliche Effekte entstehen in den USA durch Importzölle auf chinesische Solarkomponenten.
Im Vergleich: Solar überholt andere Energiequellen
Wie ungewöhnlich das Solar-Wachstum ist, zeigt der Vergleich mit anderen erneuerbaren Energiequellen. Wasserkraft, die älteste großskalige erneuerbare Technologie, hat über mehr als hundert Jahre eine Gesamtkapazität von rund 1.300 Gigawatt aufgebaut. Solar hat in fünfzehn Jahren, von 2010 bis 2025, fast die doppelte Kapazität neu hinzugefügt.

Einzelne Länder veranschaulichen, wie schnell der Strukturwandel möglich ist. Dänemark bezog in den 1980er Jahren nahezu seinen gesamten Strom aus Öl und Kohle und erreichte 2024 einen Anteil erneuerbarer Energiequellen von mehr als 80 Prozent an der Stromerzeugung. Costa Rica bezieht seit mehreren Jahren mehr als 99 Prozent seines Stroms aus Erneuerbaren, in einem Land das auf Kohle- und Gaskraftwerke vollständig verzichtet.
Was Solar von den meisten anderen Energiequellen unterscheidet: Es ist modular, skaliert von Dachpaneelen bis zu Gigawatt-Freiflächenanlagen und braucht keine externe Brennstoffzufuhr. Das macht es weniger anfällig für geopolitische Energiepreisschocks als Gas oder Öl.
Drei Hürden auf dem Weg zu 5.000 Gigawatt
IRENA geht davon aus, dass bei aktuellem Ausbautempo die globale Solarkapazität bis 2030 die Marke von 5.000 Gigawatt übersteigen könnte, also mehr als eine Verdoppelung in fünf Jahren. Drei Faktoren bestimmen, ob dieser Pfad hält.
Erstens die Netzintegration: In vielen Ländern ist das Stromnetz nicht darauf ausgelegt, schwankende Solareinspeisung in dieser Größenordnung aufzunehmen. Deutschland muss Solaranlagen in Stunden der Überproduktion bereits regelmäßig abregeln. Lösungen sind Batteriespeicher, Pumpspeicherkraftwerke und grenzüberschreitende Leitungen, doch deren Ausbau hinkt dem Solarzubau nach.
Zweitens die Handelspolitik: Importzölle in den USA und der EU verteuern Solarkomponenten aus China, dem dominierenden Hersteller von Modulen und Batterien. Chinesische Produzenten weichen auf Drittmärkte in Südostasien und Nahost aus, was Lieferketten komplexer und teurer macht.
Drittens der Flächenverbrauch: Ein Gigawatt Solarkapazität erfordert je nach Technologie 2.000 bis 6.000 Hektar Fläche. Bei 500 Gigawatt Zubau jährlich treffen Solarparks in Europa zunehmend auf Konflikte mit Landwirtschaft und Naturschutz. Agrophotovoltaik, also die Doppelnutzung von Ackerflächen für Solar und Anbau, gilt als ein Lösungsansatz. Ob er im nötigen Tempo umgesetzt wird, entscheiden EU-Mitgliedstaaten bis 2030.
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