
Urlauber per Boot evakuiert: Zwei Tote auf Salamis
Quellen (13)
- Südtirol News: Waldbrände auf Salamis fordern zwei Totesuedtirolnews.it
- Tagesspiegel: Evakuierung über den Seewegtagesspiegel.de
- SWI swissinfo: Waldbrand auf griechischer Inselswissinfo.ch
- BVZ: Waldbrand auf Salamis unter Kontrollem.bvz.at
- Euronews: Schwerster Waldbrand NRW-Geschichte Gey-Evakuierungde.euronews.com
- taz: Größter Waldbrand in NRW-Geschichtetaz.de
- Tagesspiegel: Hohe Venn unter Kontrolletagesspiegel.de
- infranken.de: Waldbrand Waldaschaff 800 Einsatzkräfteinfranken.de
- Feuerwehrmagazin: 550.000 Quadratmeter Waldbrand Landesgrenzefeuerwehrmagazin.de
- Euronews: Waldbrände in Europa 2026 Rekordjahrde.euronews.com
- Der Bote: Feuerwalzen in Europa Überblickbote.ch
- Deutschlandfunk: SPD schlägt Strafverschärfung für Brandstiftung vordeutschlandfunk.de
- NZZ: SPD fordert härtere Strafen für Brandstifternzz.ch
Zwischen dem Strand Peristeria und den brennenden Kiefernwäldern lagen am Sonntag nur wenige Hundert Meter. Zwei Menschen konnten sich nicht retten; die griechische Küstenwache schickte fünf Patrouillenboote, um Hunderte von Badegästen und Anwohnern zu evakuieren, die von den Flammen abgeschnitten worden waren. Während Griechenland seine Brandnacht auszuwerten begann, meldeten nordrhein-westfälische Behörden den größten Waldbrand der Landesgeschichte seit 1991. In Franken standen zeitgleich mehr als tausend Einsatzkräfte im Einsatz.
Feuer über dem Badestrand
Salamis liegt rund 16 Kilometer westlich des Athener Zentrums und ist über eine kurze Fährverbindung erreichbar. An einem typischen Augustwochenende sind die Strände im Süden und Osten der Insel übervoll. Am 16. August brachen dort nahezu gleichzeitig zwei Brände aus; starke Winde fachten die Flammen an und trieben sie auf bewohnte Gebiete zu. Rund 200 Feuerwehrleute, sechs Löschflugzeuge und sieben Hubschrauber kämpften stundenlang gegen die Feuerfront. Am Montag meldete die griechische Feuerwehr den Brand unter Kontrolle.
Die beiden Todesopfer wurden nahe dem Strand Peristeria geborgen. Wer sie waren und wie sie ums Leben kamen, bestätigten die Behörden bis Montagvormittag nicht. Griechenland hat in diesem Sommer bereits mehrere schwere Brandnächte erlebt: Das Europäische Waldbrandinformationssystem EFFIS registrierte bis Anfang August allein für Griechenland eine verbrannte Fläche von mindestens 23.839 Hektar.
Deutschlands größter Sommerbrand seit 1991
In Nordrhein-Westfalen begann der Brand am 13. August im Hürtgenwald, Kreis Düren. Er dehnte sich auf rund 300 Hektar aus und gilt nach Angaben des nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministeriums als größter Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen 1991. Rund 1.800 Bewohner des Ortes Gey mussten die Nacht über evakuiert werden. Eine zusätzliche Gefahr machte den Einsatz besonders riskant: Im Boden des Hürtgenwalds liegt noch Kriegsmunition aus dem Zweiten Weltkrieg, weshalb Löscheinsätze zu Fuß in Teilen des Gebietes lebensgefährlich waren. Insgesamt waren im Hürtgenwald und im angrenzenden Bereich des Hohen Venns zeitweise rund 1.400 Einsatzkräfte gebunden, darunter Bundeswehr-Hubschrauber und Bergepanzer zur Unterstützung.
Gleichzeitig brannten im Hohen Venn auf der belgischen Seite rund 3.000 Hektar Heideflächen und Moorflächen. Belgische Behörden sprachen vom größten Brand, den Belgien je erlebt habe. Torfmoorboden unter der Heide kann noch Tage nach dem sichtbaren Löschen weiterglimmen, was vollständige Kontrolle erschwert. Am Wochenende entspannte sich die Lage nahe Monschau.
