Sechs Kandidaten für Guterres' Nachfolge: Abstimmung am 30. Juli
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Sechs Kandidaten für Guterres' Nachfolge: Abstimmung am 30. Juli

Am 23. Juli stellten sich sechs Kandidaten in der UN-Vollversammlung für das Amt des Generalsekretärs vor. Ab dem 30. Juli stimmt der Sicherheitsrat ab. Annalena Baerbock hat den Auswahlprozess als Generalversammlungspräsidentin maßgeblich gestaltet.

24. Juli 2026, 12:43 Uhr 810 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Eine Woche vor Beginn der formellen Abstimmung im UN-Sicherheitsrat hat sich das Rennen um Guterres' Nachfolge konkretisiert. Am 23. Juli stellten sich in der Vollversammlung in New York sechs Kandidaten in einer 90-minütigen Debatte vor. Sie wollen ab Januar 2027 das einflussreichste diplomatische Amt der Welt übernehmen, in einer Phase, in der die Vereinten Nationen selbst als Institution in der Krise stecken. Die Abstimmung im Sicherheitsrat beginnt am 30. Juli.

Der Auswahlprozess: Wie die UN ihren Chef bestimmt

António Guterres scheidet am 31. Dezember 2026 aus dem Amt. Sein Nachfolger muss vom Sicherheitsrat empfohlen und von der Generalversammlung bestätigt werden. Der Sicherheitsrat besteht aus fünfzehn Mitgliedern: den fünf ständigen Mitgliedern USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien, die ein Vetorecht besitzen, sowie zehn nichtständigen Mitgliedern.

Den Prozess auf Seiten der Generalversammlung hat Annalena Baerbock geleitet. Die frühere deutsche Außenministerin ist seit Juni 2025 Präsidentin der 80. UN-Generalversammlung. Sie hat die Terminplanung für die Kandidaten-Dialoge festgesetzt, die Fragerunden im April und die Abschlussveranstaltung am 23. Juli organisiert. Es war Baerbocks Rolle, die Fragen der Mitgliedstaaten, UN-Mitarbeiter und Zivilgesellschaft zu kanalisieren und die Debatte zu strukturieren.

Informelle Probeabstimmungen ('straw polls') im Sicherheitsrat zeigen die Richtung an, bevor eine förmliche Empfehlung beschlossen wird. Der neue Generalsekretär tritt sein Amt am 1. Januar 2027 an.

Sechs Kandidaten, kein Europäer

Die sechs formellen Kandidaten kommen ausschließlich aus Lateinamerika und Afrika, eine unausgesprochene Konvention des Auswahlprozesses: Die fünf Vetomächte stellen traditionell keinen Generalsekretär. Rafael Mariano Grossi, Argentinier und seit 2019 Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, gilt laut mehreren Beobachtern als Frontrunner. Er trat als einziger Kandidat an, ohne sein laufendes Amt aufzugeben, was er auf der Debattenbühne als Pflichterfüllung bezeichnete: Es wäre eine 'Pflichtverletzung', die IAEA für einen Wahlkampf zu verlassen.

Michelle Bachelet aus Chile, 74 Jahre alt und zweimalige Staatspräsidentin sowie frühere UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, betonte moralische Führungsstärke und Ausdauer. Sie formulierte: 'Der Generalsekretär darf nicht aufgeben.' Rebeca Grynspan aus Costa Rica, derzeit Generalsekretärin der UNCTAD, verwies auf ihre Rolle bei der Vermittlung des Schwarzmeer-Getreideabkommens als Beleg dafür, dass die Spitze der UN gerade dann aktivster sein müsse, wenn der Sicherheitsrat blockiert sei.

María Fernanda Espinosa aus Ecuador war von 2018 bis 2019 Präsidentin der 73. Generalversammlung. Carolyn Rodrigues-Birkett aus Guyana ist Diplomatin und wäre die erste Person aus der Karibik in diesem Amt. Macky Sall war bis 2024 Staatspräsident des Senegal und bringt afrikanisches diplomatisches Gewicht in das Rennen.

Was die Kandidaten zur UN-Krise sagten

Die Debatte am 23. Juli kreiste um drei Themen: die Reform des Sicherheitsrats, den blockierten Multilateralismus und den Konflikt am Persischen Golf. Alle sechs Kandidaten betonten die Notwendigkeit, das Vertrauen in die Vereinten Nationen wiederherzustellen. Die Organisation hat in den vergangenen Jahren mit einer Serie von Krisen, in denen der Sicherheitsrat durch Vetomächte gelähmt war, an Ansehen verloren.

Grynspan sprach das Strukturproblem direkt an: Ein Generalsekretär könne nicht auf die Zustimmung des Rats warten, wenn dieser handlungsunfähig ist. Das war eine Anspielung auf Situationen wie die Blockaden im Ukraine-Krieg und im Gazakonflikt, bei denen Russland und die USA jeweils Resolutionen verhinderten. Bachelet plädierte für anhaltenden öffentlichen Druck auf Völkerrechtsverstöße, auch wenn diplomatische Mittel zu versagen scheinen.

Dass die Kandidaten die Hormuzstraße explizit diskutierten, zeigt wie präsent der Iran-Konflikt in New York ist: Wer auch immer im Januar 2027 das Amt antritt, übernimmt eine Organisation, die in einer geopolitischen Krise von globaler Tragweite steht.

Trumps Infantino-Plan und die Grenzen des Verfahrens

Parallel zum formellen Kandidatenfeld hatte die Trump-Regierung am 22. Juli gemeldet, sie unterstütze FIFA-Präsident Gianni Infantino für den Posten. Infantino hat jedoch keine formelle Kandidatur eingereicht und sich nicht zu dem Bericht geäußert. Unter den sechs Kandidaten, die am 23. Juli auf der Bühne standen, war er nicht.

Selbst wenn eine formelle Nominierung käme, müsste Infantino die Hürden des Verfahrens nehmen: Eine Empfehlung des Sicherheitsrats erfordert mindestens neun Stimmen, ohne Veto einer Vetomacht. Russland und China haben in der Vergangenheit westlich unterstützte Kandidaten blockiert. Ob sie einen von Trump geförderten Kandidaten ohne eigene Vorerfahrung im multilateralen System durchließen, ist unklar.

Erster Sicherheitsratswahlgang am 30. Juli

Am 30. Juli stimmen die fünfzehn Mitglieder des Sicherheitsrats in einem ersten, geheimen Stimmungstest ab. Das Ergebnis zeigt, wer frühzeitig Unterstützung hat und wer auf Widerstand stößt. Es können mehrere Wahlgänge folgen, bis ein Kandidat eine stabile Mehrheit ohne Veto erreicht. Die Generalversammlung bestätigt die Empfehlung anschließend formal.

Der neue Generalsekretär übernimmt ein Amt in einem strukturell geschwächten System: Die wichtigsten Konflikte, Ukraine, Iran und Gaza, können im Sicherheitsrat nicht gelöst werden, weil Vetomächte auf verschiedenen Seiten stehen. Was der neue Chef dagegen tun kann, ist begrenzt. Was er tun muss, wenn er die Organisation nicht weiter aushöhlen lassen will, ist diplomatisch heikel. Die Debatte vom 23. Juli hat gezeigt, dass alle sechs Kandidaten das wissen.

Quellen (13)

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