961 Millionen Menschen neu mit sauberem Wasser versorgt
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961 Millionen Menschen neu mit sauberem Wasser versorgt

Zwischen 2015 und 2024 erhielten 961 Millionen Menschen erstmals Zugang zu sicher verwaltetem Trinkwasser. Der neue WHO-UNICEF-Bericht zeigt: Die globale Quote stieg von 68 auf 74 Prozent, doch 2,1 Milliarden warten noch.

24. Juni 2026, 9:03 Uhr 710 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Im August 2025 haben WHO und UNICEF beim World Water Week in Stockholm den ersten vollständigen Dekadenbericht über globale Wasserversorgung vorgelegt: Seit 2015 erhielten 961 Millionen Menschen erstmals sicher verwaltetes Trinkwasser, das entspricht mehr als der kombinierten Bevölkerung von USA und EU. Gleichzeitig leben noch 2,1 Milliarden Menschen weltweit ohne diesen Mindeststandard. Die Erhebung gilt als die verlässlichste globale Grundlage für Wasserversorgungspolitik.

Was "sicher verwaltetes Wasser" bedeutet

Die Zahl ist präzise definiert. Sicher verwaltetes Trinkwasser bedeutet nach WHO-Standard: Die Versorgung muss direkt am Gebäude oder auf dem Grundstück verfügbar sein. Sie muss täglich verlässlich zugänglich sein. Und sie muss frei sein von fäkaler sowie chemischer Kontamination. Wer täglich eine Stunde läuft, um Wasser aus einem Fluss zu holen, gilt in dieser Statistik nicht als versorgt, auch wenn das Wasser sauber aussieht.

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2015 erfüllten 68 Prozent der Weltbevölkerung diesen Standard. 2024 sind es 74 Prozent. Der Sprung klingt klein. Er entspricht 961 Millionen Menschen.

Ländliche Gebiete machten den größten Fortschritt: von 50 auf 60 Prozent. In Städten blieb die Quote mit 83 Prozent stabil, was bereits als hoch gilt. Trotzdem: 2,1 Milliarden Menschen leben noch ohne sicher verwaltetes Wasser, darunter 106 Millionen, die täglich direkt aus Flüssen, Seen oder anderen Oberflächengewässern schöpfen.

Warum dieser Bericht jetzt erscheint

Das JMP beobachtet Wasserversorgung seit 2000. Seit 2015, dem Jahr der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs), misst es gezielt das Ziel 6.1: universeller Zugang zu sicher verwaltetem Wasser bis 2030. Der Bericht von 2025 ist der erste, der einen vollständigen zehnjährigen Fortschrittsblick erlaubt.

Das Ergebnis ist zweigeteilt. Seit 2000 haben sogar 2,2 Milliarden Menschen Zugang zu sicher verwaltetem Wasser erhalten. Die ernüchternde Seite: Um SDG 6.1 bis 2030 zu erreichen, müsste das globale Tempo auf das Achtfache des derzeitigen Niveaus beschleunigt werden. Kein UN-Weltregion ist aktuell auf Kurs.

Die stärksten Fortschritte kamen aus Südasien und Südostasien, wo staatliche Infrastrukturinvestitionen besonders wirksam waren. Subsahara-Afrika bleibt die Region mit den größten Lücken, vor allem in ländlichen Gebieten, wo Leitungsnetze fehlen und Tiefbrunnen von staatlichen Stellen oft nicht dauerhaft instand gehalten werden.

Im Vergleich: Wasser als stiller Treiber von Wohlstandsgewinnen

Unter den großen Entwicklungszielen der vergangenen Jahrzehnte ist Wasserversorgung das unspektakulärste. Keine Impfkampagne, keine Krebstherapie. Aber kaum eine Maßnahme wirkt so breit und dauerhaft.

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WHO-Analysen zeigen, dass jeder in Wasser- und Sanitärversorgung investierte Dollar langfristig rund 4,3 Dollar in Gesundheitskosten einspart, weil wasserassoziierte Durchfallerkrankungen zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren zählen. Ein direkter Vergleich: Die globale Kindersterblichkeit sank von 12,8 Millionen jährlichen Todesfällen im Jahr 1990 auf unter 5 Millionen im Jahr 2022 (UNICEF). Bessere Wasser- und Sanitärversorgung ist einer der zentralen Treiber dieser Entwicklung.

Ähnlich verlief die Reduzierung extremer Armut. 1990 lebten rund 38 Prozent der Weltbevölkerung unter der absoluten Armutsgrenze von 2,15 Dollar pro Tag. Heute sind es unter 9 Prozent (Weltbank). Wasserversorgung und Armutsbekämpfung sind strukturell verknüpft: Fehlende Infrastruktur erzwingt tägliche Zeitverluste für Wasserholen, überwiegend von Frauen und Mädchen, die damit nicht zur Schule gehen oder arbeiten können.

In dieser Perspektive sind die 961 Millionen keine abstrakte Fortschrittszahl. Sie entsprechen weniger Stunden des täglichen Wasserholens, weniger Durchfallerkrankungen bei Kindern und mehr Zeit für Schule und Arbeit.

2,1 Milliarden sind noch zu erreichen

Im Februar 2026 startete die WHO ihre WASH-Strategie 2026-2035. Schwerpunkte: Infrastrukturausbau in Subsahara-Afrika, neue Finanzierungsmodelle für einkommensschwache Länder und Anpassung bestehender Wasserversorgungssysteme an die Folgen des Klimawandels.

Letzterer Punkt ist nicht trivial. Viele der 2,1 Milliarden Menschen ohne sicheres Wasser leben in Regionen, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind, mit zunehmend unberechenbaren Niederschlägen und häufigeren Dürreperioden. Wasserversorgung, die 2020 noch funktionierte, kann 2030 austrocknen.

Der Fortschritt der vergangenen zehn Jahre zeigt, dass es geht: fast 100 Millionen Menschen pro Jahr, also über 270.000 täglich, die erstmals sicheres Wasser bekommen. Die Frage ist, ob das politische und finanzielle Gewicht reicht, um das Tempo auf das Achtfache zu steigern.

Quellen (8)

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