97 Prozent: Thunfischbestände erholen sich weltweit
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97 Prozent: Thunfischbestände erholen sich weltweit

97 Prozent des weltweiten Thunfischfangs stammt heute aus biologisch gesunden Beständen, so viel wie nie seit Beginn der Messungen im Jahr 2011. Fünf internationale Fischereibehörden haben eine der größten Fischereikrisen des 20. Jahrhunderts in einen bemerkenswerten Erholungserfolg verwandelt.

25. Juni 2026, 16:57 Uhr 820 Wörter · 5 Min. Lesezeit

97 Prozent des weltweiten Thunfischfangs stammt heute aus Beständen mit gesunden Populationsgrößen. Als die International Seafood Sustainability Foundation (ISSF) 2011 begann, diesen Wert systematisch zu erheben, lag er bei 70 Prozent. Der Sprung um 27 Prozentpunkte in fünfzehn Jahren ist das Ergebnis eines einzigartigen internationalen Experiments: fünf regionale Fischereibehörden, die gelernt haben, auf Wissenschaft zu hören.

Von der Krise zum Rekordwert

Die Zahlen kommen aus zwei unabhängigen Quellen. Das ISSF veröffentlichte im Januar 2026 seinen Statusbericht zu den weltweiten Thunfischbeständen: 97 Prozent der globalen Thunfischfänge stammen demnach aus Beständen mit gesunden Bestandsgrößen, nahezu 100 Prozent aus Beständen ohne aktive Überfischung. Beides sind die höchsten Werte seit Beginn der Erhebungen. Unabhängig davon bestätigt der im Juni 2026 erschienene FAO-Welternährungsbericht SOFIA: 91 Prozent der bewerteten Thunfischbestände gelten als biologisch nachhaltig, 99 Prozent der Anlandungen stammen aus nachhaltigen Quellen. Der globale Thunfischfang beträgt knapp sechs Millionen Tonnen pro Jahr mit einem Marktwert von rund zwölf Milliarden Dollar.

thunfisch

Die Ausgangslage war eine andere. In den 1990er Jahren wurden die Bestände des ostatlantischen Blauflossenthunfischs bis an die Kollapsgrenze gefischt, mit Fangmengen von zeitweise über 50.000 Tonnen jährlich weit über die Regenerationskapazität der Bestände hinaus. Die Internationale Kommission für die Erhaltung des Atlantischen Thunfischs (ICCAT) setzte 1998 eine Quote von rund 30.000 Tonnen fest, die von vielen Mitgliedsstaaten jedoch jahrelang ignoriert wurde. Zwischen 2014 und 2019 sank die Zahl der als überfischt eingestuften Thunfischbestände weltweit trotzdem von 13 auf 5.

Fünf Behörden für sieben Arten

Zuständig für die globalen Thunfischbestände sind fünf Regionale Fischereibewirtschaftungsorganisationen, kurz RFMOs. Die älteste ist die ICCAT, gegründet 1969. Es folgen die Inter-American Tropical Tuna Commission (IATTC), die Indian Ocean Tuna Commission (IOTC, seit 1996 in Kraft, Sekretariat auf den Seychellen), die Western and Central Pacific Fisheries Commission (WCPFC) sowie die Commission for the Conservation of Southern Bluefin Tuna (CCSBT, gegründet 1994). Gemeinsam verwalten sie die sieben kommerziell bedeutendsten Thunfischarten.

Ihr zentrales Instrument sind wissenschaftsgestützte Managementverfahren mit Fangquoten auf Basis jährlicher Bestandsschätzungen. Wie wirkungsvoll das sein kann, zeigt der Gelbflossenthunfisch im Indischen Ozean. Dieser Bestand galt nahezu ein Jahrzehnt lang als überfischt. Im Februar 2026 hob das ISSF seine spezifische Schutzmaßnahme für diesen Bestand auf, nachdem das wissenschaftliche Komitee der IOTC bestätigt hatte: Der Bestand wird nicht mehr überfischt und gilt nicht länger als in einem schlechten Zustand.

