Vance oder Rubio: Das Rennen um Trumps Nachfolge beginnt in Dallas
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Vance oder Rubio: Das Rennen um Trumps Nachfolge beginnt in Dallas

Am 9. September kommen Republikaner zur ersten Parteikonvention vor Midterms überhaupt zusammen. Hinter dem Novum steckt ein konkreter Kampf: JD Vance und Marco Rubio trennt nur noch ein Prozentpunkt in den Umfragen um Trumps Nachfolge. Bei den Demokraten dominiert Kamala Harris das Feld mit 35 Prozent.

16. Juli 2026, 7:11 Uhr 922 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Am 9. September treffen sich Delegierte der Republikanischen Partei im American Airlines Center in Dallas zu einer Convention. Keine Partei hat das in der Geschichte der amerikanischen Demokratie vor den Zwischenwahlen je getan. Dass Trump dieses Novum ankündigte, ist kein Zufall. Donald Trump kann 2028 nicht mehr kandidieren, der 22. Verfassungszusatz verbietet ihm eine dritte Amtszeit. Wer er als Erbe favorisiert, ist die eigentliche Frage dieser Convention. Und das Rennen ist enger geworden als erwartet: Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio trennt in aktuellen Umfragen ein einziger Prozentpunkt.

Warum das Rennen früher als je zuvor beginnt

Die Demokraten haben nach der 2024-Niederlage von Kamala Harris eine Lektion internalisiert: Wer zu spät klärt, wer kandidiert, verliert. Joe Biden ließ sich bis Juli 2024 Zeit, was Harris kaum vier Monate für eine landesweite Kampagne ließ. Inzwischen laufen beide Parteien früher an.

Für die Republikaner ist die Frühheit strukturell erzwungen. Trumps zweite Amtszeit läuft bis Januar 2029. Eine Wiederkandidatur ist ausgeschlossen. Das bedeutet: Zum ersten Mal seit 2008 muss die GOP ohne einen amtierenden Präsidenten als natürlichen Kandidaten in eine Präsidentschaftswahl ziehen. Die einzige analoge Situation war damals John McCains Kandidatur. Diesmal kämpfen Vance und Rubio darum, wer die Bewegung erbt. Nicht nur das Amt, die Bewegung.

Die Midterms am 3. November 2026 stehen im Hintergrund. 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 Senatssitze stehen auf dem Spiel. Aktuelle Umfragen zeigen die Demokraten mit einem Vorsprung von sechs Prozentpunkten im Generic Ballot und einer prognostizierten Wahrscheinlichkeit von 78 Prozent, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückzugewinnen. Für Vance und Rubio sind die Midterms daher auch eine Bühne: Wer die GOP-Kandidaten erfolgreicher unterstützt, hat das stärkere Argument für seine Nominierung.

Demokraten: Harris führt klar, Newsom verliert Boden

Auf der demokratischen Seite hat sich das Feld seit dem Frühjahr 2026 deutlich sortiert. Eine Erhebung von Quantus Insights vom Juli 2026 sieht Kamala Harris bei 35,3 Prozent unter potenziellen demokratischen Kandidaten. Gouverneur Gavin Newsom, lange als möglicher Alternative gehandelt, kommt auf 17,7 Prozent. Pete Buttigieg und Alexandria Ocasio-Cortez folgen mit rund 13 und 11 Prozent.

Harris hatte am 10. April 2026 auf der Jahreskonferenz des National Action Network in New York öffentlich eine Kandidatur angedeutet. Reverend Al Sharpton fragte direkt, Harris antwortete: "Listen, I might, I might. I'm thinking about it." Es war die erste öffentliche Bestätigung einer ernsthaften Erwägung, nicht nur eine Nicht-Ausschließung. Im Juli 2026 kam die Irish Times in einem Porträt zu dem Schluss, Harris habe mit einer Reihe strategischer Schritte, darunter dem PAC "Fight for the People" und Auftritten in republikanisch dominierten Südstaaten, ein echtes Fundament für eine Kampagne gelegt.

