Drei Monate Irankrieg: Trump droht nun auch Oman
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Drei Monate Irankrieg: Trump droht nun auch Oman

Drei Monate nach Kriegsbeginn hat Donald Trump einem US-Verbündeten mit Bombardierung gedroht: Oman, dem traditionellen Vermittler zwischen Washington und Teheran. Der Konflikt weitet sich aus, während die US-Munitionsvorräte schwinden und ein fertiger Friedensentwurf auf Trumps Unterschrift wartet.

31. Mai 2026, 2:43 Uhr 824 Wörter · 5 Min. Lesezeit

„Das sind internationale Gewässer und Oman wird sich verhalten wie alle anderen oder wir müssen sie in die Luft jagen." Mit diesen Worten bedrohte US-Präsident Donald Trump am 27. Mai einen Verbündeten. Es war kein Versprecher: Das Außenministerium veröffentlichte im Anschluss den offiziellen Wortlaut des Kabinettsprotokolls, in dem explizit Oman genannt wird, nicht Iran. Drei Monate nach Kriegsbeginn hat der Konflikt eine neue Qualität. Die USA bedrohen nun auch neutrale Mittler in der Region und zeigen dabei unübersehbare Zeichen strategischer Erschöpfung.

Das Mautsystem, das Trump nicht duldet

Hintergrund der Drohung sind Berichte über mögliche Gespräche zwischen Oman und Iran über ein gemeinsames Verwaltungssystem für die Straße von Hormus. Iran erhebt nach eigenen Angaben seit Ende April Gebühren für Schiffe, die von den Revolutionsgarden kontrollierte Meerenge passieren wollen. Die Trump-Regierung bezeichnete Berichte über Verhandlungen zwischen Oman und Iran später als „komplette Erfindung". Dennoch ließ Trump die Drohung öffentlich stehen, nachdem er auf einer Kabinettssitzung nach dem Thema gefragt worden war.

US-Finanzminister Scott Bessent legte am Donnerstag nach und schrieb auf X, die USA duldeten „keinen Versuch, ein Mautsystem in der Straße von Hormus einzuführen". Insbesondere Oman solle wissen, dass das US-Finanzministerium „alle Akteure, direkt oder indirekt, aggressiv ins Visier nehmen wird, die an der Erhebung von Mautgebühren in der Meerenge beteiligt sind." Die Botschaft war zweigleisig: militärische Drohung von Trump, wirtschaftliche Sanktionsdrohung von Bessent. Oman dementierte, jemals entsprechende Gespräche mit Iran geführt zu haben.

Oman: Unverzichtbarer Vermittler unter Druck

Die Schärfe der Drohung überrascht, weil das Sultanat historisch eine Sonderrolle spielt. Oman diente in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrfach als diskrete Schaltstelle zwischen Washington und Teheran. Geheimverhandlungen, die 2013 und 2014 zum Atomabkommen von 2015 führten, fanden zu wesentlichen Teilen in Maskat statt. Sultan Haitham bin Tariq pflegt ein neutrales Auftreten zwischen den Blöcken. Das Land unterhält diplomatische Beziehungen zu Iran, ist aber zugleich Mitglied des Golfkooperationsrats und eng mit den USA verbunden.

Trumps Drohung verändert die Grundlage dieser Neutralität. Wenn Washington bereit ist, einen Verbündeten wegen mutmaßlicher Gespräche mit Iran zu bedrohen, verliert die gesamte Region die Gewissheit, dass Vermittlerrollen politisch geschützt sind. Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate haben die Episode aufmerksam registriert. Ihnen allen drohen US-Sanktionen, falls sie in irgendeiner Form mit iranischen Gebührenvorstellungen kooperieren. Das schränkt den Raum für regionale Diplomatie erheblich ein, gerade in dem Moment, in dem Washington eigentlich Vermittler braucht, um einen Deal abzuschließen.

Drei Monate Krieg, erschöpfte Magazine

Am 28. Mai jährte sich Kriegsbeginn zum dritten Monat. Der Krieg hat die USA nach Schätzungen des Zentrums für Strategische und Internationale Studien bislang täglich rund eine Milliarde Dollar gekostet. Rund 2.000 Schiffe mit etwa 20.000 Seeleuten liegen im Persischen Golf vor Anker. Statt der üblichen 100 passieren täglich nur noch 16 bis 26 Schiffe die Meerenge. Mehrere Staaten in der Region haben ihren Luftraum gesperrt, Dutzende Flugverbindungen in den Nahen Osten wurden gestrichen.

Die innenpolitischen Konsequenzen sind messbar. Senator Mark Kelly (D-Arizona), Mitglied des Streitkräfteausschusses des Senats, warnte in einer öffentlichen Anhörung am 10. Mai: „Es ist schockierend, wie tief wir in diese Magazine gegangen sind." Kelly verwies auf Briefings des Pentagons über Tomahawk-Marschflugkörper, ATACMS-Raketen sowie Abfangraketen der Typen SM-3, THAAD und Patriot. Als er Verteidigungsminister Pete Hegseth fragte, wie lange die Wiederauffüllung dauern würde, lautete die Antwort: Jahre. „Wir haben viele Munition verbraucht und das bedeutet, dass die amerikanische Bevölkerung weniger sicher ist", sagte Kelly.

Hegseth versuchte, eine Pentagon-Untersuchung gegen Kelly einzuleiten, weil er angeblich über klassifizierte Informationen gesprochen hatte. Kelly wies das zurück: Die Details seien in einer öffentlichen Anhörung besprochen worden, nicht in einem Geheimgespräch. Der Streit ist symptomatisch für eine Regierung, die innenpolitische Kritik am Kriegsverlauf als sicherheitspolitisches Problem behandelt. Die taz bezeichnete Trumps Strategie als in die Sackgasse gelogen: Einen Plan zum Kriegsende hat die Regierung nie öffentlich formuliert.

Vor dem G7-Gipfel in Évian am 15. Juni

Die Rohölmärkte haben im Mai einen unerwarteten Kurs genommen. Der Brent-Preis fiel im Verlauf des Monats um fast 19 Prozent auf rund 92 Dollar pro Barrel. Händler preisen einen möglichen Deal ein: Ein fertiger Textentwurf für ein 60-Tage-Memorandum liegt vor, das die schrittweise Öffnung der Meerenge gegen Freigabe eingefrorener iranischer Vermögen von 12 Milliarden Dollar vorsieht. Trump hat das Dokument nach dem Treffen im Situation Room am 29. Mai noch immer nicht unterzeichnet, lehnt es aber auch nicht formal ab.

Zwei Positionen stehen sich unverändert gegenüber. Trump besteht darauf, dass Iran schriftlich fixiert, niemals eine Atomwaffe zu entwickeln. Teheran lehnt das als Vorbedingung ab. Der nominelle Waffenstillstand vom 8. April gilt auf dem Papier noch immer. Praktisch beschießen beide Seiten täglich Schiffe, Drohnen und Stützpunkte.

Nächster diplomatischer Fixpunkt ist der G7-Gipfel in Évian vom 15. bis 17. Juni. Die Finanzminister hatten im Mai zugesagt, bis dahin einen Aktionsplan vorzulegen, der über Kommuniqués hinausgeht. Was das konkret bedeutet, ist offen. Klar ist: Oman, das Sultanat, das Washington seit Jahren als unverzichtbaren Gesprächskanal zu Teheran nutzte, hat nun die öffentliche Drohung erhalten, in die Luft gesprengt zu werden, falls es sich nicht fügt.

Quellen (11)

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