Stargate UK: Großbritanniens KI-Milliarden als PR-Stunt
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Stargate UK: Großbritanniens KI-Milliarden als PR-Stunt

OpenAIs angekündigtes 20-Milliarden-Pfund-Projekt für ein britisches KI-Rechenzentrum hat nie existiert. Das Grundstück war ein Gerüstlager, das Unternehmen hat die geplante Baustelle nie besucht, das Projekt liegt auf Eis. Eine Guardian-Recherche zeigt das Muster hinter solchen Ankündigungen.

5. Juli 2026, 23:02 Uhr 774 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Regierungen lieben Zahlen in Pressemitteilungen. Im September 2025 verkündete die britische Regierung 20 Milliarden Pfund für KI-Infrastruktur, angeführt von OpenAI und Nvidia. Das Projekt sollte Großbritannien zum KI-Zentrum Europas machen. Zehn Monate später hat Stargate UK ein Problem: Es existiert nicht.

Die Behauptung: 20 Milliarden Pfund für Trumps Staatsbesuch

Als Donald Trump im September 2025 London besuchte, wurde Stargate UK als wirtschaftlicher Meilenstein präsentiert. OpenAI, Nvidia und der britische Cloud-Anbieter Nscale würden gemeinsam bis zu 8.000 Nvidia-GPUs an Standorten in Nordostengland aufbauen, mit der Option, auf 31.000 GPUs zu skalieren. Die Zahl 20 Milliarden Pfund stand im Raum als angeblicher Gesamtwert möglicher Infrastruktur über die Laufzeit des Projekts.

Die britische Regierung nahm die Zahl dankbar auf. Ihr KI-Aktionsplan verwies auf 14 Milliarden Pfund in privaten Zusagen für KI-Infrastruktur, Stargate UK eingeschlossen. Die Erhebungsmethode: Selbstauskünfte der Unternehmen, keine Prüfung durch unabhängige Stellen.

Was wirklich entstand: ein Gerüstlager

Der Guardian recherchierte, was aus dem Hauptstandort des Projekts geworden ist. Ergebnis: Auf dem Grundstück, das als Herzstück des KI-Rechenzentrums vorgesehen war, lagert Gerüstmaterial. Es wurde kein Fundament gegossen, kein Serverrack montiert. Der Standort sieht aus wie vor der Ankündigung.

Noch gravierender: OpenAI hat das Grundstück vor der Ankündigung offenbar nie besucht. Das berichten sowohl der Guardian als auch The Next Web, die unabhängig voneinander recherchierten. Ein Rechenzentrum der angekündigten Größenordnung benötigt nicht nur Fläche, sondern einen robusten Netzanschluss. Der vorgesehene Standort hatte weder das eine noch das andere in ausreichendem Maß.

Das Q1-2026-Ziel, bis zu dem die ersten 8.000 GPUs betriebsbereit sein sollten, ist verstrichen. Im April 2026 erklärte OpenAI das Projekt formell für pausiert.

Die offizielle Begründung: Strom und Urheberrecht

OpenAIs offizielle Erklärung für den Stopp nennt zwei Gründe: die hohen Industriestrompreise in Großbritannien und ungeklärte regulatorische Fragen rund um KI und Urheberrecht.

Der Strompreisvergleich ist real. Laut der Branchenvereinigung UK Steel zahlen britische Industriebetriebe rund 40 Prozent mehr für Strom als vergleichbare Betriebe in Frankreich oder Deutschland. Im EU-US-Vergleich liegen europäische Industriestrompreise laut der Internationalen Energieagentur (IEA) im Schnitt doppelt so hoch wie in den USA. Für ein Rechenzentrum der geplanten Größe, das rund um die Uhr auf Hochlast betrieben wird, ist der Standort also teuer, nicht unmöglich.

Was offen bleibt: Ob die Energiekosten tatsächlich der Hauptgrund sind oder ob die technischen Voraussetzungen vor Ort von Anfang an nicht überzeugten, hat OpenAI nicht offengelegt.

Das Muster: Phantom-Investitionen

Der Guardian-Journalist, der über Stargate UK berichtete, nannte das zugrundeliegende Problem explizit: Viele der KI-Investitionszusagen, die britische Regierung in ihren Aktionsplan einbezog, seien „Phantom-Investitionen”, also Ankündigungen ohne rechtlich bindende Verpflichtung und ohne unabhängige Überprüfung.

Das Phänomen ist nicht auf Großbritannien beschränkt. Auch der US-amerikanische Stargate-Plan, den Trump im Januar 2025 mit einer Summe von 500 Milliarden Dollar verband, war bei genauerem Hinsehen eine Absichtserklärung, keine Kapitalzusage. Investitionen in KI-Infrastruktur werden von Unternehmen oft als verhandlungspolitisches Instrument genutzt: Der angekündigte Betrag schafft politischen Goodwill, die tatsächliche Investitionsentscheidung wird später und anderswo getroffen.

Für Nscale, den britischen Juniorpartner im Projekt, hat die Pause reale Konsequenzen. Das Unternehmen hatte auf eine Partnerschaft mit OpenAI gesetzt, die Nachfrage nach Rechenkapazität für KI-Trainingsläufe zu bedienen. Ob und wann OpenAI zurückkommt, ist offen.

Wer das nächste Rechenzentrum bekommt

Während Großbritannien auf OpenAIs Entscheidung wartet, investieren andere. Irland, die Niederlande, Schweden und Polen haben in den vergangenen Monaten konkrete Rechenzentren eingeweiht oder mit dem Bau begonnen, zum Teil mit staatlichen Subventionen und langfristigen Stromverträgen zu reduzierten Tarifen. Die Entscheidung darüber, wo physische KI-Infrastruktur entsteht, wird nicht durch Pressemitteilungen getroffen, sondern durch Kilowattstundenpreise, Netzkapazität und Planungssicherheit.

Großbritannien hat bei allen drei Faktoren Nachholbedarf. Die Regierung Starmer hat nach dem Stargate-Debakel angekündigt, die Genehmigungsverfahren für Großprojekte zu beschleunigen und die Netzanschlusskapazitäten auszubauen. Ob das reicht, um das nächste Projekt anzuziehen, das sich diesmal auch materialisiert, wird sich zeigen.

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