Stammzellen im Mutterleib: Schutz gegen Spina bifida
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Stammzellen im Mutterleib: Schutz gegen Spina bifida

Sechs Kinder, die als Föten am offenen Rückenmark operiert wurden, können heute laufen und rennen. UC Davis Health hat während dieser Operation erstmals Stammzellen aus Spenderplazenten auf das Rückenmark aufgebracht und damit Null Komplikationen erzielt. Die Phase-2-Erweiterung auf 35 Patienten läuft bereits.

20. Mai 2026, 9:10 Uhr 741 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Im Februar 2026 veröffentlichte das Fachmagazin The Lancet die Ergebnisse eines ungewöhnlichen Experiments: Ärzte der UC Davis Health hatten zwischen 2021 und 2022 bei sechs Föten mit Spina bifida während der ohnehin notwendigen Rückenmarkoperation im Mutterleib Stammzellen aus Spenderplazenten auf das freigelegte Rückenmark aufgebracht. Ziel war es, das geschädigte Gewebe zu schützen, bevor Narben sich bilden. Das Ergebnis nach mehr als drei Jahren Nachbeobachtung: keinerlei Komplikationen durch die Stammzellen, vollständige Wundheilung und, laut einem Bericht vom April 2026, gehen mehrere Kinder inzwischen ohne Hilfsmittel.

Was ist Spina bifida eigentlich?

Spina bifida entsteht, wenn sich der Wirbelkanal in der Fetalentwicklung nicht vollständig schließt und das Rückenmark freiliegend bleibt. Rund eines von 2.500 Kindern wird weltweit mit der schweren Form, der sogenannten Myelomeningozele, geboren. Ohne Behandlung führt diese zu Lähmungen der Beine, Blasen- und Darmfunktionsstörungen sowie häufig zu Hydrozephalus. Seit der MOMS-Studie von 2011 ist bekannt, dass ein pränataler chirurgischer Eingriff die Prognose erheblich verbessert: 82 Prozent der postnatal operierten Kinder benötigten einen Hydrozephalus-Shunt, bei pränataler Operation waren es nur 40 Prozent. Doch auch nach dem Eingriff bleibt geschädigtes Rückenmarkgewebe zurück, das die Funktion weiter einschränkt.

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Warum Stammzellen im Mutterleib?

Genau hier setzt der CuRe-Trial an. Forscherinnen und Forscher der UC Davis Health entwickelten ein Verfahren, bei dem während des ohnehin notwendigen pränatalen Eingriffs ein Patch aus plazentaabgeleiteten mesenchymalen Stammzellen (PMSCs) auf das freigelegte Rückenmark aufgebracht wird. Diese Stammzellen stammen von Spenderplazenten, können in großen Mengen hergestellt werden und lösen beim Empfänger keine starke Immunabwehr aus.

Die Idee hinter dem Verfahren: Die Zellen sollen entzündliche Prozesse dämpfen und die Reparatur des beschädigten Rückenmarks unterstützen, bevor sich irreversibles Narbengewebe bildet. Das Zeitfenster im Mutterleib ist dabei laut der leitenden Chirurgin Dr. Diana Farmer ideal, weil das fötale Immunsystem noch keine vollständige Abwehrreaktion entwickelt hat und das Nervensystem sich noch in der Formierung befindet.

Was Phase 1 zeigte: null Komplikationen, sechsmal Erfolg

Zwischen Juni 2021 und Dezember 2022 wurden sechs Schwangerschaften in die Studie aufgenommen. Die im Lancet veröffentlichten Ergebnisse: keine unerwünschten Ereignisse durch die Stammzelltherapie, vollständige Wundheilung in allen Fällen, keine Infektionen, kein Hinweis auf Tumorbildung oder Narbengewebe durch die Stammzellen. Postpartale MRT-Aufnahmen zeigten bei allen sechs Kindern eine Umkehr der Hirnstammherniation, einem Zeichen für reduzierten intrakraniellen Druck. Kein Kind musste vor der Krankenhausentlassung einen Hydrozephalus-Shunt erhalten.

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Im April 2026 berichtete Dr. Farmer beim California Institute for Regenerative Medicine (CIRM), dass mehrere Kinder aus Phase 1 inzwischen ohne Hilfsmittel laufen und rennen können. Bei schwerer Spina bifida gilt das als außergewöhnlich. Farmer sagte: "Wir sind außerordentlich optimistisch, dass wir möglicherweise alle diese Kinder aus dem Rollstuhl holen können."

Im Vergleich: Stammzelltherapien und ihre Vorgänger

Der CuRe-Trial steht in einer Reihe von Stammzell-Meilensteinen. 2023 erhielt Casgevy, eine CRISPR-basierte Gentherapie gegen Sichelzellenanämie, als weltweit erste ihrer Art die Zulassung in den USA und Großbritannien. In der entscheidenden Phase-3-Studie hatten 28 von 29 behandelten Patienten nach mindestens zwölf Monaten keine schwere Schmerzkrise mehr, eine Krankheit, die zuvor ein Leben lang Krisen mit sich brachte.

Noch größer ist das Langzeitbeispiel HIV: 1996 ermöglichte die Dreifachtherapie aus antiretroviralen Wirkstoffen das erste Mal, dass HIV-Positive nahezu die gleiche Lebenserwartung wie die Allgemeinbevölkerung erreichen konnten. Was 1986 als tödliche Diagnose galt, ist heute eine chronische Erkrankung. Stammzelltherapien wie die des CuRe-Trials könnten einen ähnlichen Paradigmenwechsel bei angeborenen Rückenmarkschäden einleiten, wenn die Folgestudien die frühen Ergebnisse bestätigen.

Was nötig wäre, damit das zum Standard wird

Drei Hürden trennen den CuRe-Trial noch von der Routineversorgung. Erstens muss Phase 2 die Sicherheitsergebnisse bei 29 weiteren Patienten bestätigen; die FDA hat die Erweiterung auf 35 Teilnehmer insgesamt genehmigt, die Einschreibung läuft. Zweitens werden die Kinder bis zum Alter von sechs Jahren verfolgt, um langfristige Wirkungen auf Motorik, Blasen- und Darmfunktion zu messen; die entscheidenden Daten kommen erst in den nächsten Jahren. Drittens führt bislang nur UC Davis das Verfahren durch. Für eine breitere Anwendung müssen andere Zentren in der PMSC-Herstellung und in der kombinierten Fetalchirurgie ausgebildet werden, ein logistisch und regulatorisch aufwendiger Prozess, der Jahre in Anspruch nehmen dürfte.

Quellen (6)

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