Globaler Ozeanvertrag tritt in Kraft: Schutz für zwei Drittel der Meere
Zwei Drittel der Weltmeere galten lange als Niemandsland. Kein Staat war zuständig, kein Abkommen verbindlich. Seit dem 16. Januar 2026 ist das anders: Das UN-Hochseeschutzabkommen ist in Kraft getreten und schafft erstmals einen rechtsverbindlichen Rahmen für die internationale Hohe See. Über 20 Jahre wurde dafür verhandelt.
Was das Abkommen regelt
Das Abkommen, offiziell bekannt als BBNJ-Agreement (Biodiversity Beyond National Jurisdiction), ermöglicht drei Dinge, die bislang fehlten. Erstens können erstmals Meeresschutzgebiete auf Hoher See ausgewiesen werden, also außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone staatlicher Hoheitsgewässer. Zweitens müssen Eingriffe in internationale Gewässer, etwa Tiefseebergbau oder wissenschaftliche Großprojekte, künftig Umweltverträglichkeitsprüfungen durchlaufen. Drittens regelt das Abkommen die Nutzung genetischer Ressourcen aus internationalen Gewässern und die gerechte Verteilung daraus entstehender Gewinne.
Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens hatten 81 Staaten das Abkommen ratifiziert und 145 unterzeichnet. Die notwendige Ratifizierungsschwelle von 60 Staaten war im September 2025 erreicht worden.
Warum das so lange dauerte
Die Verhandlungen begannen im Jahr 2004 im Rahmen der UN-Generalversammlung. Der Knackpunkt war jahrelang die Frage, wie Gewinne aus der Nutzung genetischer Ressourcen der Tiefsee aufzuteilen sind. Pharma- und Biotechunternehmen sichern sich seit Jahren Patente auf Substanzen aus Tiefseelebewesen. Entwicklungsländer forderten eine Beteiligung an diesen Gewinnen, reiche Industriestaaten lehnten verbindliche Abgaben lange ab. Der Kompromiss, der im Juni 2023 in New York erzielt wurde, sieht einen Fonds vor, in den ein Anteil der Einnahmen fließt und der ärmeren Ländern zugutekommen soll.
Was Kritiker sagen
Umweltorganisationen wie Greenpeace und der WWF begrüßen das Abkommen, warnen aber vor zu früher Zufriedenheit. Das Abkommen schafft Instrumente, nutzt diese aber noch nicht. Ob tatsächlich großflächige Schutzgebiete auf Hoher See eingerichtet werden, hängt von den künftigen Beschlüssen der Vertragsstaatenkonferenz ab. Die erste Konferenz ist für 2026 geplant. Umweltrechtlerin Harriet Harden-Davies von der Universität Edinburgh betonte: Das Abkommen sei ein Werkzeugkasten. Jetzt komme es darauf an, die Werkzeuge auch zu benutzen.
Ein weiterer Kritikpunkt: Die Vereinigten Staaten haben das Abkommen bislang nicht ratifiziert. Da die USA zu den größten Nutzern internationaler Gewässer zählen, mahnen Experten, dass die Wirkung des Abkommens begrenzt bleibt, solange Washington fernbleibt.
Das nächste Datum
Die erste Vertragsstaatenkonferenz soll noch im Jahr 2026 stattfinden. Dort wird darüber entschieden, welche konkreten Meeresschutzgebiete auf Hoher See als erste ausgewiesen werden. Umweltorganisationen drängen auf Schutz für besonders artenreiche Tiefseelebensräume wie den Mittelatlantischen Rücken und die Hochseekuppen des Pazifiks.