
NATO-Jet schießt Drohne über Rumänien ab
Quellen (10)
- t-online: NATO-Kampfjet schießt Drohne über Rumänien abt-online.de
- Tagesspiegel: Erneutes Eindringen in Luftraumtagesspiegel.de
- NBC News: Suspected Russian drone shot down in Romanianbcnews.com
- Al Jazeera: Russian strikes kill Ukrainian woman, NATO jet downs drone over Romaniaaljazeera.com
- France 24: Drone and missile strikes kill 19 in Russia and Ukrainefrance24.com
- CNBC: Suspected Russian drone shot down in Romanian airspacecnbc.com
- web.de: NATO-Kampfjet schießt Drohne im rumänischen Luftraum abweb.de
- ZDF heute: Russland — Opposition Jabloko von Wahl ausgeschlossenzdfheute.de
- WZ: Russland — liberale Oppositionspartei reicht Berufung einwz.de
- 20 Minuten: Warum Putin die Partei Jabloko fürchtet20min.ch
Um 04:44 Uhr meldeten rumänische Radarschirme eine Drohne, die aus moldauischem Luftraum kommend in den nationalen Luftraum eindrang. Siebzehn Minuten später feuerte ein spanischer F-18-Kampfjet. Es war das vierte Mal in diesem Jahr, dass die NATO über Rumänien ein mutmaßlich russisches Fluggerät abschoss. Erstmals erklärte ein NATO-Sprecher offiziell, die Drohne sei dem Anschein nach russischen Ursprungs gewesen.
Vier Abschüsse, ein Muster
Der spanische Kampfjet gehörte zu einer routinemäßigen NATO-Luftraumüberwachungsmission. Die abgeschossene Drohne flog aus Richtung Moldova auf rumänisches Gebiet zu. Um 05:01 Uhr feuerte der F-18. Die Trümmer gingen nach Militärangaben über unbewohntem Terrain im Bezirk Galați nieder, etwa 150 Kilometer nördlich des Schwarzen Meeres.
Rumäniens Verteidigungsministerium machte keine offiziellen Angaben zur Herkunft des Fluggeräts. Ein NATO-Sprecher war konkreter: Die Drohne sei „dem Anschein nach russisch" gewesen. Es war das erste Mal, dass die Allianz nach einem der Rumänien-Vorfälle eine solche Einschätzung öffentlich machte.
Die vier Drohnenabschüsse in diesem Jahr folgen einem geografischen Muster. Rumänien grenzt im Nordosten an die Ukraine und liegt an der NATO-Außenflanke zum Schwarzen Meer. In allen Vorfällen näherten sich die Drohnen entweder aus ukrainischem oder moldauischem Luftraum. Russland greift die Ukraine regelmäßig mit Drohnenwellen an, bei denen einzelne Geräte vom Kurs abweichen oder von der ukrainischen Luftabwehr in Richtung Westen abdriften können.
19 Tote: Die Angriffsnacht vom 16. auf den 17. August
Der Abschuss über Rumänien ereignete sich während einer der intensivsten Angriffsnächte des bisherigen Jahres. Die Ukraine beschoss erneut die Region Moskau und mehrere weitere russische Gebiete: Ein 83-jähriger Mann starb, als eine Drohne sein Haus in der Moskauer Oblast traf. In der Region Rostow am Don, die direkt an die Ukraine grenzt, kamen fünf Zivilisten ums Leben, als Drohnen in Wohngebiete einschlugen. Ein Lager des Online-Händlers Wildberries in Domodedowo brannte, nachdem es bereits in den Nächten zuvor getroffen worden war.
Russland antwortete mit Raketen und Drohnen auf ukrainische Ziele. In Kyjiw brannte ein Buchmarkt nahe der Metro-Station Potschaina nieder, sechs Menschen wurden verletzt. Zwei Arbeiter kamen in einem Stahlwerk ums Leben, das von Raketen getroffen wurde. Die Nachrichtenagentur France 24 bezifferte die Gesamtzahl der Todesopfer aus beiden Seiten auf mindestens 19.
Unfall oder Kalkül: Was der vierte Abschuss bedeutet
Die Frage, ob russische Drohnen NATO-Luftraum bewusst verletzen oder zufällig abdriften, ist innerhalb des Bündnisses nicht abschließend beantwortet. Beide Szenarien sind plausibel: Die Ukraineoperationen umfassen täglich mehrere Hundert Drohnen, von denen ein Teil durch russische Gegenmaßnahmen oder technische Fehler vom Kurs abgebracht wird. Eine gezielte Luftraumverletzung wäre hingegen ein schwerwiegender Schritt mit kaum kalkulierbaren Konsequenzen.
Artikel 5 des NATO-Vertrags sieht kollektive Verteidigung im Fall eines bewaffneten Angriffs auf ein Mitglied vor. Ob abdriftende Drohnen darunter fallen, ist rechtlich und politisch umstritten. Das Bündnis hat nach den bisherigen Vorfällen jeweils betont, keine Hinweise auf eine bewusste Verletzung gefunden zu haben. Die Häufung macht diese Antwort jedoch zunehmend schwerer aufrechtzuerhalten.
Die Frage, was beim nächsten oder übernächsten Vorfall geschehen soll, stellt sich innerhalb der Allianz mit zunehmender Dringlichkeit. Rumänien hat nach jedem Abschuss Protestnoten übermittelt. Eine formale NATO-Beratung auf Botschafterebene ist nach dem vierten Vorfall erwartet worden.
Jabloko: Die Berufungsverhandlung in Moskau
Parallel zur militärischen Eskalation hat Russland am Montag die Berufung der liberalen Partei Jabloko über ihren Ausschluss aus der Parlamentswahl verhandelt. Russlands Oberstes Gericht hatte Jabloko am 10. August von der Wahl im September ausgeschlossen. Die offizielle Begründung: Verstöße gegen das Wahlrecht und angebliche ausländische Finanzierung, Vorwürfe, die Jabloko bestreitet.
Jabloko war die einzige verbliebene liberale Partei in Russland, die für ein Kriegsende eintrat und Kandidaten aufstellen durfte. Experten hatten der Partei erstmals seit 2003 Chancen auf einen Einzug in die Staatsduma eingeräumt, da junge Russen bei den letzten Umfragen deutlich kritischer gegenüber dem Krieg eingestellt sind als ältere Generationen. Die Berufungsverhandlung begann am Montag. Das Urteil wird in den kommenden Tagen erwartet.
Russlands Wahl im September und die NATO-Beratungen
Die parlamentarische Wahl in Russland ist für den 18. bis 20. September angesetzt. Ein Ausschluss Jablokos würde bedeuten, dass keine einzige Partei im Stimmzettel steht, die sich offiziell gegen den Krieg ausgesprochen hat. Die Antwort der NATO auf die Drohnenabschüsse wird in der Woche nach dem vierten Vorfall erwartet.
Beide Entwicklungen beschreiben dasselbe Russland: Es testet im Außenverhältnis die Grenzen des NATO-Raums, während es im Inneren die letzten institutionellen Kanäle für politischen Widerspruch schließt.
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