
Südkorea startet Manöver trotz Trump-Anweisung
Quellen (20)
- NBC News: Trump orders military to substantially reduce joint exercises with South Koreanbcnews.com
- CBS News: Trump orders scale-back after South Korea refused to help with Irancbsnews.com
- France 24: Trump orders scale-back of military drills hours before startfrance24.com
- The Diplomat: Trump's Exercise Cut Risks Turning Alliance Readiness Into a Bargaining Chipthediplomat.com
- NPR: Trump orders Pentagon to scale back joint exercises with South Koreanpr.org
- The Hill: Trump says he cut back joint drill because South Korea refused to help with Iranthehill.com
- CNN: Trump says US will reduce joint military exercises with South Koreacnn.com
- Foreign Policy: Trump Shrinks U.S.-South Korea Military Drills to Appease North Koreaforeignpolicy.com
- Euronews: Trump orders Pentagon to scale back military drills with South Koreaeuronews.com
- Army Recognition: Trump orders reduction citing Kim Jong Un ties and Iran Wararmyrecognition.com
- Korea Times: S. Korea, US shorten UFS exercise, scale back field drillskoreatimes.co.kr
- NBC News: US-South Korea joint military drills cut short after Trump ordernbcnews.com
- ZEIT Online: Ulchi Freedom Shield — USA und Südkorea verkürzen Manöverzeit.de
- Spiegel: USA streichen Manöver mit Südkorea nach Trumps Machtwort zusammenspiegel.de
- The Korea Herald: S. Korea unaware of joint drill scale-down before Trump postkoreaherald.com
- The Korea Herald: Trump overtures to Kim Jong-un a turning pointkoreaherald.com
- Korea Times: Trump pushes for Kim Jong-un meeting this year (WSJ)koreatimes.co.kr
- Bloomberg: China's Top Envoy to Visit Seoul as Trump Shakes US-Korea Tiesbloomberg.com
- US News: China's Wang Yi in South Korea for Talksusnews.com
- Korea Herald: Lee to meet Wang Yi Thursdaykoreaherald.com
Am Montag haben US-amerikanische und südkoreanische Soldaten die Übungsserie Ulchi Freedom Shield planmäßig gestartet: elf Tage kombinierte Manöver auf der koreanischen Halbinsel. Das südkoreanische Generalstabskommando bestätigte gegenüber Reuters, dass die Übungen wie geplant begännen. Einen Tag zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Verteidigungsminister Pete Hegseth angewiesen, die amerikanische Beteiligung "substanziell zu reduzieren". Seoul hat die Anweisung schlicht ignoriert.
Was Ulchi Freedom Shield ist und was Trump anordnete
Ulchi Freedom Shield ist die wichtigste jährliche Sommerübungsserie von US-Streitkräften und südkoreanischem Militär. Die Manöver dauern elf Tage und umfassen Szenarien für gemeinsame Präzisionsschläge, den Flussübergang unter Gefechtsbedingungen und die Verteilung vorgelagerter Ausrüstung. Die Übungen laufen bis zum 27. August 2026.
Trump verkündete seine Anweisung am Sonntag auf Truth Social und bezeichnete die Manöver als "vollständig unangemessen und ein feindseliges Signal" an Nordkorea. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un verhalte sich während seiner Amtszeit "respektvoll und nicht bedrohlich". Außerdem seien die Übungen teuer. Verteidigungsminister Pete Hegseth erhielt die Weisung zur Kürzung der US-Beteiligung. Konkrete Zahlen nannte Trump nicht. Die 28.500 US-Soldaten, die dauerhaft auf der koreanischen Halbinsel stationiert sind, sind von der Anweisung formal nicht betroffen.
Welche konkreten Übungselemente gestrichen werden und in welchem Umfang Hegseth die Anweisung umsetzt, blieb nach Übungsbeginn unklar.
