Trump nominiert ersten festen ICE-Chef seit 12 Jahren
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Trump nominiert ersten festen ICE-Chef seit 12 Jahren

Trump hat Lance Schroyer nominiert, einen ehemaligen Oklahoma-Trooper mit 29 Jahren Strafverfolgungserfahrung, als neuen ICE-Direktor. Wenn der Senat zustimmt, wäre es der erste bestätigte Direktor der Einwanderungsbehörde seit 2014.

28. Juni 2026, 2:42 Uhr 785 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Kein Präsident der letzten zwölf Jahre hat es geschafft, ICE einen vom Senat bestätigten Direktor zu geben. Donald Trump hat am Samstag Lance Schroyer für diesen Posten nominiert, einen früheren Major der Oklahoma Highway Patrol und Marine-Veteran. Die entscheidende Frage bei seiner Bestätigungsanhörung wird sein, ob jemand mit ausschließlich staatlicher Strafverfolgungserfahrung eine Bundesbehörde mit 22.000 Beschäftigten leiten kann.

Zwölf Jahre Interimsverwaltung

Sarah Saldaña war die letzte, die es schaffte. Obama nominierte die frühere Bundesstaatsanwältin im September 2014 als ICE-Direktorin, der Senat bestätigte sie im Dezember. Sie blieb bis zum Ende von Obamas zweiter Amtszeit im Januar 2017. Seitdem haben drei Administrationen die Behörde ausschließlich mit kommissarischen Direktoren geführt. ICE ist so politisch aufgeladen, dass jede Nominierung sofort die gesamte Kongressdebatte über Einwanderungspolitik aktiviert, was Bestätigungsverfahren zäh und riskant macht.

In Trumps zweiter Amtszeit übernahm Todd Lyons als geschäftsführender Direktor. Lyons trat Ende Mai 2026 zurück, nachdem er in einer Kongressanhörung eingestehen musste, dass ICE im Vorjahr 37 Untersuchungen wegen übermäßiger Gewalt durch Beamte eingeleitet hatte. Besonders schwer wog der Tod von Renée Good und Alex Pretti, zwei US-Bürger, die im Januar 2026 in Minneapolis von Bundesbeamten erschossen wurden: Good durch ICE-Agenten, Pretti durch CBP-Beamte. Seitdem führt David Venturella die Behörde kommissarisch. Venturella ist ein langjähriger ICE-Beamter und früherer Geschäftsführer eines privaten Gefängnisunternehmens.

29 Jahre Staatspolizei, keine Bundesbehörde

Lance Schroyer arbeitete 29 Jahre bei der Oklahoma Highway Patrol und stieg bis zum Major auf. In dieser Funktion leitete er die Emergency Services Unit, eine Spezialeinheit für Katastropheneinsätze, Unruhebekämpfung und Einwanderungsdurchsetzung. Besonders prägend für seine Nominierung war seine Arbeit mit dem 287(g)-Programm des Bundes: Dieses Programm autorisiert Staatspolizeibehörden, nach einem Abkommen mit ICE eigenständig Einwanderer aufzugreifen und an die Bundesbehörde zu übergeben. Schroyer koordinierte nach Angaben von DHS-Sekretär Markwayne Mullin in der offiziellen Pressemitteilung des Ministeriums „großangelegte Operationen” zur Einwandererausweisung in Oklahoma, die Koordination zwischen Staatspolizei und Bundesbehörden erprobten.

Aktuell arbeitet Schroyer als Seniorberater von DHS-Sekretär Mullin, mit dem er in Oklahoma bereits politisch verbunden war: Mullin war Senator aus dem Bundesstaat, bevor er das DHS übernahm. Mullin lobte die Nominierung: Schroyer bringe „die nötige Erfahrung mit, um ICE noch effektiver zu machen”. Trump bezeichnete ihn auf Truth Social als „Patriot mit echter operativer Erfahrung”. Was Schroyer nicht mitbringt: Er hat noch nie eine Bundesbehörde geleitet. Seine gesamte Karriere verlief auf Staatsebene.

Rückenwind aus dem Kongress: 70 Milliarden für ICE

Schroyers Nominierung fällt in eine Phase, in der ICE so finanziert ist wie nie zuvor. Der Secure America Act, den Trump am 10. Juni unterzeichnete, stellt ICE bis zum Haushaltsjahr 2029 insgesamt 38,5 Milliarden Dollar bereit, davon 7,5 Milliarden für den Ermittlungsarm Homeland Security Investigations. Zusammen mit rund 26 Milliarden Dollar für die Grenzschutzbehörde CBP beläuft sich das Paket auf 70 Milliarden Dollar, genehmigt ausschließlich mit Republikanerstimmen.

Demokraten hatten das Gesetz monatelang blockiert und Reformauflagen verlangt: Beamte sollten sich ausweisen müssen, Rassenprofiling verboten und externe Aufsicht eingeführt werden. Diese Forderungen kamen nicht ins Gesetz. Die American Civil Liberties Union hatte den Beschluss als „Blankoscheck für ICEs und Border Patrols Kampagne des Chaos” bezeichnet. Human Rights Watch und Amnesty International hatten bereits zuvor dokumentiert, dass mehr als 50 Menschen seit Trumps Amtsantritt in ICE-Einrichtungen gestorben sind. Inhaftierte berichteten gegenüber Anwälten von Schlägen, sexuellem Missbrauch und verweigerten medizinischen Leistungen. Mit der Finanzierung über vier Jahre entfällt nun der Hebel der Demokraten, über jährliche Haushaltsentscheidungen Reformen durchzusetzen.

Anhörung im Herbst: Erste echte Bestätigung seit Obama

Konkrete Anhörungstermine stehen noch nicht fest. Der Senat tritt nach der Sommerpause im September wieder zusammen, sodass Schroyer mehrere Wochen Zeit hat, sich vorzubereiten. Im Mittelpunkt der demokratischen Befragung wird voraussichtlich seine fehlende Bundeserfahrung stehen. Dazu kommt die politisch brisante Frage, wie Schroyer plant, die Vorfälle übermäßiger Gewalt zu reduzieren, die seinen Vorgänger das Amt gekostet haben. Einige Republikaner, die zuletzt gegen Trumps Kriegspolitik stimmten, könnten ebenfalls genau prüfen.

Sollte der Senat zustimmen, wäre Schroyer der erste vom Senat bestätigte ICE-Direktor seit Sarah Saldaña 2014. Das wäre mehr als ein Personalwechsel: Es würde bedeuten, dass eine Behörde, die seit zwölf Jahren im Ausnahmemodus operiert, wieder unter dauerhafter parlamentarischer Verantwortung stünde. Ob das die Instabilität in der ICE-Führung tatsächlich beendet, hängt auch davon ab, ob Schroyer die politische Dauerschlacht um Einwanderungspolitik übersteht, die jeden seiner Vorgänger aufgerieben hat.

Quellen (12)

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