Tankrabatt endet: Benzin wird ab Juli wieder teurer
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Tankrabatt endet: Benzin wird ab Juli wieder teurer

Am 30. Juni endet die befristete Energiesteuersenkung. Ab dem 1. Juli steigen Spritpreise automatisch um bis zu 17 Cent. Die Koalition hat keine Anschlusslösung. Die diskutierte Erhöhung der Pendlerpauschale hilft vor allem denen, die sie am wenigsten brauchen.

13. Juni 2026, 2:38 Uhr 1024 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Zwei Monate lang hat der Bund 1,6 Milliarden Euro für den Tankrabatt ausgegeben und Super E10 damit unter zwei Euro gehalten. Am 30. Juni ist das vorbei. Eine Anschlusslösung hat die Koalition nicht. Die Zeit läuft: In 17 Tagen steigt der Benzinpreis automatisch wieder.

Was der Tankrabatt bewirkt hat

Im April 2026 erreichte Super E10 seinen höchsten Monatsdurchschnitt seit Beginn der ADAC-Aufzeichnungen: 2,11 Euro je Liter. Die Ursache war klar: Der Rohölpreis war mit Beginn des Irankriegs im Februar 2026 um mehr als 35 Prozent gestiegen, Brent notiert heute noch immer bei rund 109 Dollar je Barrel. Der Bundestag beschloss daraufhin in Kalenderwoche 17 die befristete Energiesteuersenkung. Netto wurden 14,04 Cent je Liter gesenkt, inklusive Mehrwertsteuer ergibt das die kommunizierte Entlastung von bis zu 17 Cent brutto.

Am 11. Juni lag Super E10 laut ADAC bundesweit durchschnittlich bei 1,876 Euro je Liter. Der Rückgang um rund 23 Cent gegenüber dem April-Rekord ist zu einem erheblichen Teil dem Tankrabatt zuzurechnen, nicht einer Entspannung am Rohölmarkt. Der Ölpreis hat sich seit Mai nicht wesentlich verändert. Was der Staat subventioniert hat, war nicht günstigeres Öl, sondern günstigere Zapfsäulenpreise trotz teurem Öl.

Warum die Koalition nicht verlängert

Die Entscheidung, den Tankrabatt nicht zu verlängern, haben CDU/CSU und SPD am 11. Juni getroffen. Das zentrale Argument: Der Haushalt trägt keine weitere Subvention. 1,6 Milliarden Euro hat die zweimonatige Maßnahme gekostet. Eine Verlängerung bis Ende August würde weitere 1,6 Milliarden Euro binden, Mittel die im Bundeshaushalt 2026 nicht vorgesehen sind.

Das Argument hat eine schwache Stelle. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte vorgerechnet, die hohen Spritpreise hätten dem Staat durch höhere Mehrwertsteuereinnahmen monatlich bis zu 200 Millionen Euro zusätzlich eingebracht, die nun umgelenkt werden könnten. Das Finanzministerium bestreitet diese Kalkulation: Da der Verbrauch bei hohen Preisen sinke, seien die tatsächlichen Mehreinnahmen deutlich geringer ausgefallen als von Reiche angenommen.

Bundeskartellamt-Präsident Andreas Mundt hat seit Ende Mai aktiv geprüft, ob die Mineralölkonzerne die Steuersenkung vollständig an Verbraucher weitergaben. Das Ergebnis: Die Konzerne haben die 17 Cent weitgehend weitergereicht. Das nimmt auch dem strukturellen Argument für eine Verlängerung die Grundlage. Es gibt nichts mehr weiterzugeben.

Pendlerpauschale: Wer profitiert, wer nicht

Als Alternative zu einer Verlängerung des Tankrabatts brachte Kanzler Friedrich Merz (CDU) eine Erhöhung der Pendlerpauschale von 38 auf 45 Cent je Kilometer ins Gespräch. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) lehnte das umgehend ab. Die Maßnahme sei eine Subvention für Besserverdienende und helfe genau denjenigen wenig, die am stärksten auf günstigen Sprit angewiesen seien.

Klingbeil hat rechnerisch nicht ganz Unrecht. Die Pendlerpauschale ist ein Steuerabzugsposten. Wer wenig verdient oder gar keine Steuern zahlt, profitiert nicht oder kaum. Ein Vollzeitangestellter mit 25-Kilometer-Pendlerstrecke und durchschnittlichem Einkommen würde durch die Erhöhung auf 45 Cent rund 308 Euro im Jahr sparen, knapp 26 Euro monatlich. Wer den Grundfreibetrag nicht übersteigt, spart dagegen nichts. Für Geringverdiener bliebe die Erhöhung wirkungslos.

Der DGB fordert stattdessen gezielte Direktzahlungen an Beschäftigte mit geringem Einkommen, gebunden an tatsächliche Pendelstrecken und eine Einkommensgrenze. Das wäre zielgenauer, aber deutlich komplizierter umzusetzen. Ein Antragssystem und Auszahlungssystem, das in 17 Tagen einsatzbereit wäre, ist nicht realistisch.