Iran als eigentlicher Auslöser: Seouls Weigerung beim Krieg
Hinter der Kürzungsanweisung steckt ein bilateraler Streit über den Irankrieg. Trump erklärte öffentlich, er habe Südkoreas Präsidenten Lee Jae-myung gefragt, ob Seoul die USA bei der "Entnuklearisierung Irans" unterstützen wolle. Die Antwort sei gewesen: "Nein danke." Die Manöverkürzung sei eine direkte Konsequenz.
Seouls Reaktion ließ diese Darstellung nicht gelten. Das südkoreanische Außenministerium teilte mit, man diskutiere "potenzielle Militärbeiträge", berücksichtige dabei die eigene Verteidigungsbereitschaft auf der Halbinsel und nationale Rechtsvorschriften. Eine pauschale Ablehnung habe es nicht gegeben.
Tatsächlich steckt Südkorea in einem strukturellen Dilemma. Das Land unterhält wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen zum Iran. Eine direkte Beteiligung am US-Irankrieg würde erhebliche Risiken mit sich bringen. Hinzu kommt: Südkoreanisches Recht verlangt für Kampfeinsätze im Ausland einen Parlamentsbeschluss, der derzeit nicht vorliegt. Lee Jae-myung, der einen diplomatischen Annäherungskurs gegenüber Nordkorea verfolgt, hat keinen Anreiz, für Washingtons Agenda im Persischen Golf die eigene Sicherheitslage zu gefährden.
Nordkorea verurteilt die Manöver trotzdem
Trumps Prämisse, eine Reduzierung der Übungen sende Nordkorea ein versöhnliches Signal, trifft auf ein Faktenproblem: Pjöngjang verurteilte Ulchi Freedom Shield trotz der Kürzungsankündigung. Ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums warnte vor einer "erhöhten Bedrohungslage" und kündigte an, mit einem "neuen Niveau der Abschreckung" zu reagieren.
Das Muster ist nicht neu. Nach seinem ersten Gipfeltreffen mit Kim Jong-un in Singapur im Juni 2018 hatte Trump die damaligen August-Manöver "Ulchi Freedom Guardian" komplett ausgesetzt. Er bezeichnete sie als provokativ und teuer. Nordkorea machte keine wesentlichen Zugeständnisse und die Übungen wurden später wieder aufgenommen.
Nordkorea hat seit 2022 keine direkten Gespräche mit Washington geführt. Eine diplomatische Öffnung Pjöngjangs im Gegenzug für Übungskürzungen ist historisch nicht dokumentiert. Kim Jong-un baut die nordkoreanischen Nuklearkapazitäten und das ballistische Raketenprogramm kontinuierlich aus.
Das Bündnis steht formal, aber das Vertrauen leidet
Die Stationierung von 28.500 US-Soldaten in Südkorea basiert auf dem Mutual Defense Treaty von 1953. Diese Grundlage kann Trump nicht per Anweisung über eine Social-Media-Plattform aufheben. Was er verändern kann, sind gemeinsame Übungen und damit die operative Verfassung des Bündnisses.
Die außenpolitische Analysepublikation The Diplomat formulierte das Risiko klar: Trumps Kürzungen riskierten, "die Einsatzbereitschaft des Südkorea-US-Bündnisses in ein Verhandlungspfand zu verwandeln". Gemeinsame Übungen seien keine Symbolpolitik, sondern operative Notwendigkeit. Wer nicht regelmäßig zusammen übt, kann im Ernstfall nicht nahtlos zusammen kämpfen. Die Foreign Policy ergänzt, dass Trumps Kurs darauf abziele, Nordkorea mit der Reduktion entgegenzukommen, ohne dass Pjöngjang dafür eine Gegenleistung biete.
Für die südkoreanische Öffentlichkeit ist die Dramatik der Ankündigung nicht zu übersehen: weniger als 24 Stunden vor Übungsbeginn, über eine Social-Media-Plattform, ohne diplomatische Konsultation. Seouls Reaktion, einfach weiterzumachen, war pragmatisch. Aber es ist keine Dauerlösung für ein Bündnis, das auf gegenseitigem Vertrauen beruht.