Die Grenzen des Systems bleiben erkennbar. Eine 2026 erschienene ISSF-Analyse zu Umladungskontrollen auf See zeigt, dass kein einziger RFMO die freiwilligen FAO-Leitlinien vollständig einhält. Umladungen auf offener See gelten als bekanntes Schlupfloch für illegale Fischerei, weil dabei Fänge unbemerkt auf andere Schiffe umgeladen werden können. Dass einzelne Mitgliedsstaaten vereinbarte Fangquoten in vergangenen Jahren überschritten, zeigt zudem: Regelwerk und Einhaltung sind zwei verschiedene Dinge.

Im Vergleich: Was Fischereimanagement kann und was nicht

Der Nordseehering ist eine der nächsten Parallelen. Übermäßige Fangmengen brachten den Bestand in den 1960er Jahren an den Rand des Zusammenbruchs, ein vollständiger Fangstopp folgte. Nach einer zweiten Überfischungsphase in den 1990ern trat 1997 ein Managementplan in Kraft. 2008 erreichte die Laichbiomasse ihr höchstes Niveau seit 1988, ein Ergebnis konsequenter Bestandspflege über mehr als eine Dekade. Das Thünen-Institut, das die deutschen Fischereibestände wissenschaftlich begleitet, verfolgt diese Entwicklung seither als Lehrstück für wirksames Fangmengenmanagement.

nachhaltigkeit

Innerhalb der Thunfischfamilie belegt der ostatlantische Blauflossenthunfisch selbst, was möglich ist. Nachdem die ICCAT ab 2006 deutlich schärfere Quotenkontrollen eingeführt hatte, erholte sich der Bestand. Auf ihrer Jahrestagung im November 2025 hob die ICCAT die Gesamtfangquote für den Ostatlantik um 19,3 Prozent auf 48.400 Tonnen an. Laut NOAA zeigen die Bestände nun, dass sie sich im sogenannten grünen Quadranten der Kobe-Matrix befinden, dem Bereich für nachhaltig bewirtschaftete und nicht überfischte Bestände.

Der breitere Kontrast macht die Besonderheit sichtbar. Globale Fischbestände insgesamt liegen laut FAO SOFIA 2026 bei 62,4 Prozent nachhaltiger Bestände, deutlich unter den 91 Prozent bei Thunfisch. Dass ausgerechnet einer der kommerziell am intensivsten genutzten Fischsektoren besser abschneidet als der weltweite Durchschnitt, liegt an dem strukturierten Managementrahmen der RFMOs, der in vielen anderen Fischereien fehlt.

Was Klimaerwärmung und Kontrolldefizite noch riskieren

Der FAO-Bericht benennt einen zentralen Risikofaktor für die kommenden Jahrzehnte: In mehreren Meeresregionen könnte die marine Biomasse bis 2050 um mehr als zehn Prozent zurückgehen, angetrieben durch steigende Wassertemperaturen und veränderte Strömungsmuster. Für Thunfische, deren Wanderrouten stark temperaturabhängig sind, bedeutet das konkrete Risiken für Laichgebiete und Bestandsdichte.

Die WCPFC hält ihre 23. Jahrestagung im Herbst 2026 ab. Für den Westpazifik, das produktivste Thunfischgebiet der Welt mit dem höchsten Anteil am globalen Thunfischfang, wird sie zeigen, ob die Managementgewinne auch in schärfere Kontrollmechanismen münden. Besonders der erst kürzlich erholte Gelbflossenthunfisch im Indischen Ozean braucht dazu vor allem eines: dass die Mitgliedsstaaten die vereinbarten Fangmengen dauerhaft einhalten.

Der Rekordwert von 97 Prozent ist real und durch unabhängige FAO-Daten bestätigt. Wie stabil er sich zeigt, entscheidet sich in den kommenden Jahren an der Klimaentwicklung und an der Disziplin jener Staaten, die sich zu den RFMO-Fangquoten verpflichtet haben.

Quellen (9)

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