Tuchels England raus: Klopp einigt sich mit DFB
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Tuchels England raus: Klopp einigt sich mit DFB

Thomas Tuchel verlor mit England das WM-Halbfinale 1:2 gegen Argentinien und sieht sich scharfer Kritik an seiner Defensivtaktik ausgesetzt. Zeitgleich hat Jürgen Klopp eine grundsätzliche Einigung mit dem DFB über die Bundestrainerstelle erzielt.

19. Juli 2026, 14:40 Uhr 877 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Zwei Trainer, zwei sehr verschiedene WM-Enden. Thomas Tuchel verlor mit England das WM-Halbfinale gegen Argentinien 1:2, nach einer Taktikentscheidung in der zweiten Halbzeit, die ihn sofort unter heftigen Beschuss brachte. Zeitgleich laufen in Deutschland Gespräche, die das Ende des Kapitels Nagelsmann beim DFB besiegeln: Jürgen Klopp hat sich grundsätzlich mit dem Deutschen Fußball-Bund auf einen Bundestrainervertrag geeinigt, berichten übereinstimmend Sky Sport Deutschland und mehrere Schweizer Quellen.

Das Halbfinale: Führung, Umstellung, Niederlage

Anthony Gordon erzielte in der 55. Minute die Führung für England. Der Treffer hätte die Vorlage für ein couragiertes Halbfinale sein können. Tuchel entschied sich für das Gegenteil: Er stellte sein System auf eine Fünferkette um und wechselte drei defensive Spieler ein.

Enzo Fernández traf in der 85. Minute mit einem Distanzschuss zum 1:1. In der zweiten Minute der Nachspielzeit erzielte Lautaro Martínez das 2:1 für Argentinien. England wartet weiter auf seinen zweiten WM-Titel nach 1966. Argentinien trifft im Finale auf Spanien.

Die englischen Medien reagierten vernichtend. Der Guardian schrieb von "Neandertaler-Taktik", Sport1 berichtete von einer englischen Presse voller Wut auf "Feigheit". Tuchel verteidigte sich nach dem Spiel: "Ich bereue nichts. Nach einem Fehler in der Defensive musste ich reagieren." Ob er im Amt bleibt, ist nach britischen Medienberichten noch ungeklärt. Der englische Fußballverband FA hat sich bislang nicht öffentlich zu seiner Zukunft geäußert.

Klopp und der DFB: grundsätzliche Einigung

Anfang Juli hatten DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke Jürgen Klopp und seinen Berater Marc Kosicke in einem Hotel am New Yorker JFK-Flughafen getroffen. Das Ergebnis: eine grundsätzliche Einigung in den wesentlichen Vertragspunkten. Der geplante Vertrag läuft vier Jahre bis zur WM 2030. Das Jahresgehalt soll knapp über sieben Millionen Euro liegen, leicht mehr als Julian Nagelsmann bekam.

Noch fehlt die formale Zustimmung des DFB-Aufsichtsrats und der Gesellschafterversammlung. Und: Klopps Vertrag als globaler Fußballchef von Red Bull läuft bis 2029. Red Bull-Chef Oliver Mintzlaff gilt laut Berichten als "relativ offen" für eine Freigabe, da ihm der deutsche Fußball am Herzen liege. Wie viel eine Ablöse kosten wird, ist noch offen. Der DFB informierte seinen Aufsichtsrat am 15. Juli über den Gesprächsstand.

Der DFB nach dem paraguayischen Debakel

Nagelsmann hatte Deutschland durch die WM-Qualifikation und eine beachtliche EM 2024 geführt. Bei der WM 2026 schied Deutschland im Sechzehntelfinale gegen Paraguay aus, im Elfmeterschießen. Nagelsmann erklärte danach seinen Rücktritt. Für den DFB war das der dritte enttäuschende WM-Auftritt in Folge nach 2018 (Gruppenphase) und 2022 (Gruppenphase). Der Druck, eine überzeugende Nachfolge zu finden, war entsprechend hoch.

Klopp war nach seinem Abgang vom FC Liverpool im Sommer 2024 zunächst zu Red Bull gewechselt, ohne ein Vereinstrainer-Amt anzunehmen. Berichte aus dem Umfeld des DFB hatten ihn von Anfang an als Wunschkandidaten gehandelt. Sein ehemaliger Assistent Zeljko Buvac und der frühere Bayern-Trainer Hansi Flick wurden ebenfalls als Kandidaten genannt, kamen über erste Sondierungen aber nicht hinaus.

Amtsantritt im Herbst, Prüfstand bei der EM 2028

Wenn keine unerwarteten Hindernisse auftreten, könnte Klopp spätestens im September offiziell als Bundestrainer vorgestellt werden. Die ersten Länderspiele im Oktober 2026 wären dann seine ersten offiziellen Aufgaben. Die entscheidende Prüfung folgt bei der EM 2028 in Großbritannien und Irland. Rudi Völler bleibt als Sportdirektor bis über dieses Turnier hinaus im Amt.

Ob Tuchel bis dahin noch Englands Trainer ist, bleibt ungewiss. Die FA steht unter Druck aus den englischen Medien und dem Verband. Die Niederlage gegen Argentinien hat eine Debatte ausgelöst, die über Taktik hinausgeht: Ist Tuchel, der Deutsche, der richtige Mann für England? Diese Frage wurde nach dem Halbfinalaus lauter. Eine Antwort hat die FA noch nicht geliefert.

Update 20. Juli, 17:11 Uhr: Die FA hat ihre Antwort nun geliefert: Tuchel bleibt. Geschäftsführer Mark Bullingham bestätigte, dass der Trainer das volle Vertrauen des Verbands genießt. Tuchel ist bis 2028 unter Vertrag und soll England zur Europameisterschaft 2028 führen, die als Heimturnier auf den britischen Inseln stattfindet. Harry Kane ließ offen, ob 2026 seine letzte WM war: "Vier Jahre ist eine lange Zeit. Wenn ich noch auf dem Level spiele, werde ich England vertreten." Die englische Presse bleibt bei ihrem vernichtenden Urteil über Tuchels Taktik, während der Verband seinen deutschen Trainer gegen die Kritik in Schutz nimmt.

Quellen (13)

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