Was 20 Millionen Pendler ab 1. Juli erwartet

20,59 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland pendeln täglich in eine andere Gemeinde als ihren Wohnort, so viele wie nie zuvor. Im Schnitt legen sie 17,2 Kilometer zurück, 65 Prozent nutzen das Auto. Mit dem Ende des Tankrabatts treffen die Mehrkosten genau diese Gruppe.

Für Super E10 bedeutet das bei unverändertem Rohölpreis: ab 1. Juli automatisch wieder mindestens 2,05 Euro je Liter. Da der Ölpreis wegen des Irankriegs weiterhin erhöht ist, sind höhere Werte möglich. Vor Kriegsbeginn im Februar 2026 kostete Super E10 im Bundesschnitt rund 1,76 Euro. Wer wöchentlich 40 Liter tankt, zahlt mit dem Preisanstieg durch das Ende des Tankrabatts 6,80 Euro pro Woche mehr als heute, rund 354 Euro übers Jahr.

Bis Ende Juni: Offene Fragen und knappe Fristen

Ob die Pendlerpauschale erhöht wird, ist noch nicht entschieden. Ein weiterer Koalitionsausschuss soll noch vor dem 30. Juni zusammentreten. Klingbeils Gegenvorschläge, darunter eine Windfall-Tax auf Energiekonzerne und staatliche Preisobergrenzen für Kraftstoffe, lehnt die CDU weiterhin als marktverzerrend ab. Ob Merz die Erhöhung der Pendlerpauschale gegen den Widerstand der SPD durchsetzt oder ob ein Kompromiss gelingt, ist offen.

Die Ausgangspositionen haben sich seit Koalitionsbeginn eher verhärtet als angenähert. Vergleichbare Maßnahmen zeigen, dass Direktentlastungen zielgenauer wirken als Steuerkürzungen: Großbritannien und Spanien haben Windfall-Taxes auf Energiekonzerne eingeführt, ohne Versorgungsengpässe zu erzeugen. Diese Erfahrungen spielen in der deutschen Koalitionsdebatte bislang keine erkennbare Rolle. Für Autofahrer läuft die Uhr: Am 30. Juni endet die Entlastung automatisch, unabhängig davon, ob die Koalition eine Alternative gefunden hat.

Update 16. Juni, 01:08 Uhr: Nach dem Iran-Friedensabkommen vom 14. und 15. Juni ist der Rohölpreis der Sorte Brent innerhalb von zwei Tagen von rund 109 auf 83 US-Dollar je Barrel gefallen, ein Rückgang von mehr als 24 Prozent. An deutschen Zapfsäulen ist davon noch kaum etwas angekommen: Super E10 kostete am 14. Juni laut ADAC bundesweit durchschnittlich 1,88 Euro je Liter, nahezu unverändert gegenüber der Vorwoche. Das verändert die Ausgangslage für den 1. Juli: Die bisherige Prognose eines Preisanstiegs auf mindestens 2,05 Euro nach dem Ende des Tankrabatts galt bei Öl auf 109-Dollar-Niveau. Wenn der Rohölrückgang auf 83 Dollar die Zapfsäulen noch vor Ende Juni erreicht, fiele der Aufschlag ab Juli deutlich geringer aus. Den Zeitplan für diese Weitergabe legt der Markt fest, nicht die Koalition.

Update 22. Juni, 17:07 Uhr: Der Rohölrückgang ist an deutschen Zapfsäulen angekommen: Super E10 kostete am 21. Juni laut ADAC bundesweit durchschnittlich 1,82 Euro je Liter, sechs Cent weniger als noch am 14. Juni. Bleibt Rohöl der Sorte Brent auf dem aktuellen Niveau von rund 83 Dollar je Barrel, dürfte der Preisanstieg nach dem Ende des Tankrabatts auf etwa 1,96 Euro begrenzt bleiben statt der ursprünglich befürchteten 2,05 Euro. Die politische Frage bleibt ungelöst: Der DGB hat dem Koalitionsstreit um die Pendlerpauschale einen eigenen Vorschlag entgegengesetzt. Ein Mobilitätsgeld von 17 Cent je Kilometer würde einkommensunabhängig für alle Pendler gelten. Anders als die Pendlerpauschale, die Geringverdiener ohne Steuerschuld gar nicht erreicht, käme das Mobilitätsgeld auch an der unteren Einkommenshälfte an. Kanzler Merz betonte öffentlich, beim Thema Pendlerpauschale sei nicht mit kurzfristigen Entscheidungen zu rechnen. Für 20 Millionen Pendler läuft damit die Uhr bis zum 30. Juni, ohne dass eine konkrete Nachfolgelösung in Sicht ist.

Quellen (12)

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