Dritte Afrikareise: Wadephul sucht Energie und findet Konkurrenz
Es war Johann Wadephuls eigene Eröffnungsbilanz seiner viertägigen Afrikareise: Niemand wartet auf Deutschland oder Europa. Wir müssen auf diese Länder zugehen. Der Satz, gesagt bei der Ankunft in Johannesburg, ist die ehrlichste Beschreibung der deutschen Afrikapolitik seit Jahren. Deutschland ist spät. China, die Golfstaaten und zunehmend auch die USA haben in vielen der Länder, die Wadephul diese Woche besuchte, längst Fuß gefasst.
Was Deutschland in Afrika sucht
Das Auswärtige Amt beschreibt die Reiseziele diplomatisch als Stärkung globaler Partnerschaften. Konkret geht es um drei Dinge: Energie, Rohstoffe und Sicherheit. Alle drei sind direkt mit deutschen Eigeninteressen verknüpft. Die Abhängigkeit von russischem Gas ist zwar gebrochen, aber der Streit über die Diversifizierung der Energieimporte dauert an. Afrika bietet mögliche Antworten. Mauretanien produziert seit 2025 gemeinsam mit Senegal Flüssigerdgas und gilt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für grünen Wasserstoff. Nigeria ist der bevölkerungsreichste Staat Afrikas und verfügt über erhebliche Öl- und Gasreserven. Südafrika ist mit einem Handelsvolumen von rund 20 Milliarden Euro im Jahr 2025 bei weitem der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands auf dem Kontinent.
Daneben stehen Rohstoffe: Mauretaniens Eisenerzvorkommen, Nigerias Lithiumpotenzial und Kupferpotenzial und Südafrikas Platinreserven sind für die deutsche Industrie von wachsender Bedeutung. Der Übergang zur Elektromobilität und zur Wasserstoffwirtschaft braucht genau diese Materialien und China hat den Zugang zu vielen afrikanischen Minen in den vergangenen zwei Jahrzehnten systematisch gesichert.
Drei Länder, drei Agenden
In Mauretanien traf Wadephul am 20. Juli Außenminister Mohamed Salem Merzoug in Nouakchott. Die Gespräche konzentrierten sich auf mögliche LNG-Lieferungen und die Nutzung mauretanischer Solarkapazitäten zur Produktion von grünem Wasserstoff für den deutschen Markt. Mauretanien ist einer der wenigen Kandidaten in der Region, der sowohl die Ressourcen als auch eine vergleichsweise stabile politische Lage mitbringt.
In Nigeria sprach Wadephul mit Wirtschaftsvertretern über Investitionen in Energie, Klimaschutz und Rohstoffprojekte. Im Mittelpunkt stand das Presidential Power Initiative, ein Programm das 2019 unter Präsident Buhari mit Siemens Energy vereinbart wurde. Das Unternehmen soll Nigerias Stromnetz für 2,3 Milliarden Dollar ausbauen und gleichzeitig Tausende junger Ingenieure ausbilden. Wadephul besuchte den Siemens-Energy-Standort in Johannesburg, wo Turbinen für Nigeria und Südafrika produziert werden. Das Engagement zeigt, was deutsche Industriepräsenz leisten kann, wenn sie nicht nur Güter exportiert, sondern vor Ort ausbildet und produziert.
In Südafrika stand die bilaterale Wirtschaftsbeziehung im Vordergrund. Das Handelsvolumen von rund 20 Milliarden Euro macht Südafrika zum wichtigsten deutschen Partner südlich der Sahara. Gleichzeitig ist es das einzige afrikanische G20-Mitglied, das US-Präsident Trump vom Gipfel in Miami ausgeschlossen hat. Deutschland hatte zuvor angekündigt, Südafrika beim G20 diplomatisch zu vertreten.
Der Wettbewerb mit China und den Golfstaaten
Was Wadephul in allen drei Ländern antraf, war das gleiche Phänomen: Der Gesprächspartner sieht Deutschland als attraktiven Partner, aber nicht als unverzichtbaren. China hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten in ganz Afrika Häfen, Straßen, Minen und Energieprojekte finanziert und gebaut. Saudi-Arabien und die Emirate investieren in Agrarflächen und Häfen. Die USA sind nach dem US-Afrika-Führungsgipfel vom Dezember 2022 mit einer erneuerten Partnerschaftsstrategie aktiv. Wadephul kommt zum dritten Mal als Außenminister nach Afrika, ohne dass Deutschland ein dauerhaftes Büro in Lagos unterhält, der größten Stadt Subsahara-Afrikas.
Kritik kam aus der deutschen Zivilgesellschaft: Die Seite German Foreign Policy bezeichnete den deutschen Ansatz als extraktivistisches Erbe und fragte, ob Deutschland in Afrika Rohstoffe sichern oder echte wirtschaftliche Entwicklung fördern wolle. Wadephul antwortete darauf indirekt: Nigeria soll nicht nur Energie liefern, sondern auch Abnahmemarkt für deutsche Industrieprodukte werden. Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Nigeria wuchs auf rund 3 Milliarden Euro, wobei zwei Drittel der Exporte in Richtung Deutschland fließen, fast ausschließlich Öl. Die Umkehrung dieses Ungleichgewichts wäre das Ziel, bleibt aber vorerst Absichtserklärung.
Was Wadephul mit nach Hause bringt
Konkrete Abschlüsse der Reise: Mauretanien und Deutschland haben eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei LNG und grünem Wasserstoff unterzeichnet. Das Energieprojekt mit Siemens Energy in Nigeria läuft weiter, auch wenn der Fortschritt langsamer ist als ursprünglich geplant. Südafrika und Deutschland haben ihre bestehende Wirtschaftspartnerschaft bestätigt. Das klingt nach wenig, ist aber charakteristisch für Diplomatie dieser Art: Keine Deals werden auf Reisen beschlossen, sondern vorbereitet.
Die eigentliche Frage ist, ob Deutschland die Konsequenzen aus Wadephuls eigenem Satz zieht. Wenn niemand auf Deutschland wartet, braucht es Präsenz, die über Ministerreisen hinausgeht. Ein ständiges Wirtschaftsbüro in Lagos, mehr Niederlassungen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und langfristige Finanzierungspartnerschaften wären nötig. Die politische Entscheidung darüber liegt beim Bundestag, der die entsprechenden Mittel im Haushalt 2027 bewilligen oder verweigern müsste.
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