
Erstmals in Kiew: US-Gesandte bringen Friedensplan
Quellen (13)
- NBC Newsnbcnews.com
- CNNcnn.com
- Handelsblatthandelsblatt.com
- CNBCcnbc.com
- ABC Newsabcnews.com
- Washington Postwashingtonpost.com
- Axiosaxios.com
- Euromaidan Presseuromaidanpress.com
- CBS Newscbsnews.com
- Berliner Zeitungberliner-zeitung.de
- tagesschautagesschau.de
- Tagesspiegel: Selenskyj nach Gesprächentagesspiegel.de
- ZDF Heute: Ukraine-Blogzdfheute.de
Nach acht Monaten diplomatischen Stillstands reisen die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner heute zum ersten Mal in die ukrainische Hauptstadt Kiew. Möglich wurde der Besuch, weil Präsident Putin am Samstag eine 72-stündige Feuerpause über Kiew anordnete. Trump hat seinen Gesandten nach eigener Aussage einen Friedensvorschlag mitgegeben. Ob dieser in Kiew angenommen werden kann, hängt von Fragen ab, die seit Beginn des Krieges ungelöst sind.
Acht Monate ohne Dialog über Ukraine
Der Iran-Krieg hat die Ukrainediplomatie faktisch eingefroren. Seit dem 28. Februar 2026, als die USA gemeinsam mit Israel iranische Militärziele angriffen und Washington seine außenpolitische Energie auf den Persischen Golf konzentrierte, lagen die Gespräche über ein Ende des Ukrainekrieges brach. Acht Monate, in denen Russland seinen Angriffskrieg im Osten der Ukraine fortführte, Kiew weiterhin Städte im russischen Hinterland mit Drohnen traf und kein einziges substanzielles Gespräch zwischen Washington und Moskau über die Ukraine stattfand.
Den letzten ernsthaften Versuch, eine Formel für ein Kriegsende zu finden, hatten Witkoff und Kushner Anfang Februar 2026 in Abu Dhabi unternommen, ohne dabei Kiew zu besuchen. Das wurde in der ukrainischen Hauptstadt als Zurücksetzung empfunden. Die Reise vom heutigen Sonntag, die erste überhaupt nach Kiew, ist deshalb nicht nur ein diplomatischer Termin, sondern auch eine Korrektur dieses Signals.
Drei Stunden im Kreml, dann nach Kiew
Am Samstag landeten Witkoff und Kushner in Moskau. Das Gespräch mit Putin im Kreml dauerte nach Kremlangaben drei Stunden. Kremlassistent Juri Uschakow beschrieb die Unterredung als substanziell, konstruktiv, außergewöhnlich offen und von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Putin selbst soll den Gesandten gegenüber volles Vertrauen in die US-Vermittlung erklärt haben.
Noch am Samstagnachmittag ordnete Putin an, dass für 72 Stunden keine russischen Angriffe auf Kiew stattfinden dürften. Die Ukraine erklärte ihrerseits, während des Besuchs auf Luftangriffe gegen Moskau zu verzichten. So entstand eine begrenzte, hauptstadtbezogene Feuerpause: nicht auf der gesamten Front, nicht im ganzen Kriegsgebiet, sondern nur dort, wo die Gesandten ein- und ausreisen. Selenskyj betonte, Kiew werde die Sicherheit der Delegation garantieren. ABC News und die Washington Post berichten übereinstimmend über diesen Ablauf.
Putins Geste und ihr Beigeschmack
Was auf den ersten Blick wie ein Zeichen der Gesprächsbereitschaft wirkt, lässt sich auch anders lesen. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte gegenüber Axios, es sei beim Treffen nicht die Rede von neuen Ideen zur Beendigung des Konflikts gewesen. Putins Territorialforderungen, darunter die Annexion der vier ukrainischen Oblaste Donezk, Luhansk, Saporizhzhia und Cherson sowie die Anerkennung der Krim als russisch, bleiben unverändert. Kiew hat diese Forderungen durchgängig abgelehnt.
Die 72-stündige Feuerpause gilt zudem nur für Angriffe auf Kiew, nicht für die rund 1.200 Kilometer lange Frontlinie. An anderen Abschnitten kämpfen russische und ukrainische Einheiten weiter. Die Geste ist ein diplomatisches Signal, kein militärisches Einlenken. Euromaidan Press weist darauf hin, dass ähnliche symbolische Gesten in der Vergangenheit keine langfristigen Waffenruhen nach sich zogen.
Was Kiew von Washington erwartet
Selenskyj hat für den Besuch weitreichende Sicherheitsgarantien übernommen: keine ukrainischen Angriffe auf Moskau. Was Trump seinen Gesandten als Vorschlag für ein Kriegsende mitgegeben hat, ist öffentlich nicht bekannt. Berichte aus Washington, zuletzt von CNN und CBS News, deuten auf einen erneuten Versuch hin, einen Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinie zu erreichen, kombiniert mit Sicherheitszusagen durch eine Koalition europäischer Staaten statt einer formellen NATO-Mitgliedschaft.
Genau daran scheiterten frühere US-Friedenspläne: Die Ukraine fordert bindende Sicherheitsgarantien, vorzugsweise durch eine NATO-Mitgliedschaft. Russland lehnt jede NATO-Erweiterung Richtung Ukraine kategorisch ab. Jedes Konzept, das zwischen diesen Polen vermitteln soll, muss in Kiew innenpolitisch vermittelbar sein. Nach mehr als vier Kriegsjahren ist die ukrainische Gesellschaft tief gespalten zwischen dem Wunsch nach Frieden und dem Beharren auf territorialer Integrität.
Hinzu kommt: Kiew hat laut Berliner Zeitung eigene Forderungen formuliert, darunter eine Garantie für den Schutz ziviler Infrastruktur und die Rückkehr aller Kriegsgefangenen. Wie Washington mit diesen Punkten umgeht, blieb nach dem Kreml-Gespräch offen.
Bis Montag muss Kiew antworten
Der Kiew-Besuch findet am heutigen Sonntag statt. Witkoff und Kushner werden danach nach Washington zurückkehren und Trump über das Ergebnis informieren. Sollte Selenskyj Verhandlungsbereitschaft signalisieren, wäre der nächste Schritt ein Format für strukturierte Gespräche, möglicherweise unter Beteiligung europäischer Verbündeter als Sicherheitsgaranten.
Die entscheidende Frage wird sein, ob Washington diesmal bereit ist, Russland ohne vollständige Gegenleistung in Richtung Sanktionserleichterungen zu bewegen. Ohne wirtschaftliche Anreize für Moskau gibt es keine materielle Grundlage für ein Abkommen. Und ohne diese Grundlage bleibt jede Feuerpause das, was die aktuelle ist: ein Signal, befristet auf 72 Stunden.
Aktualisierungen
Update 7. September, 03:10 Uhr: Selenskyj äußerte sich nach den Gesprächen vorsichtig. In einer Erklärung nach dem Treffen mit Witkoff und Kushner sagte er, die Ukraine brauche ein "Winterpaket", falls sich der Krieg bis in die Wintermonate ziehe: Munition, Luftabwehrsysteme und zivile Schutzinfrastruktur. Einen konkreten Verhandlungsrahmen schlug er nicht vor. Militärisch eskalierte die Lage parallel weiter: Dnipro und vier Landkreise wurden über 20 Mal angegriffen, eine Person kam ums Leben, 14 wurden verletzt. Witkoff und Kushner sind nach Washington abgereist und werden Trump über die Gespräche informieren.
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