Auch in Michigan, einem der entscheidenden Swing States, liegt Harris vorn. Eine Umfrage für die Detroit News und den Sender WDIV-TV sieht sie bei rund 25 Prozent der Demokraten. Ihre schwächste Flanke bleibt die gleiche wie 2024: Teile der jungen und schwarzen Wählerschaft, die 2024 proportional häufiger für Trump stimmten. Harris arbeitet genau an diesem Problem, indem sie gezielt in Gemeinschaften auftritt, die ihr 2024 wegbrachen.

Eine formale Kandidaturerklärung erwartet niemand vor Anfang 2027. Der Herbst 2026 ist eine Testphase: Wie erfolgreich sind die Kandidaten, die Harris unterstützt? Wie kommt sie in den Fernsehdiskussionen der Midterm-Saison an? Die Antworten auf diese Fragen entscheiden, ob ihre Führungsposition Anfang 2027 noch hält.

Republikaner: Vance verliert Boden, Rubio gewinnt

Das überraschendere Bild entsteht auf der republikanischen Seite. Anfang 2026 lag Vance in Umfragen deutlich vorn, mit bis zu 52 Prozent in manchen Erhebungen gegenüber Rubios 20 Prozent. Im Mai 2026 zeigte eine Umfrage des Emerson College zum ersten Mal einen statistischen Gleichstand: Vance bei 36 Prozent, Rubio bei 35 Prozent. Forbes titelte von einem "Schock-Poll".

Der Einbruch Vances hat mehrere Ursachen. Als Vizepräsident ist er täglich in Regierungsarbeit eingebunden, nicht im Wahlkampfmodus. Rubio hat hingegen als Außenminister einen höheren internationalen Sichtbarkeitsgrad entwickelt und taucht öfter auf Titelseiten auf. Zudem sprechen demografische Daten der Emerson-Umfrage eine deutliche Sprache: Republikanische Wähler über 50 bevorzugen Rubio mit sechs Punkten Abstand, jüngere unter 50 Vance. Das ist nicht trivial in einer Partei, deren Stammwählerschaft älter ist.

Hinter den Kulissen ist das Verhältnis angespannt. Das Medium Daily Beast berichtete, dass Vertraute Vances gezielt versuchten, Rubio intern zu schaden, ohne öffentliche Kritik zu üben. Was die beiden in der Substanz unterscheidet, ist schwer zu fassen: Beide bekennen sich zu Trumps Agenda, beide stehen für America First. Der Unterschied liegt in der Herkunft. Vance kommt aus dem populistischen Flügel, Rubio aus dem Establishment, zu dem er sich einst offen bekannte. In einer Partei, die Establishment-Kritik als Kernidentität pflegt, ist das ein Nachteil, den Rubio durch Loyalität auszugleichen versucht.

Dallas, 9. September: Was dort entschieden wird

Die Convention am 9. und 10. September im American Airlines Center in Dallas ist Trump zufolge eine "Energiespritze" für die Midterms. Die Ankündigung erfolgte im Juni 2026 über PBS und NBC. Innerhalb der Partei zweifeln manche, ob eine Convention vor den Midterms die richtigen Aufmerksamkeiten erzeugt, ob sie also die GOP-Basis für Kongresswahlen mobilisiert oder die Präsidentschaftsnachfolge unnötig früh in den Vordergrund rückt.

Für Vance und Rubio ist Dallas ein Pflichtauftritt. Wer dort die stärkere Rede hält, wer die Menge begeistert, wer Trump den besseren Moment auf der Bühne liefert, sammelt Kapital für 2028. Es ist ein Auftritt ohne Entscheidung, aber mit Gewichten.

Formale Kandidaturerklärungen erwarten Politikstrategen beider Parteien nicht vor dem ersten Quartal 2027, nach dem Ende der Midterm-Saison und der anschließenden Ruhezeit. Bis dahin gilt: Das Feld ist gesetzt, die Positionen sind bezogen und die erste Convention vor Midterms in der Geschichte der Republik hat einen konkreten Zweck. Sie soll Trumps Erbe bestimmen, bevor Trump selbst die Bühne verlässt.

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