Benzin wieder bei 2,15 Euro: Regierung lehnt neue Entlastung ab
Super E10 kostet gerade 2,152 Euro je Liter, Diesel sogar 2,177 Euro. Das sind fast die gleichen Werte wie im April 2026, dem teuersten Tankmonat in der Geschichte des ADAC-Preisspiegels. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte am 22. Juli: Der Bundeshaushalt hat kein Geld für neue Entlastungen. Am 30. Juni lief der zweimonatige Tankrabatt aus und die Mineralölbranche ließ keine Zeit verstreichen.
Vier Monate Streit, zwei Monate Rabatt
Die Geschichte dieses Preisanstiegs beginnt Ende Februar 2026. Der Iran-Krieg und die Spannungen um die Straße von Hormus trieben den Rohölpreis in die Höhe und an deutschen Zapfsäulen schlug das sofort durch. Im April erreichte Super E10 im ADAC-Bundesdurchschnitt 2,109 Euro je Liter, den höchsten jemals gemessenen Monatswert.
Was folgte, war ein monatelanger Koalitionsstreit: CDU-Wirtschaftsministerin Reiche wollte die Pendlerpauschale auf 45 Cent erhöhen. SPD-Finanzminister Lars Klingbeil bestand auf einem Preisdeckel für Kraftstoffe und einer Übergewinnsteuer auf Energiekonzerne. Einigen konnten sie sich erst unter Druck: Vom 1. Mai bis zum 30. Juni galt ein Tankrabatt von 17 Cent je Liter. Das kostete den Bundeshaushalt mehrere Milliarden Euro.
Die Entlastung wirkte. E10 fiel zeitweise auf 1,854 Euro. Für die rund 49 Millionen Pkw-Halter in Deutschland war das eine spürbare Erleichterung, auch wenn ADAC-Verkehrsexperten bereits damals warnten: Die Konzerne geben Entlastungen nur teilweise weiter.
Was am 30. Juni passierte
Der letzte Tag des Tankrabatts zeigte, wie die Mineralölbranche arbeitet. Noch am 30. Juni selbst, während der Rabatt formal noch galt, stiegen die Preise deutschlandweit abrupt an: E10 verteuerte sich um 6,2 Cent auf 1,923 Euro, Diesel um 7,5 Cent auf 1,859 Euro. In einem einzigen Tag. Der ADAC dokumentierte diesen Vorgang und kommentierte, dass Mineralölkonzerne die Preise schon vor dem offiziellen Ende des Tankrabatts nach oben trieben.
Seit dem 1. Juli gilt wieder der volle Energiesteuersatz. Die Preise stiegen weiter. In der Woche vom 22. Juli lag E10 bei 2,146 Euro, 6,3 Cent höher als in der Vorwoche. Brent-Rohöl kostet derzeit rund 85 US-Dollar je Barrel. Der ADAC stellt fest, dass Rückgänge beim Rohölpreis nicht an Verbrauchern ankommen, Anstiege aber sofort weitergegeben werden.
Ein Durchschnittspendler, der 15.000 Kilometer im Jahr fährt und dabei rund 1.050 Liter Kraftstoff verbraucht, zahlt bei 2,15 Euro je Liter knapp 2.260 Euro im Jahr. Vor dem Iran-Krieg, im November 2025, kostete E10 rund 1,69 Euro: Damals wären es rund 1.545 Euro gewesen. Der Unterschied beträgt mehr als 700 Euro im Jahr.
Keine neuen Maßnahmen: Weder Geld noch Willen
Die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte, man habe Entlastungsmaßnahmen beendet und sehe derzeit keine neuen vor. Wirtschaftsministerin Reiche machte am 22. Juli klar, warum: „Wir haben mit der Spritpreisbremse ein sehr, sehr teures Instrument eingesetzt. Das hat uns viele Milliarden Euro gekostet. Diese sind derzeit im Bundeshaushalt nicht vorhanden.“
Die SPD hält an ihrer Forderung nach einem Kraftstoffpreisdeckel fest. Durchsetzen kann Klingbeil das nicht: Die CDU lehnt staatliche Preisvorgaben als marktverzerrend ab, Merz unterstützt Reiche. Damit endet die monatelange Koalitionsdebatte mit einem klaren Ergebnis: kein dauerhaftes Instrument, keine Anschlusslösung, keine neuen Maßnahmen.
Das Bundeskartellamt überwacht die Preisweitergabe der Mineralölkonzerne und hat seit April 2026 erweiterte Eingriffsbefugnisse. Mahnen kann Kartellamt-Präsident Andreas Mundt, anordnen nicht. Ob Preise marktkonform sind oder überhöht, können seine Mitarbeiter dokumentieren, aber nicht erzwingen. Eine Verschärfung des Kartellrechts, die dem Kartellamt direktes Preissetzungsrecht gäbe, diskutiert keine der Koalitionsparteien.
In anderen europäischen Ländern hat man das anders gehandhabt. Österreich hat eine geteilte Spritpreisbremse eingeführt, bei der Staat und Konzerne die Entlastung je zur Hälfte tragen. Großbritannien und Spanien erhoben Übergewinnsteuern auf Energiekonzerne, ohne dass es dort zu Versorgungsengpässen kam. Diese Erfahrungen spielen in der deutschen politischen Debatte keine erkennbare Rolle.
Wenn der Rohölpreis die Richtung vorgibt
Wie hoch der Kraftstoffpreis in den nächsten Wochen klettert, hängt vor allem am Brent-Preis. Bei rund 85 US-Dollar je Barrel liegt E10 heute bei 2,15 Euro. Sollte Brent auf über 90 Dollar steigen, wäre der April-Rekord von 2,109 Euro im Monatsdurchschnitt erreichbar. Der ADAC hat diese Möglichkeit ausdrücklich benannt.
Das Frühherbstmuster der vergangenen Jahre zeigt: Im September und Oktober, wenn die Urlaubsreisenden weniger tanken, sinken die Preise leicht. Ob das auch 2026 gilt, hängt vom Verlauf des Iran-Konflikts und seinen Auswirkungen auf den Rohölmarkt ab. Politisch ist der Tankrabatt ein abgeschlossenes Kapitel. Die Bundesregierung hat klargestellt, dass sie dieses Instrument nicht erneut einsetzen will. Wer 2,15 Euro je Liter zahlt, zahlt das vorerst allein.
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