In Franken brach am Samstag ein Brand bei Waldaschaff, Landkreis Aschaffenburg, aus, der sich auf rund 30 Hektar ausdehnte. Rund 1.000 Einsatzkräfte kämpften gegen die Flammen; sechs Personen wurden verletzt, 80 Bewohner vorübergehend in einer Sporthalle untergebracht und konnten nach Stabilisierung der Lage zurückkehren. Sonntagabend meldeten die Einsatzkräfte die Hauptbrandstelle gelöscht. Ein weiteres Feuer an der hessisch-bayerischen Grenze band am Montag noch rund 130 Kräfte aus dem Landkreis Aschaffenburg.
Feuer rückt nach Norden
Das Muster des Waldbrandsommers 2026 unterscheidet sich grundlegend von früheren Jahren: Brände galten lange als Phänomen des Mittelmeerraums; dieser Sommer hat das verändert. Nach EFFIS-Daten sind europaweit seit Jahresbeginn mehr als 600.000 Hektar verbrannt. Deutschland, Österreich, Dänemark und die Niederlande lagen deutlich über ihren langjährigen Durchschnittswerten. Großbritannien verzeichnete bis Mitte August 30.000 Hektar, dreimal mehr als der Durchschnitt der vergangenen zwei Jahrzehnte.
Die schwersten Verluste meldeten die südlichen Länder: Italien mit 79.084 Hektar, Portugal mit 47.776 Hektar. Frankreich hatte im Juli allein aus der Gironde Evakuierungen von mehr als 200.000 Menschen gemeldet; Spanien rief erstmals einen nationalen Waldbrandnotstand aus. Die Balearen, griechische Inseln wie Salamis und die türkische Ägäisküste gelten inzwischen als Hochrisikogebiete in Monaten, in denen sich Urlauber naturgemäß in unmittelbarer Waldnähe aufhalten.
Klimawandel als nachgewiesener Verstärker
Die Forschungsgruppe World Weather Attribution bezifferte den Klimaeinfluss auf die Dürre in Zentralspanien auf mindestens den Faktor 20: Ein Trockensommer dieses Ausmaßes wäre ohne menschengemachte Erderwärmung zwanzigmal seltener. Für Südwestfrankreich liegt der Faktor bei mindestens zwei. Das Gemeinsame Forschungszentrum der EU (JRC) schätzt, dass rund die Hälfte der EU-Landfläche unter anhaltenden Dürrebedingungen leidet. Die Weltgesundheitsorganisation zählte bis Mitte August mehr als 10.000 hitzebedingte Übersterblichkeitsfälle in Europa.
Der Deutsche Wetterdienst hatte für weite Teile der Eifel wochenlang die höchste Waldbrandwarnstufe aufrechterhalten. Erster ergiebiger Regen ist nach meteorologischer Einschätzung nicht vor September zu erwarten. Griechenland steht laut Wettermodellen bis Ende August weitere Hochdruckperioden mit Temperaturen über 38 Grad Celsius bevor.
Offene politische Frage bis Neuhardenberg
Für Urlauber ist der Salamis-Brand eine Erinnerung daran, dass bewaldete Inseln und Küstengebiete im Trockensommer grundsätzlich gefährdet sind, unabhängig davon, ob Reisewarnungen bestehen. Das griechische Zivilschutzministerium hat für die verbleibenden Sommerwochen verschärfte Überwachung angekündigt.
In Deutschland wirft die Brandserie eine ungeklärte politische Frage auf. Die Feuerwehren in NRW und Bayern sind kommunal organisiert; bei überregionalen Katastrophenlagen muss Hilfe aufwändig koordiniert werden. SPD-Umweltminister Carsten Schneider hatte vergangene Woche eine Grundgesetzänderung gefordert, die Klimaanpassung und Hitzeschutz zur Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern machen soll. Die Union lehnte das ab. Ohne diese Kompetenzklarheit bleibt eine zentral koordinierte Waldbrandstrategie für Deutschland blockiert. Das Bundeskabinett trifft sich Ende August zur Klausur in Neuhardenberg; Klimaanpassung steht auf der Tagesordnung.
Aktualisierungen
Update 17. August, 21:00 Uhr: SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese hat gegenüber der Rheinischen Post eine Anhebung des Strafrahmens für Brandstiftung gefordert. Anlass ist der Verdacht der Ermittler, dass der Hürtgenwald-Brand in NRW möglicherweise durch Brandstiftung ausgelöst wurde. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Großen (CDU) bestätigte, es gebe Anzeichen für absichtliche Brandlegung. Das geltende Recht sieht bei vorsätzlicher Brandstiftung eine Mindeststrafe von einem Jahr vor; fahrlässige Brandstiftung kann auch mit Geldstrafe geahndet werden. Wiese plädiert zudem für ein bundesweit koordiniertes Waldbrandvorsorgesystem inklusive Löschwasserteichen in Risikogebieten.
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