Evenepoel holt Tour-Doppelsieg, Lipowitz stürzt aus
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Evenepoel holt Tour-Doppelsieg, Lipowitz stürzt aus

Remco Evenepoel gewinnt das einzige Zeitfahren der Tour de France 2026 und holt damit seinen zweiten Etappensieg in Folge. Binnen 24 Stunden verlor das Rennen beide verbleibenden Pogačar-Herausforderer: Vingegaard schied mit Schlüsselbeinbruch aus, Lipowitz stürzte im Zeitfahren.

21. Juli 2026, 20:42 Uhr 935 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Zwei Ausfälle, zwei Etappensiege, ein Fahrer: Etappe 16 der Tour de France 2026 hat die Hierarchie des Rennens neu geordnet. Remco Evenepoel gewann das einzige Einzelzeitfahren der Tour, 28 Sekunden vor Gesamtführer Tadej Pogačar und holte damit nach dem Bergetappenfinish des Vortags seinen zweiten Sieg in Folge. Doch während der Belgier feierte, schied sein Teamkollege Florian Lipowitz aus: Der Deutsche stürzte auf dem Abstieg des Zeitfahrens und wurde per Krankenwagen abtransportiert. Einen Tag früher hatte Jonas Vingegaard nach einem Schlüsselbeinbruch aufgegeben, seine erste Grand-Tour-Aufgabe nach acht aufeinanderfolgenden Podiumsplätzen bei großen Rundfahrten.

Weltmeister auf seiner Strecke

Remco Evenepoel ist amtierender Weltmeister und Olympiasieger im Einzelzeitfahren und das Zeitfahren von Évian-les-Bains nach Thonon-les-Bains am Südufer des Genfer Sees war das einzige dieser Disziplin in der gesamten 113. Tour de France. Die Strecke misst 26,1 Kilometer, verläuft moderat hügelig ohne große Anstiege, enthält aber technisch anspruchsvolle Abschnitte auf dem Abstieg zur Zielgerade.

Evenepoel absolvierte den Kurs laut Cyclingnews in 32 Minuten und 19 Sekunden. Gesamtführer Tadej Pogačar fuhr auf den zweiten Platz, 28 Sekunden langsamer. Für einen Kletterer und Allrounder vom Format Pogačars ist das kein desaströses Ergebnis im Zeitfahren, aber ein deutliches Signal: In dieser Disziplin gibt es eine Hierarchie und Evenepoel steht an deren Spitze. Mattias Skjelmose vom Team Lidl-Trek, einer der stärksten Rundfahrer der jüngeren Generation, überraschte mit dem dritten Rang, 1 Minute und 4 Sekunden hinter Evenepoel.

Es war Evenepoels zweiter Etappensieg in Folge. Am Vortag hatte er bereits Etappe 15 mit einer Bergankunft gewonnen, in der er Pogačar bezwang. Zwei Etappensiege in zwei aufeinanderfolgenden Tagen, auf unterschiedlichem Terrain, in der dritten Tour-Woche: Das beschreibt die aktuelle Form des Belgiers präzise.

Vingegaard fällt, Lipowitz fällt: Zwei Ausfälle in 24 Stunden

Während Evenepoel feierte, verlor die Tour ihren dramatischsten Tag seit Jahren. Jonas Vingegaard, zweifacher Toursieger und Sieger des Giro d'Italia 2026, stürzte am Montag auf einer Abfahrt in Etappe 15 und brach sich das Schlüsselbein. Das bestätigten sein Team Visma-Lease a Bike und die Rennorganisation. Vingegaard schied aus dem Rennen aus.

Für den Dänen ist das eine historische Zäsur: Es war seine erste Aufgabe in einer Grand Tour nach acht aufeinanderfolgenden Podiumsplätzen bei großen Rundfahrten, wie das Fachportal Cyclingflash berichtete. Vincenzo Nibali, der zuletzt ähnliche Konsistenz an den Tag gelegt hatte, war der letzte Fahrer vor ihm, der eine vergleichbare Serie vorzuweisen hatte. Vor seinem Sturz auf der Abfahrt von Etappe 15 lag Vingegaard mit 4 Minuten und 30 Sekunden Rückstand auf Pogačar auf Gesamtrang zwei.