27. August: Dann zeigt sich, was von Trumps Anweisung übrig bleibt
Die Übungen laufen bis zum 27. August. Erst dann wird erkennbar, ob und wie die US-Beteiligung tatsächlich reduziert wurde und ob die südkoreanische Armee die Differenz mit eigenen Mitteln aufgefangen hat.
Die eigentliche Frage stellt sich danach: ob die Kürzung eine einmalige Reaktion auf den Streit über den Irankrieg war oder ob Trump die gemeinsamen Manöver dauerhaft als Druckmittel gegenüber Verbündeten einsetzt, die seine Agenda nicht mittragen. Für die Frühjahrsübungen 2027 wird Seoul bereits jetzt eine Antwort vorbereiten müssen.
Lee Jae-myung hat sich in eine ambivalente Position manövriert. Eine diplomatische Entspannung auf der Halbinsel käme seinem Kurs entgegen und reduzierte Manöver könnten dazu beitragen. Aber keine südkoreanische Regierung kann öffentlich auf den Schutz durch die US-Allianz verzichten, ohne erhebliche innenpolitische Kosten zu tragen. Kim Jong-un hat seinerseits keine Konzessionsbereitschaft signalisiert: Nordkorea führt weiter Raketentests durch und baut sein Nuklearprogramm aus.
Aktualisierungen
Update 19. August, 07:05 Uhr: Ulchi Freedom Shield endet sechs Tage früher als angekündigt: Die Manöver laufen nun nur bis Freitag, 21. August, nicht bis zum 27. August. Seouls Verteidigungsministerium bestätigte am Dienstag, dass Washington um die Verkürzung gebeten hatte. Die zweite Phase des computergestützten Stabsübens, ursprünglich für 24. bis 27. August geplant, entfällt vollständig. Von 14 geplanten gemeinsamen Feldübungen auf Bataillonsebene werden weniger als zehn gestrichen oder auf südkoreanische Eigenübungen reduziert. Das Pentagon erklärte, essenzielle Einsatzbereitschaftsziele würden dennoch erreicht. Pjöngjang, das bereits zuvor vor einer 'erhöhten Bedrohungslage' gewarnt hatte, äußerte sich zur Verkürzung nicht.
Update 19. August, 10:05 Uhr: Südkoreas Außenminister Cho Hyun räumte in einer Parlamentsanhörung ein, dass weder die südkoreanische noch die US-Regierung von Trumps Truth-Social-Post vorab Kenntnis hatte: „Weder unsere Regierung noch Vertreter der US-Regierung hatten Vorkenntnis von dem, was Präsident Trump auf Truth Social verkündete.“ Cho bewertete den Schritt als mehrdimensionalen Druck: Trumps Botschaft enthalte Druck in mehreren offenen bilateralen Fragen, ein Signal an Nordkorea sowie die Absicht, die Sackgasse im Irankrieg aufzubrechen. Parallel berichtete das Wall Street Journal, Trump strebe ein Gipfeltreffen mit Kim Jong-un noch in diesem Jahr an, möglicherweise im November am Rande des APEC-Gipfels in Shenzhen. Offizielle Vorbereitungen hätten nach Angaben von US-Regierungsvertretern noch nicht begonnen.
Update 20. August, 04:00 Uhr: Chinas Außenminister Wang Yi ist am Mittwoch in Seoul eingetroffen, seinen ersten Besuch in Südkorea seit fast fünf Jahren. Das Timing ist diplomatisch bemerkenswert: Wang Yi reist genau in der Woche an, in der Washington die Manöverkürzung anordnete. Bloomberg: „Chinas Chefdiplomat besucht Seoul, während Trump die US-Südkorea-Beziehungen erschüttert.“ Präsident Lee Jae-myung trifft Wang Yi am Donnerstag. Seoul wird China um eine konstruktive Rolle bei der Stabilisierung der koreanischen Halbinsel bitten. Je mehr Washington an Verlässlichkeit verliert, desto aktiver füllt Peking das Vakuum.
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