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Wirtschaft
Fünf Tage Streik: Wie zwei Gewerkschaften Lufthansa gleichzeitig lahmlegen

Fünf Tage Streik: Wie zwei Gewerkschaften Lufthansa gleichzeitig lahmlegen

Zum ersten Mal in der Geschichte der Lufthansa streiken Piloten und Kabinenpersonal an einem Tag gleichzeitig. Fünf aufeinanderfolgende Streiktage, zwei unabhängige Gewerkschaften, keine Verhandlungstermine: Warum der Arbeitskampf strukturell nicht enden kann.

15. April 2026, 4:35 Uhr 722 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Heute Morgen ist der dritte Tag eines Streikmarathons, der in der Geschichte der Lufthansa seinesgleichen sucht. Seit Montag, dem 13. April, streikt an jedem Werktag mindestens eine Gewerkschaft bei Europas größter Airline. Ab Donnerstag sind es erstmals beide gleichzeitig. Was das bedeutet: Wer an diesem Donnerstag von Frankfurt oder München fliegen will, trifft auf ausgefallene Flüge von zwei Seiten. Piloten und Kabinenpersonal legen gemeinsam die Arbeit nieder, ohne miteinander abgesprochen zu sein. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis zweier unabhängiger Tarifkonflikte, die sich strukturell überlagern.

Fünf Tage, zwei Gewerkschaften, ein Konzern

Die Vereinigung Cockpit (VC) rief die Piloten für Montag und Dienstag, den 13. und 14. April, in den Ausstand. Über 700 Flüge fielen allein am Montag aus, Bloomberg nannte es den schlimmsten Pilotenstreik seit zehn Jahren. Unmittelbar anschließend rief die Kabinengewerkschaft UFO das Kabinenpersonal für Mittwoch und Donnerstag, den 15. und 16. April, zum Streik auf. Lufthansa erwartet für beide Tage eine Ausfallquote von 80 bis 90 Prozent. Parallel dazu hat die Vereinigung Cockpit neue Pilotenstreiks für Donnerstag und Freitag, den 16. und 17. April, angekündigt. Das Ergebnis: fünf aufeinanderfolgende Tage, an denen Lufthansa nicht normal fliegen kann und ein Donnerstag, an dem Piloten und Kabinenbesatzungen gemeinsam die Arbeit niederlegen.

Betroffen sind alle Abflüge der Deutschen Lufthansa AG, Lufthansa CityLine, Lufthansa Cargo und Eurowings von deutschen Flughäfen. Eine Ausnahme haben beide Gewerkschaften ausdrücklich vereinbart: Flüge in den Nahen Osten und in die Region sind ausgenommen. Die Vereinigung Cockpit nannte als Grund die aktuelle geopolitische Lage. Über 1.800 Flugbewegungen sind allein für die UFO-Streiktage gestrichen.

Zwei getrennte Konflikte ohne gemeinsame Lösung

Was diesen Arbeitskampf von früheren Streikwellen unterscheidet, ist die strukturelle Parallelität. UFO und Vereinigung Cockpit verhandeln getrennt, haben unterschiedliche Forderungen und handeln unabhängig voneinander. Eine Einigung in einem Tarifstreit löst den anderen nicht.

Die Vereinigung Cockpit fordert höhere Rentenbeiträge und eine verbesserte betriebliche Altersversorgung. VC-Chef Andreas Pinheiro hatte eine Schlichtung vorgeschlagen; Lufthansa erklärte sich grundsätzlich offen, verknüpfte das Angebot jedoch mit einer Bedingung: Alle offenen Tarifthemen müssten gemeinsam eingebracht werden. Pinheiro lehnte das ab. Ohne ein konkretes Angebot des Arbeitgebers gebe es nichts zu vermitteln. Lufthansa bezeichnete die Forderungen der Vereinigung Cockpit öffentlich als absurd.

UFO vertritt rund 19.000 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter bei Lufthansa und CityLine. Im Kern geht es um einen neuen Manteltarifvertrag, der Arbeitszeiten und Ruhezeiten grundlegend neu regeln soll. Hinzu kommt ein eigener Sozialtarifvertrag für die rund 800 Beschäftigten der Lufthansa CityLine. Auch hier liegt kein Angebot vor, das die Gewerkschaft als ernsthafte Verhandlungsgrundlage akzeptiert.

Warum jetzt und warum so lange

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Lufthansa hat ihren Personalbestand in der Coronakrise massiv reduziert, fliegt heute aber wieder nahezu auf Vorkrisenniveau. Die verbliebenen Beschäftigten arbeiten unter höherem Druck: Dienstpläne werden kurzfristig geändert, Ruhezeiten ausgereizt, Vertretungsregelungen laufen ins Leere. Beide Gewerkschaften nutzen die Frühjahrssaison bewusst als Druckmittel, denn jetzt treffen Flugausfälle den Konzern am härtesten. Für die Frühjahrsferien in mehreren Bundesländern sind die Streichungen bereits einkalkuliert.

Dass beide Konflikte gleichzeitig eskalieren, hängt auch damit zusammen, dass Lufthansa in den zurückliegenden Monaten auf Zeit gesetzt hat. Die Urabstimmungen beider Gewerkschaften zeigten eine außergewöhnliche Mobilisierung: Bei der Vereinigung Cockpit stimmten 94 Prozent der Piloten für unbegrenzte Streikmaßnahmen. Solche Werte signalisieren, dass die Bereitschaft zum Arbeitskampf tief in der Belegschaft verankert ist und nicht mit schnellen Symbolzugeständnissen zu überbrücken ist.

Was Reisende wissen müssen

Passagiere mit gestrichenen Flügen haben Anspruch auf kostenlose Umbuchung auf den nächstmöglichen verfügbaren Flug oder vollständige Ticketerstattung. Schadensersatzansprüche nach der EU-Fluggastrechteverordnung 261/2004 entfallen, weil Streiks als außergewöhnlicher Umstand gelten, der außerhalb der Kontrolle der Airline liegt. Wer auf Nahostverbindungen gebucht hat, ist von beiden Streikwellen ausgenommen. Für alle anderen gilt: Umbuchungen über die Lufthansa-App oder die Servicehotline vornehmen, nicht auf eine Lösung am Flughafen warten.

Ausblick: Kein Ende absehbar

Für die kommende Woche sind keine Verhandlungstermine zwischen Lufthansa und einer der beiden Gewerkschaften bekannt. Die Vereinigung Cockpit hat signalisiert, weitere Streiks seien möglich, solange Lufthansa kein konkretes Angebot vorlegt. UFO hat sich ähnlich geäußert. Für den Konzern, der gerade sein 100-jähriges Jubiläum mit Bundeskanzler Friedrich Merz gefeiert hat, ist das der dichteste Arbeitskampfkalender seit über einem Jahrzehnt. Der nächste Eskalationsschritt wäre ein unbefristeter Ausstand. Beide Gewerkschaften haben die rechtliche Grundlage dafür durch ihre Urabstimmungen bereits gelegt.

KI-gestützt erstellt

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