Einen Tag später, im Zeitfahren, stürzte Florian Lipowitz auf dem Abstieg. Der 25-jährige Deutsche, der 2025 die Tour als Dritter beendet hatte und in diesem Jahr wieder auf das Podium zielte, verfehlte einen Kurvenabschnitt, verlor die Kontrolle über das Rad und kam zu Fall. Er schlug schwer auf und konnte nicht weiterfahren. Sanitäter versorgten ihn an der Strecke, er wurde per Krankenwagen transportiert und schied aus dem Rennen aus.

Red Bull-Bora-Hansgrohe verlor damit innerhalb von zwei Etappen seinen zweiten Gesamtklassementfahrer. Evenepoel bleibt als einziger Träger der Teamambitionen übrig.

Pogačar ohne Gegner auf Augenhöhe

Die Gesamtwertung nach Etappe 16 sieht wie folgt aus: Tadej Pogačar (UAE Team Emirates-XRG) führt, Remco Evenepoel (Red Bull-Bora-Hansgrohe) liegt auf Rang 2 mit 4:32 Minuten Rückstand, Isaac del Toro (UAE Team Emirates-XRG) folgt auf Rang 3 mit 6:51 Minuten. Dahinter kommen Paul Seixas (Decathlon CMA CGM) und Juan Ayuso (Lidl-Trek).

Dass del Toro Pogačars Teamkollege ist, verschärft Evenepoels Situation. UAE Team Emirates-XRG besetzt die Plätze 1 und 3 der Gesamtwertung und kann mit zwei Fahrern auf Evenepoel reagieren. Ein allein angreifender Evenepoel auf einem Bergfinish müsste nicht nur Pogačar, sondern auch das Aufgebot eines der stärksten Teams der Peloton überwinden.

Vier Minuten und 32 Sekunden in fünf Etappen aufzuholen, von denen die entscheidenden in den Alpen liegen, ist bei Pogačars bisheriger Form eine sehr hohe Hürde. Der Slowene hat in dieser Tour jeden Bergfinish für sich entschieden. Evenepoels 28 Sekunden Vorsprung im Zeitfahren sind für einen amtierenden Weltmeister der Disziplin Pflicht, kein Durchbruch im Titelkampf.

Alpe d'Huez am Donnerstag, Nizza am Sonntag

Am Mittwoch, 22. Juli, führt Etappe 17 über 174,7 Kilometer von Chambéry nach Voiron, eine Übergangsetappe mit rund 2.200 Höhenmetern, aber ohne Gipfelfinish. Die entscheidenden Prüfungen folgen auf Etappe 18 am 23. Juli mit der Ankunft in Orcières-Merlette und Etappe 19 am 24. Juli auf die Alpe d'Huez.

Die Alpe d'Huez misst 13,8 Kilometer, führt auf 1.860 Meter Höhe und hat 21 Kehren bei durchschnittlich 8,1 Prozent Steigung. Sie ist der bekannteste Anstieg des europäischen Radsports und einer der wenigen, auf dem selbst souveräne Führende überraschend Zeit verlieren können, wenn das Tempo hoch genug liegt.

Die Tour endet am 26. Juli in Paris. Für Pogačar bedeuten die nächsten fünf Tage die Chance auf seinen fünften Gesamtsieg, der ihn in die Gesellschaft von Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain einreihen würde. Dass er diese Chance ohne den Dänen, der ihm 2022 und 2023 zwei Gesamtsiege abgenommen hatte, antreten kann, ist ein Umstand, den Pogačar selbst nicht herbeigeführt hat. Die Alpen werden zeigen, ob Evenepoel die Arithmetik der Gesamtwertung noch einmal verändern kann.

Update 22. Juli, 17:02 Uhr: Florian Lipowitz wurde nach seinem Sturz im Zeitfahren mit einem Bruch des rechten Schlüsselbeins diagnostiziert. Das Team Red Bull-Bora-Hansgrohe bestätigte, dass er noch am Abend des 21. Juli operiert wurde. Die Genesung wird mindestens sechs Wochen dauern, womit Lipowitz auch für die späten Saisonrennen ausfallen dürfte. Team-Manager Ralph Denk sagte, Lipowitz sei in der Kurve zu risikofreudig und zu schnell unterwegs gewesen.

Quellen (14)

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