Nach der Ampel: Habeck berät Immobilienfonds Urban Partners
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Nach der Ampel: Habeck berät Immobilienfonds Urban Partners

Eineinhalb Jahre nach dem Ende der Ampelkoalition wechselt Robert Habeck in die Privatwirtschaft. Der frühere Wirtschaftsminister wird Senior Advisor beim dänischen Immobilieninvestor Urban Partners, der in deutschen Großstädten in bezahlbaren Wohnraum investiert.

6. Juli 2026, 17:01 Uhr 762 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Ab dem 1. August 2026 berät Robert Habeck die dänische Investmentgesellschaft Urban Partners als Senior Advisor. Das Unternehmen mit mehr als 25 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen kauft und entwickelt in Berlin, München und Hamburg Mehrfamilienhäuser, mit dem erklärten Ziel, bezahlbaren und klimaneutralen Wohnraum zu schaffen. Habeck war bis Mai 2025 Bundeswirtschaftsminister. Sein Ressort war für Gebäudeenergiestandards zuständig. Das Unternehmen, das er jetzt berät, baut auf diesen Standards sein Geschäft.

Urban Partners und Habecks neue Rolle

Urban Partners beschreibt sich als Investmentmanager für Stadtentwicklung und urbane Räume. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Kopenhagen verwaltet laut eigenen Angaben mehr als 25 Milliarden Euro und unterhält in Deutschland Büros in Frankfurt, München und Berlin. Der Investitionsfokus liegt auf Mehrfamilienhäusern in wachsenden Großstädten, insbesondere auf Projekten, die Klimaneutralität und Erschwinglichkeit kombinieren.

Habeck soll laut Unternehmensmitteilung die Forschungsaktivitäten von Urban Partners unterstützen. Sein inhaltlicher Schwerpunkt wird auf urbaner Transformation liegen: Wie kann privates Kapital zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in wachsenden Städten beitragen? Das ist eine politische Frage, die Habeck vier Jahre lang aus einem anderen Zimmer gestellt hat.

Wirtschaftsminister und Wohnungsmarkt: Eine geteilte Zuständigkeit

Habeck war nicht Bauminister. Diese Zuständigkeit hatte von 2021 bis 2025 Klara Geywitz (SPD) inne. Die Ressorts waren formal geteilt: Geywitz verantwortete den Neubau, Habecks Wirtschaftsministerium die Gebäudesanierung und die energetischen Anforderungen an Bestandsgebäude.

Diese Trennlinie führte zu erheblichen Konflikten. Geywitz warf Habeck wiederholt vor, mit seiner Energieeffizienzpolitik den Neubau zu verteuern. Das Gebäudeenergiegesetz, das Habecks Ministerium federführend entwickelt hatte und das im Januar 2024 in Kraft trat, schrieb neue Anforderungen für Heizsysteme vor. Das Gesetz, politisch als Heizungsgesetz bezeichnet, betrifft direkt die Sanierung von Bestandsgebäuden. Das ist der Kerngeschäftsbereich von Urban Partners.

Der Zusammenhang ist materiell. Urban Partners kauft Mehrfamilienhäuser in deutschen Großstädten und entwickelt sie weiter. Die energetischen Standards, nach denen solche Projekte geplant, finanziert und behördlich bewertet werden, hat Habeck als Ressortminister mitgestaltet. Wer diese Regeln in ihrer Entstehung mitprägte, kennt ihre Spielräume besser als die meisten.

Drehtür mit 18 Monaten: Was das Gesetz verlangt

Das Bundesministersgesetz schreibt für ehemalige Mitglieder der Bundesregierung eine Anzeigeverpflichtung vor. Wer innerhalb von 18 Monaten nach dem Ausscheiden eine Tätigkeit außerhalb des öffentlichen Dienstes aufnehmen will, muss das dem Bundeskabinett melden. Die Bundesregierung kann die Aufnahme für bis zu 18 Monate untersagen, wenn die neue Tätigkeit öffentliche Interessen beeinträchtigen könnte.

Wie lange Habecks Karenzfrist läuft, ist eine Frage der Auslegung. Die Ampelkoalition zerbrach im November 2024. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz wurde am 6. Mai 2025 vereidigt, erst dann endete Habecks formales Ministeramt. Zählt man von November 2024 an, sind bis August 2026 mehr als 18 Monate vergangen. Zählt man vom formalen Amtsende im Mai 2025, beginnt die 18-Monats-Grenze erst im November 2026. t-online bezeichnete Habecks Wechsel als „Eineinhalb Jahre nach dem Ampel-Ende“ und setzte damit den informellen Startpunkt auf November 2024.

LobbyControl, die Organisation, die den Drehtüreffekt in der deutschen Politik systematisch dokumentiert, hält 18 Monate grundsätzlich für unzureichend und fordert eine dreijährige Karenzzeit. Für den Deutschen Mieterbund, dessen Präsidentin Melanie Weber-Moritz private Großinvestoren am Wohnungsmarkt seit Jahren kritisch begleitet, stellt sich eine strukturelle Frage: Wenn ein ehemaliger Wirtschaftsminister mit detailliertem Insiderwissen einem Immobilienfonds bei der Erschließung des deutschen Markts hilft, ist der Unterschied zwischen Beratung und Lobbyarbeit fließend.

1. August 2026: Reaktionen erwartet

Habeck selbst hat sich zu dem Wechsel bisher nicht öffentlich geäußert. Urban Partners gab die Berufung am 6. Juli 2026 bekannt. Spezifische Reaktionen von Mieterorganisationen oder Wohnungsmarktexperten lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Der Fall ist kein Einzelfall. Der Wechsel von Ex-Kanzler Gerhard Schröder zu russischen Energiekonzernen Ende 2005 gilt als das prominenteste Beispiel für einen politischen Seitenwechsel mit direkten außenpolitischen Konsequenzen. Urban Partners ist keine vergleichbare Konstellation: Das Unternehmen ist kein Lobbyverband und kein geopolitischer Akteur. Es ist ein Fonds, der in einem Markt investiert, den Habeck als Ressortminister mitreguliert hat. Die Frage, ob das genug Abstand ist, beantwortet das Gesetz mit 18 Monaten. Ob diese Antwort überzeugt, ist eine andere Frage.

Quellen (9)

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