VW-Halbjahr 2026: Absatzeinbruch in China um 32 Prozent
Wirtschaft

VW-Halbjahr 2026: Absatzeinbruch in China um 32 Prozent

Der Volkswagen-Konzern hat im ersten Halbjahr 2026 einen Betriebsgewinn von 5,9 Milliarden Euro erzielt, 11,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders schmerzhaft: In China brach der Absatz um 31,6 Prozent ein, während der chinesische Gesamtmarkt nur um rund 20 Prozent schrumpfte. VW verliert also aktiv Marktanteile.

24. Juli 2026, 13:03 Uhr 675 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Zum ersten Mal seit seiner Niederlage im Aufsichtsrat vom 9. Juli stand VW-Chef Oliver Blume heute öffentlich Rede und Antwort. Die Halbjahreszahlen, die er gemeinsam mit Finanzvorstand Arno Antlitz präsentierte, erklären, warum der Konzern unter so großem Druck steht: Das Betriebsergebnis sank im ersten Halbjahr 2026 um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Antlitz formulierte für Unternehmensvertreter ungewöhnlich klar, die operative Marge befinde sich auf einem zu niedrigen Niveau.

VW verliert in China schneller als der Markt schrumpft

Der chinesische Automobilmarkt schrumpfte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt um rund 20 Prozent. VW hat dort jedoch 31,6 Prozent weniger Fahrzeuge abgesetzt. Das bedeutet: Der Konzern verliert nicht nur wegen eines allgemein schwächeren Marktes, sondern verliert aktiv Marktanteile an chinesische Wettbewerber wie BYD, Zeekr und SAIC. In Spitzenjahren stammten fast 40 Prozent der Konzerngewinne aus China. Dieses Polster bricht weg.

Der Gesamtabsatz des Konzerns sank im ersten Halbjahr 2026 um 8,4 Prozent auf 4,0 Millionen Fahrzeuge. Der Konzernumsatz lag bei 158,1 Milliarden Euro, kaum verändert gegenüber dem Vorjahr mit 158,4 Milliarden. Die operative Marge sank auf 3,8 Prozent im Halbjahr. Das zweite Quartal fiel mit 4,2 Prozent bereits etwas besser aus als das erste; bereinigt um Sondereffekte lag die Halbjahres-Marge bei 4,3 Prozent.

Besonders beunruhigend ist ein struktureller Nebeneffekt: Chinesische Hersteller weiten ihren Export nach Europa aus. Was VW also in China verliert, trifft den Konzern zweifach: im Absatzmarkt der Wettbewerber und bald auch im europäischen Heimmarkt.

Wie VW die Verluste begrenzt

Dass das Ergebnis nicht noch stärker eingebrochen ist, liegt an den Kostensenkungen der vergangenen Monate. Die Fabrikkosten an deutschen VW-Standorten sanken laut Unternehmensangaben 2025 um mehr als 20 Prozent. Das war das Ergebnis der langen Auseinandersetzung mit IG Metall und Gesamtbetriebsrat im Herbst 2024, die zeitweise in Warnstreiks mündete. Konzernmarken wie Skoda konnten ihr Ergebnis stabilisieren. Das Finanzdienstleistungsgeschäft wuchs um 7,9 Prozent und federte den Rückgang im Automobilsegment teilweise ab.

Volkswagen lässt die Margenprognose für das Gesamtjahr 2026 bei 4,0 bis 5,5 Prozent. Die Umsatzprognose wurde jedoch angepasst: Statt des ursprünglich erhofften Wachstums von bis zu drei Prozent rechnet der Konzern nun mit einem Rückgang von bis zu drei Prozent. Das Ziel ist, in der zweiten Jahreshälfte deutlich besser abzuschneiden als in der ersten. Das zweite Quartal mit 4,2 Prozent Marge zeigt, dass das erreichbar sein könnte, wenn China nicht weiter einbricht.

Antlitz nannte vier Hebel, die VW bedienen müsse: strukturell niedrigere Kosten, höhere Effizienz in den Werken, schnellere Technologieentwicklung und beschleunigte Entscheidungsprozesse. Das klingt wie eine implizite Kritik an einer Konzernstruktur, die auf Konsens und Mitbestimmung ausgelegt ist, aber kein schnelles Handeln erlaubt.

Blumes Niederlage und Cavallos Druck

…bei der Aufsichtsrat seinen Sparplan mit zwölf gegen sieben Stimmen abgelehnt hatte. Blume wollte bis zu 100.000 Stellen weltweit streichen und vier deutsche Werke in Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm bis spätestens 2034 schließen. Niedersachsen als Großaktionär und die Arbeitnehmerseite stoppten den Plan.

Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo stellte Blume seither unter Druck: Der Vorstand müsse klare Produktzusagen und Investitionszusagen für die betroffenen Werke vorlegen, andernfalls blockiere der Betriebsrat weitere Schritte. IG Metall-Chefin Christiane Benner bekräftigte, dass Werksschließungen für die Gewerkschaft keine akzeptable Option seien.

Die heutigen Zahlen dürften den Handlungsdruck auf Blume eher erhöhen als mildern. Das Paradox seiner Lage: Die schwache Marge von 3,8 Prozent belegt, dass struktureller Handlungsbedarf besteht. Der Aufsichtsrat aber hat genau den Plan gestoppt, mit dem Blume diesen Bedarf adressieren wollte. Ohne Einigung mit Betriebsrat und Gewerkschaft läuft keine dauerhafte Strukturänderung.

Herbstsitzung entscheidet über Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm

Die konkrete Entscheidung über die vier bedrohten Werke wurde im Juli vertagt. Die nächste reguläre Aufsichtsratssitzung, bei der diese Frage auf der Tagesordnung steht, ist für den Herbst 2026 geplant. Bis dahin muss die operative Marge die Zielvorgabe von 4,0 bis 5,5 Prozent erreichbar erscheinen lassen, damit Blume den Druck für weitere Einschnitte aufrechterhalten kann.

Für die rund 290.000 Beschäftigten allein in deutschen Werken von VW, Audi und Porsche bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Wer trägt den Preis des Umbaus, wie tief greifen die Einschnitte und welche Werke überleben die zweite Hälfte dieses Jahrzehnts? Die Halbjahreszahlen liefern den Kontext, aber keine Antwort.

Quellen (12)

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